NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Aufklärung: Wenn aus Mutterglück Verzweiflung wird

25.09.2014

Brake Verzweiflung, Angst, Hilflosigkeit: Jenny sitzt blutverschmiert in ihrem Kinderzimmer, die Tür verschlossen. Aus dem Nebenzimmer kreischt ein Baby. Jenny hat es soeben geboren. Heimlich. Denn Jenny ist minderjährig, selbst noch ein Kind, weder Freunde noch Eltern wussten von ihrer Schwangerschaft.

Was nun? Jenny muss eine Entscheidung treffen, bei deren Findung ihr am Mittwochvormittag 300 Schüler aus der Wesermarsch bei der Theateraufführung „Gretchen reloaded“ im Central-Theater zuschauen konnten. Auf der Bühne konfrontierte sie rund eine Stunde lang die Schauspielerin Sonni Maier mit der Gefühlswelt der jungen Mutter Jenny. Per Chat hatte sie „Dreamboy17“ kennen und lieben gelernt, auch als sich dieser als der 42-jährige Heinrich entpuppte. Er verführte und schwängerte das Mädchen, wollte dann aber von dem Kind nichts wissen.

Jenny bleibt alleine zurück mit ihrer Verzweiflung, einzig ein Stoffschaf leistet ihr Gesellschaft. Mit der Zeit verschwimmen die Grenzen, einen kurzen Moment bleibt es offen, ob Jenny in ihrer Verzweiflung schließlich nur das Stofftier oder gar ihr Baby umbringt.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

„Hart und anstrengend“, würde es werden, hatte Schauspielerin Sonni Maier, die mit ihrem Stück seit 2008 über deutsche Bühne tingelt, bereits vor der Aufführung den Schülern des 9. und 10. Jahrgangs angekündigt. „Kein Heititei.“ Und traf womöglich so den Nerv ihrer Zuschauer, die dem Stück hochkonzentriert folgten. Vielleicht deshalb, weil das an das Gretchen aus Goethes Faust angelehnte Werk trotz aller Dramatik auf der Bühne nicht allzuweit hergeholt ist.

Denn dass die Themen ungewollte Schwangerschaft und Kindstötung von trauriger Aktualität sind, davon zeugt nicht nur der Fund eines toten Säuglings auf einem Autobahnrastplatz bei Vechta im August. Auch beim Verein „Donum Vitae“, der die Aufführung im Central-Theater ermöglicht hatte, ist das Problem bekannt. In 104 Fällen nahm der Kreisverband Wesermarsch im vergangenen Jahr Schwangerschaftskonfliktberatung vor.

Mit dem Stück sollen Jugendliche frühzeitig sensibilisiert werden, heißt es von Seiten des Vereins. Damit möglichst keiner sich einmal in Jennys Situation befinden möge. Auch wenn diese letztlich die richtige Entscheidung trifft. „Du sollst leben“, flüstert sie am Ende ihrem neugeborenen Baby zu.

Martin Thaler Volontär / NWZ-Redaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2003
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.