Käseburg - Angefangen hat alles mit einer Schnapsidee, die André Böning und Freunde im Winter 2020 hatten, als sie in gemütlicher Runde den Abend in seinem Gartenhäuschen am Käseburger Sieltief verbrachten. Kurz darauf konnten Anwohner sein erstes Kunstwerk betrachten, das auf einem Boot mitten auf dem Wasser trieb: ein Weihnachtsmann, der angelt. Seitdem bastelt André Böning immer wieder an neuen Ideen und Kreationen – es entstehen künstlerische Szenen mit Figuren, die von der Brücke über dem Käseburger Sieltief an der Stedinger Landstraße zu betrachten sind.
Tiefere Bedeutung
Aktuell treibt Bönings neuestes Kunstwerk auf dem Wasser: Eine Verlobungsszene, bei der ein kniender Mann einer Frau einen Antrag macht. Davor steht auf einem langen Schild in großen Buchstaben geschrieben „Ja ich will“. Statt wie sonst auf dem kleinen Ruderboot stehen die Schaufensterpuppen aus Gewichtsgründen auf einem Ponton. Was auf den ersten Blick nicht sofort auffällt: Die überdimensionale Spritze, die sich durch die Szene zieht.
Drei bis fünf Stunden benötigt André Böning für die Fertigstellung der Szenen und den Aufbau auf dem Käseburger Sieltief. Bei der Arbeit helfen ihm oftmals auch Nachbarn und Freunde. So zum Beispiel beim Aufbau der vier Meter hohen Tanne, die im Dezember Teil der Weihnachtsszene war, sagt er. Welches Thema er in seinen Kunstwerken aufgreift, sei oft abhängig von Feiertagen oder der Jahreszeit: „Ich bringe aber häufig auch maritime Themen mit ein oder beziehe mich auf Käseburg. Am Ende sollte es immer witzig sein“, erläutert Böning.
In seiner Werkstatt stellt André Böning die Szenen fertig. Von den beiden Schaufensterpuppen, die in seinem aktuellen Kunstwerk auf dem Wasser treiben, hatte er vorher schon eine zu Hause. „Die zweite hat mir jemand geschenkt“, sagt Böning. Auch Kleidung für die Figuren oder sonstige Materialien, sofern noch nicht im Besitz, bekommt er ab und zu von Freunden oder Nachbarn.
Mit dicken Seilen befestigt er das Boot oder den Ponton an den beiden Ufern des Käseburger Sieltiefs, sodass das Kunstwerk auf seinem Stück Pachtgewässer bleibt, erzählt Böning. Auch ein Stück Land am Ufer gehört ihm. „Auf der anderen Seite hat ein Freund aus der Kindheit sein Grundstück. Der hat nichts dagegen, wenn an einem Baum Seile befestigt sind“, versichert Böning.
Hauptsächlich geht es Böning um den witzigen Charakter seiner Kunstwerke, wie beim rosa Hasen an Ostern oder bei der Hexe, die zur Walpurgisnacht über das Sieltief flog. Diesmal hat er sich etwas Tiefgründigeres ausgedacht: „Eigentlich gibt es drei Bedeutungen: Zum einen der normale Heiratsantrag, zum anderen eine kleine Anspielung auf den mexikanischen Feiertag zum Gedenken an die Toten, erkennbar am Totenkopf-Hut des Mannes. Und es geht um die Corona-Impfung.“
Letztere Bedeutung ist für den gebürtigen Käseburger eine Art „stiller Protest“ gegen Impfverweigerer. Das Thema sei momentan in aller Munde und angesichts der steigenden Infektionszahlen sei die Corona-Impfung wichtiger denn je. Dennoch steht für den 55-Jährigen der Humor im Vordergrund.
Wetten abgeschlossen
Im Freundeskreis wurden laut Böning sogar Wetten abgeschlossen, wie lange das satirisch-angehauchte Kunstwerk auf dem Käseburger Sieltief stehenbleibt, ohne dass es durch fremde Hände entfernt wird. „Ich glaube nicht, dass da was passiert. Andere haben gesagt, das wird da keine Woche stehen bis irgendjemand das aus Protest oder so wegmacht“, sagt Böning lachend.
Sollte so ein Fall eintreffen, wäre dafür niemand aus der Gegend verantwortlich, ist sich Böning sicher. Die Käseburger hätten bisher nichts Negatives zu seinen Kunst-Figuren gesagt.
Im Gegenteil: „Spaziergänger und Fahrradfahrer bleiben stehen, um zu gucken. Und auch die Autofahrer fahren langsamer über die Brücke“, bemerkt Böning. Die Kunstwerke seien in der Gegend schon eine kleine Attraktion – bei Google Earth werden sie sogar als Sehenswürdigkeit angezeigt, sagt er.
Die Figuren auf dem Wasser kommen gut an, deshalb plant André Böning auch schon sein nächstes Kunstwerk. „Die Vorbereitungen für Ostern laufen schon. Eine oder zwei Wochen vorher wird der Heiratsantrag dann abgebaut“, sagt er. Was die Käseburger dann erwarten dürfen, ist eine Überraschung.
