• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Zufallstreffer bringt Forscher auf die Spur

05.09.2015

Fedderwardersiel „Wenn die Grabungen nicht gewesen wären, würde man den alten Ringdeich rund um Sillens nicht erkennen.“ Dr. Johannes Ey vom Niedersächsischen Institut für Küstenforschung (NIhK) in Wilhelmshaven betonte am Donnerstagabend bei einem Vortrag im Nationalpark-Haus Museum Fedderwardersiel den Wert „zahlreicher kleinerer Grabungen in den Jahren 1987 und 1989“. Museumsleiterin Friederike Ehn begrüßte zu der Veranstaltung der „Gezeiten“-Wochen 55 Zuhörer.

Vorläufer der heutigen Deiche waren Wurten: Aufschüttungen aus Stallmist und Klei, die sich bis um Christi Geburt zurückverfolgen lassen. Mit ständig steigendem Meeresspiegel mussten die Menschen das „Wohnniveau“ alle 20 bis 30 Jahre erhöhen. Einzelne Wurten wuchsen dabei zu Dorfwurten zusammen. So auch in Sillens, wo wahrscheinlich im 11. Jahrhundert aus den Wurten ein Ringdeich entstand. Deichbauten, die folgten, lassen sich auf das 12. Jahrhundert datieren.

Der Anlass für Grabungen in Sillens war nach Auskunft von Dr. Johannes Ey ein Zufallsfund: Bei Erdarbeiten stieß man auf ein sogenanntes Körpergrab – vermutlich aus dem 9. Jahrhundert. Dieses Zeugnis einer friesischen Frauenbestattung weckte das Interesse der Archäologen in Wilhelmshaven und führte zu Nachforschungen. So stellten die Wissenschaftler fest, dass im frühen Mittelalter die Wurten nur geringfügig erhöht, dafür aber deutlich zur Seite erweitert worden waren. Die Flurform mit ihren heutigen Wegen zeichnet laut Johannes Ey den Ringdeich in Sillens gut nach.

Butjadingen sei gekennzeichnet gewesen durch einen inneren und einen äußeren Uferwall. Weil wahrscheinlich die Flächen im Butjenter „Binnenland“ vernässt waren, verlagerte sich die Besiedlung nach außen. Die im Süden gelegenen tiefen Flächen sind die heutigen Wischen – wie zum Beispiel Stollhammerwisch oder Abbehauserwisch.

Spätmittelalterliche Sturmfluten, darunter die „grote Mandränke“ (1362), haben ganze Dorfwurten gekappt. Als Reaktion darauf, so die Fachleute, wurde offenbar der Mitteldeich errichtet. Er war ein Binnendeich, um vom Jadebusen eindringendes Wasser von den Wirtschaftsflächen fern zu halten. Dessen Verlauf ist mit dem heutigen Wirtschaftsweg „Mitteldeich“ nördlich von Stollhamm gut nachvollziehbar.

In der dem Fachvortrag folgenden lebhaften Diskussion betonte Dr. Johannes Ey, dass in den vergangenen 2000 Jahren der Wasserspiegel nicht so dramatisch angestiegen sei wie in den Jahren davor, der Sturmflutspiegel dafür aber umso stärker. „Das ist das Gefährlichere“, ordnet der Wissenschaftler diese Entwicklung ein, die auf die Eindeichungen und die ständige Vertiefung von Elbe und Weser zurückzuführen sei.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.