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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Theater: Wie ein Peitschenschlag im Muffschuppen

19.03.2011

FRIEDRICH-AUGUST-HüTTE Wie ein Peitschenschlag knallt Elfie Wohlsen alias Renate Brüggemann in die beschauliche Senioren-Pension hinein: „Moin Lüü“. Belustigt mustert sie die träge Rentner-Runde, die bei Hagebutten- und Fencheltee ihre Restlaufzeit absitzt und sich vom Wirtsehepaar die Hausordnung zitieren lässt. Höchste Zeit, dass hier mal Schwung hineinkommt. Elfie Wohlsen mischt den Laden kräftig auf. Und mit ihrem Auftritt nimmt die neue Komödie der Niederdeutschen Bühne De Plattdüütschen mächtig Fahrt auf. Rund 80 Besucher sind am Donnerstag zur Premiere von „Pension Sünnschien“ ins Kasino Friedrich-August-Hütte gekommen. Und sie erleben mit großem Vergnügen, wie aus apathischen Senioren aufmüpfige Rebellen werden.

Hartes Regiment

Sie führen ein hartes Regiment, die beiden Wirtsleute. Dem grimmigen Miesepeter Otto Salm alias Heiko Dietz sind die Zornesfalten ins Gesicht geschmiedet. Seine Frau Ida (Andrea Thormählen) versucht mühevoll und erfolglos ihr hinterlistiges Wesen mit einem strahlenden Lächeln zu tarnen. Tatsächlich haben die beiden nur ein Ziel: Ordentlich Kasse machen mit den Betagten. Die Glühbirnen haben gerade mal 25 Watt. Die Matratzen sind vom Sperrmüll. Und Lebensfreude ist in der „Pension Sünnschien“ nicht erwünscht. So verbringen die Bewohner ihre Zeit damit, in Erinnerungen an längst vergangene Zeiten zu schwelgen, auf steinharten Keksen zu kauen und in der Fernsehzeitung zu blättern.

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Henriette und Kurt Borasch (Silvia Schmertmann und Do Rohde) sind alles andere als begeistert, als diese Elfie auftaucht, die so gar keinen Wert auf gute Manieren legt. Auch Bella von Tadler (Heidrun Winter) beschleicht bei der „Neuererwerbung“ erhebliches Unbehagen. Und bei René Meier-Raffael (Erwin Heidemann), der sich gerne im Schein einer vermeintlichen Karriere als erfolgreicher Film-Regisseur sonnt, hält sich die Begeisterung ebenfalls in Grenzen. Aber das ändert sich, als den Bewohnern vor Augen geführt wird, dass der Lebensabend mehr zu bieten hat als Fencheltee und fleischlose Frikadellen.

Elfies Kodderschnauze

Die Darsteller überzeugen mit einer Klasse-Leistung. Was Renate Brüggemann als Anführerin der Rentner-Revolte abliefert, ist allererste Sahne. Elfies Kodderschnauze ist von Anfang an auf Betriebstemperatur: „Diesen Muffschuppen müssen wir mal ordentlich ummuddeln. Und den Wirtsleuten müssen wir kräftig in den Moors petten.“ Und so zieht ein brachialer Gewittersturm durch die Pension, die sich „Sünnschien“ nennt, und spült die verstaubte Monotonie aus dem beschaulichen Rentner-Alltag. Köstlich, wie der einstige Bankier Kurt Borasch seine Buchhalter-Marotten über Bord wirft und wie ein hormongeschwängerter Teenager über die Bühne zappelt.

Diese Szene gehört zu den besten Momenten einer Komödie, in der die Pointen eher sparsam dosiert sind, die gleichwohl aber bis zum Ende spannend und vergnüglich bleibt. Dabei greift sie ein klassisches Thema auf, das sich in vielen Romanen und Verfilmungen wiederfindet. Wer gesehen hat, wie Jack Nicholson in „Einer flog übers Kuckucksnest“ gegen das menschenverachtende System in einer psychiatrischen Anstalt rebelliert, dürfte viele Parallelen entdeckt haben.

Viel Lob gab es im Anschluss an die Premiere von „Pension Sünnschien“ für die Akustik im Kasino FAH. Durch den Einbau von Akustikdecken hat sich wesentlich verbessert. Auch in den hinteren Reihen waren die Schauspieler gut zu verstehen.

Hinter den Kulissen sind im Einsatz: Hans-Günther Müller (Regie), Erika Kirsch (Regieassistenz), Elke Puhl (Inspizienz), Edith Dierksen (Souffleuse), Angelika Fensch, Sylke Rautzenberg (Maske, Frisuren), Georg Modersitzki (Bühnenbau, Bühnenmalerei), Alexander Cleve, Manfred Scherotzki, Gerold Heinen (Bühnenbau), Erwin Heidemann (Bühnenmalerei), Almut Kowalski (Kostüme, Requisite), Gerd Hantke, Kevin Heimbucher (Technik, Beleuchtung)

Nach der Premiere sind im Kasino noch neun Aufführungen geplant. Abendvorstellungen (Beginn: 20 Uhr) sind am 24., 25., 26. und 31. März sowie am 1. und 2. April. Nachmittagsvorstellungen (Beginn: 15 Uhr) sind am 19., 20. und 27. März.

Karten gibt es im Vorverkauf in der NWZ -Geschäftsstelle, Bahnhofstraße 31.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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