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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Wenn die Gedanken Haken schlagen

10.11.2015

Nordenham „Ich habe viel größere Angst vor dem normalen Volk als vor den Politikern“, hat Martin Zingsheim für sich festgestellt. „Gehen Sie doch mal um 22.30 Uhr in die Kneipe an den Stammtisch. Das würde uns erwarten, wenn das Volk regieren würde: Kein Wahlrecht für Frauen und Homosexuelle, kein Minderheitenschutz – will man das?“

Besonders lange Zeit zum Nachdenken hat man bei Martin Zingsheim nicht. Der Kölner Kabarettist ist, kaum hat sich die Pointe voll entfaltet, schon beim nächsten Gedanken. Am Sonnabend gastierte er bereits zum zweiten Mal in der Nordenhamer Jahnhalle und ließ seine Zuhörer im gut besuchten Saal an seinen Gedankengängen und -sprüngen im neuen Programm „Kopfkino“ teilhaben.

Der 1984 geborene Martin Zingsheim hat die Reizüberflutung zum Programm gemacht, seine Gedanken springen, schlagen Haken, und der Zuhörer hat manchmal Mühe, am Ball zu bleiben. „Sprache ist wichtig“, betont Martin Zingsheim häufig. Sei es bei Politikern, in der Beziehung oder im Alltag oder eben im Programm eines Kabarettisten.

Wortwitz und die Fähigkeit, mit Sprache umzugehen, zeichnen Martin Zingsheim besonders aus. Thematisch lässt er dabei kaum etwas aus: Veganer, Größen der Weltgeschichte, Kindererziehung, Pegida und Geheimdienste sind nur einige der Themen, die im 90-minütigen Programm auftauchen.

Für Martin Zingsheim ist Politik wie das Leiten eines Orchesters: „Vorne ein Star, darum herum viele Flachpfeifen und ein paar Lufthupen. Die Wirtschaft ist die CD. Die läuft ohnehin. Die Politik dirigiert dazu. Aber hinterher.“ Koalitionsgespräche bezeichnet er auch als „Sedierungsgespräche“, und für gestresste Menschen empfiehlt er einen Abschalt-Urlaub mit Lagerfeuer-App in der mit WLAN ausgestatteten Berghütte.

Was Martin Zingsheim nicht mit Worten allein fassen kann, das packt er in Melodien. Immer wieder setzt er sich ans Klavier und spielt ebenso gut wie er erzählt. Seine Interpretation des grünen Wahlprogramms in leichter Sprache mit dem Duktus von Herman van Veen und Klaus Kinski bringt unter Garantie das Zwerchfell zum Beben. Sein als Cento angelegtes Stück über die Musik der 1990er ist die Hymne der Generation, die den Euro-Dance-Trash und Mainstream-HipHop ertragen musste.

Auch ernste Töne beherrscht Martin Zingsheim mit Bravour, wie er in der Zugabe unter Beweis stellte. Nach den „Outtakes“, die es nicht ins Programm geschafft haben – darunter ein Wiederhören mit van Veen und Kinski – singt er noch „Ich weiß nicht“. Ein Lied, das sich mit dem Älterwerden und Demenz auseinandersetzt – „Honig im Kopf“ in ernster, aber bezaubernder Liedform.

Claus Arne Hock
Volontär, Agentur Schelling
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2743

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Orchester | Pegida

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