Lemwerder - Kuh eins geht weiter, Kuh zwei folgt. Drei, vier, fünf warten bereits. Johannes Döhles Kühe wissen selbst, wie das neue Melken funktioniert. Sie stellen sich an und sobald die Vorgängerin fertig ist, dürfen sie an die Melkmaschinen. Der 25-jährige Lemwerderaner übernahm im Mai den Familienbetrieb seiner Eltern. „Kühe sind von Haus aus neugierig“, sagt er. Mit Kraftfutter lockt er sie in den Melkroboter.
145 Rinder
Seine 145 Rinder können 23 Stunden am Tag in seine drei Melkroboter gehen. Jeweils eine halbe Stunde morgens und abends reinigt sich der Roboter von selbst. Beim Melken seiner Kühe muss der junge Landwirt nicht mehr viel machen. „Früher sind meine Mutter und mein Vater um halb sechs aufgestanden“, sagt er, „drei Stunden morgens und drei Stunden abends mussten sie melken.“
Vor einem Jahr schaffte sich der Familienbetrieb drei Roboter an. Einer kostet 150 000 Euro. Zwar gibt das Land Niedersachsen Zuschüsse, doch die Auflagen seien nicht flexibel genug meint Döhle. „Da steht zum Beispiel drin, dass eine Kuhbox 1,25 Meter breit sein muss, unsere sind nur 1,2 Meter breit. Den Stall umzubauen wäre viel teurer gewesen“, sagt er.
Viele Vorteile
Jedes Rind trägt ein Halsband. „Das Halsband misst, wie viel die Kuh am Tag läuft und frisst“, sagt Johannes Döhle. So kann die tägliche Aktivität der Kuh ermittelt werden. Durch die Melkroboter spart er sich auch eine Arbeitskraft.
Mit einer App auf seinem Smartphone kann er auf den Roboter zugreifen, selbst wenn er unterwegs ist. Gibt es Probleme, kann er sie über das Handy lösen, oder jemanden hinschicken. Auch die Kühe profitieren von den Robotern. „Wenn wir sie früher melken wollten, mussten wir sie immer aufscheuchen. Die Gänge waren schmaler und es war mehr Stress für sie“, sagt er. Jetzt gehen sie selbst und wann sie wollen in die Melkmaschine.
Lena Tuschke vertreibt als Händlerin im Lely Center Böklund die Roboter. „Roboter machen die Arbeit auf den Betrieben flexibler, man kann sich die Arbeitsabläufe besser einteilen und sich mehr um das auffällige Einzeltier kümmern“, sagt sie. Dabei werde jedes System individuell auf den Betrieb abgestimmt.
Nicht voll überzeugt
Manuel Schnitger (38), der mit Dennis Hübscher in Berne einen Lohnbetrieb leitet, ist nicht ganz überzeugt von der neuen Technik. Er arbeitet viel mit GPS-Geräten auf dem Feld. Diese sollen unter anderem den Boden vor Überdüngung schützen. Dennoch sieht Schnitger Nachteile. Man sei überwachbarer, klagt er. „Außerdem ist der Papierkram viel mehr geworden“, sagt er.
Hinzu kommen hohe Zulassungsgebühren zur Freischaltung der Satelliten: 1000 Euro. Der Nir-Sensor, der für die Unterscheidung von Materialien oder Überwachung von Konzentrationen zuständig ist, kostet 30- bis 40 000 Euro. „Den Aufwand bezahlt uns keiner“, klagt Schnitger.
Er selbst könne auf die Technik verzichten, sagt Schnitger. Für seine jungen Mitarbeiter mache sie die Arbeit einfacher. Auf dem Feld schalten sie das GPS-Gerät an und geben die Route ein. Der Trecker kann dann sogar selbst fahren, der Fahrer darf sich zurücklehnen.
Energiebedarf
Die Felder von Johannes Döhle sind für GPS-Geräte zu klein, sagt er. Dennoch hält er viel von der Technik. Es sei ein guter Weg, um den Boden vor Überdüngung zu schützen. Den Energiebedarf reduzieren kann die neue Technik bisher jedoch nicht.
Zwar wird durch die Technik Energie eingespart, doch gleichzeitig steigt die Digitalisierung rasant an und auch sie verbraucht Energie, ergab eine Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW).
Meinke Ostermann, Berater bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, ist von der neuen Technik überzeugt. „Ich bin flexibler in der Arbeitszeit“, sagt er. Gerade für Kleinbauern lohne sich die Investition in digitale Geräte. „Es ist eine körperliche Erleichterung, aber man muss natürlich im Kopf mehr leisten“, sagt Ostermann. „Man braucht halt Durchhaltevermögen. Und entweder ich gehe mit der Zeit, oder ich geh‘ mit der Zeit“, sagt Ostermann. Auch die Landwirtschaft werde sich weiterentwickeln, ist der Berater überzeugt.
