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Roman: Wirren des Krieges und der Herzen

12.09.2015

Stollhamm /Frieschenmoor Vielleicht sitzt Marlies Folkens auch an diesem Abend wieder an ihrem PC, um letzte Korrekturen an dem riesigen Manuskript vorzunehmen. Sie ist jetzt 54 und schreibt den Roman ihres Lebens. Er spielt 1944/45 in Frieschenmoor und schildert eine Liebesgeschichte in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit bis 1949. Die Heldin ist ihrer Mutter nachempfunden.

Elli heißt die junge Frau in dem Buch, und zu Beginn der Handlung ist sie 15. Sie verliebt sich in Georg, einem Flakhelfer aus Köln. Das Buch heißt „Von Schwalben und Mauerseglern“, und neben der Liebe ist der Gegensatz zwischen Stadt und Land das große Thema. „Schwalben und Mauersegler sind einander sehr ähnlich“, sagt Marlies Folkens. „Aber Schwalben leben nur auf dem Land und Mauersegler nur in der Stadt. Sie sind nicht verwandt und vermischen sich nicht untereinander.“

Marlies Folkens ist in Stollhammer Ahndeich aufgewachsen, wo ihre Eltern Elfriede und Reinhard Folkens eine Landwirtschaft betrieben. Gleich nach dem Abitur am Gymnasium Nordenham ist Marlies Folkens nach Oldenburg gezogen, wo sie Geschichte studiert hat und heute noch lebt. Von zu Hause aus betreut sie die Internet-Präsentation einer Hamburger Veranstaltungs-Agentur.

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Todesanzeige aufbewahrt

Doch wo auch immer sie war, ob auf dem Land oder in der Stadt, nie gingen ihr die Erzählungen ihrer Mutter aus dem Ohr, die unter ihrem Mädchennamen Elfriede Padeken auf einem Bauernhof in Frieschenmoor aufgewachsen war und dort die Kriegs- und Nachkriegszeit erlebt hatte. Der Kern ihrer Erinnerungen war die Liebe zu einem jungen Mann aus Köln, den die Kriegswirren im Herbst 1944 nach Frieschenmoor verschlugen. Der junge Mann starb kurz nach dem Krieg bei einem Unfall auf dem Bau in Köln; Elfriede Folkens hütete die Todesanzeige, bis sie 1988 selbst starb.

„Die Geschichte ist mir immer im Kopf umhergegangen“, erzählt Marlies Folkens. Vor zweieinhalb Jahren begann sie, daraus einen Roman zu destillieren. Mit dem Schreiben kennt sie sich aus: Zusammen mit einem weiteren Autor verfasst sie unter Pseudonym Urlaubslektüre mit der Insel Sylt als Schauplatz. Das alles macht sie zusätzlich zum Vollzeit-Job, zu Haushalt und Familie mit zwei Töchtern.

„Die Figuren haben schnell ein Eigenleben entwickelt“, sagt die Autorin. Das durften sie auch, denn es ist ein Roman und keine Biografie. Das Werk ist massiv: Als Marlies Folkens das letzte Wort geschrieben hatte, waren 703 Seiten voll. Als große Klammer dient eine Rahmenhandlung: Elli liegt in ihrer Kammer und bekommt ein uneheliches Kind. Wer ist der Vater: Der nach Köln zurückgekehrte Georg oder der neue Freund aus der Umgebung, den Elli beim Tanzen kennengelernt hat?

Ihren Georg hat Elli im Heu kennengelernt. Dort hatte sich der Flakhelfer verborgen, nachdem er vor einem Bombardement in Wilhelmshaven geflohen war. Sie gab ihm zu essen und zu trinken, doch nach zwei Tagen flog das Geheimnis auf. Die Familie beschloss, den Fremden als Knecht bei sich zu behalten, weil jede andere Lösung sein sicherer Tod gewesen wäre.

Angehender Opernsänger

Anders als der richtige Georg ist der aus dem Roman ein angehender Opernsänger. „Größer könnte der Gegensatz kaum sein – ein junger Opernsänger auf dem Land“, sagt die Autorin.

Sie liebt selbst Opern – Verdi, Wagner und Mozart sind ihre Favoriten. Eine ihrer Freundinnen ist auch Opernfan – und gelegentlich betreut sie die Witwe des Gründers des Bastei-Lübbe-Verlags. Und so kam Marlies Folkens in Kontakt mit dem großen Unternehmen, das den Roman im nächsten Jahr veröffentlichen will. Der Termin steht noch nicht fest, aber das Titelbild ist schon fertig.

Hätte ihre Mutter sich über den Roman gefreut? Marlies Folkens weiß es nicht. Aber vor den inneren Augen ihrer Töchter ersteht beim Lesen die Welt wieder auf, die die Autorin als Kind noch selbst erlebt hatte und der sie mit dem 700-Seiten-Werk ein Denkmal setzt.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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