Berne - So viel Power! Sie fegt als Tornado der deutschen Comedy-Szene über die Bühne, kündigte Programmchefin Ramona Kruse Tamika Campbell in der Berner Kulturmühle an. Und damit hatte sie dem Publikum nicht zu viel versprochen. Wild ging es von einem Thema zum nächsten und dann wieder zurück.
Aus New York
Jetzt, wo Trump weg ist, könne sie ruhig zugeben, dass sie aus Amerika komme, stieg die gebürtige New Yorkerin in den Abend ein. Aber Deutschland, wo sie seit 24 Jahren lebt, liebe sie – auch wenn es das Land der Anträge und Papiere sei. Anders als in den USA gebe es nämlich hier ganze Lagerräume mit uralten Rechnungen, so ihre Beobachtung. Allein schon, weil man hier ohne Angst abgeknallt zu werden, spazieren gehen kann, sei das ein Grund Deutschland zu lieben, sagte sie.
Der Liebe zu ihrer Tochter, die sich gerade mitten in der Pubertät befindet, sei sie sich hingegen gerade nicht mehr ganz so sicher, scherzte Campbell. Über absurde Redewendungen, wie sie jeder gebraucht, über das Altern, überteuerte Hauptstadtwohnungen mit fensterlosen Toiletten und vieles mehr, machte sich die 48-jährige amüsant ihre Gedanken und sprach damit so manchem Zuschauenden aus der Seele.
Kritik mit Augenzwinkern
Herzlich lachte das Publikum über Klebe-BHs und Brüste, die auf den Boden rutschen oder dass hier das Wort „Abendbrot“ tatsächlich wörtlich genommen wird. Als „Mamaclaus“ sieht Campbell den alten männlichen Kollegen, der kleine Kinder auf seinen Schoß setzt, kritisch, genau wie Zahnfeen, Osterhasen, die offenbar am Stockholmsyndrom leidende Cinderella oder Schneewittchen, die mit sieben Männern in einer WG lebt.
Erst im sportlichen Outfit und nach der Pause im schicken Abendkleid, mal laut und mal leiser, aber immer wieder mit erstaunlichen Pointen kam die Amerikanerin auch mit dem Publikum ins Gespräch, um sich beispielsweise über Reiseerfahrungen auszutauschen. Und denjenigen, die ständig überlegen, wie sie Menschen, die etwas anders aussehen, ansprechen sollen, gab sie den Tipp: Einfach mit dem Namen!
