Blexen - Die Marktlage ist zwar noch angespannt, aber die Zeichen stehen auf Erholung. Im Dezember hat Kronos Titan nach Angaben des Werkleiters Carsten Büsing wieder eine zunehmende Nachfrage nach Titandioxid verzeichnet. Daher konnte die im Oktober begonnene Kurzarbeit zum Jahreswechsel wie geplant auslaufen. Anfang Januar ist für die rund 350 Beschäftigten wieder der Normalbetrieb eingekehrt. „Wir sind bisher immer gut durch die Krisen gekommen“, zeigt sich Carsten Büsing zuversichtlich, „das wird jetzt auch so sein.“
Corona-Folgen
Zuletzt hatte das Werk in Blexen 2009 Kurzarbeit anmelden müssen, als die weltweite Finanzkrise um sich griff. Diesmal waren die Spätfolgen der Corona-Pandemie die Hauptursache für die wirtschaftlichen Probleme. Hinzu kamen Lieferengpässe und hohe Rohstoffpreise.
Wichtigste Abnehmer für die Weißmacher-Produkte von Kronos Titan sind die Hersteller von Farben, Schutzanstrichen und Baustoffen. Die hatten infolge des Renovierungs- und Baubooms in der Hochphase der Corona-Pandemie einen enormen Bedarf, der aber in der zweiten Jahreshälfte 2022 weitgehend gesättigt war. Ab dann griffen diese Betriebe auf ihre Vorräte in den Lagern zurück und gaben kaum noch neue Bestellungen auf. Das bekam Kronos Titan zu spüren.
Im September brach die Nachfrage so stark ein, dass Kronos Titan die Notbremse ziehen musste. Inzwischen benötigen die Kunden wieder Nachschub, zumal im Frühling erfahrungsgemäß die Heimwerker Hochsaison haben und viel Farbe gekauft wird.
Nach Angaben des Werkleiters Carsten Büsing und des Betriebsratsvorsitzenden Heiko Tönjes wurde die Produktion in Blexen für drei Monate fast auf null gefahren. Die Zeit der Minimallast-Phase nutzte das Unternehmen, um Instandhaltungsarbeiten vorzunehmen, die eigentlich erst für April geplant waren. Dabei wurde unter anderem einer der drei Drehrohröfen generalüberholt.
Grünsalz-Mangel
Weil Kronos Titan während des Stillstands auch kein Eisensulfat (Grünsalz) erzeugen konnte, hatte das Folgen für die Abwasseraufbereitung in Klärwerken und Schlachtbetrieben. Das in Blexen als Nebenprodukt hergestellte Grünsalz kommt in der Abwasserreinigung als Fällmittel zum Einsatz. Zeitweise herrschte in den Klärwerken Alarmstimmung aufgrund des Mangels an Grünsalz. Die zuständigen Behörden riefen angesichts des Engpasses sogar eine erhöhte Warnstufe aus.
Um künftig auf solche Situationen vorbereitet zu sein, hat Kronos Titan zu Beginn dieses Jahres in Abstimmung mit der Gewerbeaufsicht die Herstellung von Grünsalz unter Verwendung des Rohstoffes Magnetit getestet. „Mit Erfolg“, sagt Carsten Büsing. Sollte es irgendwann noch einmal zu einem Stillstand der Titandioxid-Produktion kommen, wäre dank des neuen Verfahrens die Grünsalz-Fertigung weiterhin gewährleistet.
Im Jahresdurchschnitt entstehen bei Kronos Titan in Blexen rund 60.000 Tonnen Titandioxid. Bei den beiden Nebenprodukten Grünsalz und Kronochrome, das in der Zementindustrie zum Einsatz kommt, sind es 240.000 Tonnen und 60.000 Tonnen.
Trotz der nach wie vor „großen Herausforderungen“ in diesen turbulenten Zeiten blicken Werkleiter Carsten Büsing und Betriebsratsvorsitzender Heiko Tönjes mit viel Optimismus in die Zukunft. Für dieses Jahr ist in Blexen wieder volle Produktion geplant. „Wir sind ein gesundes Unternehmen“, betont Carsten Büsing.
Zu der Zuversicht trägt auch der von der Bundesregierung veranlasste Gaspreisdeckel bei. „Diese Maßnahme hilft uns definitiv“, sagt der Werkleiter. Gas ist der Hauptenergieträger bei Kronos Titan – noch. Langfristig möchte das Unternehmen den Standort weitestgehend mit Strom aus regenerativen Quellen betreiben.
Dafür will Kronos Titan kräftig investieren. Auf den Reserveflächen in Blexen sollen ein Solarpark und eine Windkraftanlage zur Stromerzeugung für den Eigenbedarf entstehen.
