Stollhamm - Emily trägt zwei verschiedenfarbige Strümpfe. Die 14-Jährige aus Stollhamm hat sich nicht etwa morgens beim Anziehen in der Schublade vergriffen. Die unterschiedlichen Strümpfe sind Absicht. Und erinnern zusammen mit dem Kleid, das Emily trägt, und den Zöpfen, die sie sich gemacht hat, nicht nur zufällig an eine berühmte Romanfigur von Astrid Lindgren. Wild, frech, frei und wunderbar: Wer hätte gedacht, dass man Pippi Langstrumpf in der Stollhammer Wisch antreffen kann?
Einen „Kleinen Onkel“ gibt’s hier auch
Pippi Langstrumpf hat ein Pferd, das heißt Kleiner Onkel. Und einen solchen kleinen Onkel gibt es auch zur Pippi aus der Wisch. Er heißt Fiete, steht auf einer an den Resthof von Gisela und Dedo Büsing in der Sollhammer Wisch angrenzenden Weide und ist ein reinrassiger Brauntigerschecke-Hengst – beziehungsweise will es einmal werden.
Fohlen Fiete ist lahm wie ein Hund
Noch ist Fiete ein Fohlen, geboren im Mai und eine handbreit größer als ein Bernhardiner. Fiete wird noch wachsen, aber nicht wahnsinnig viel. Denn seine Mutter, die stolze Stute Vera, die zum Auricher Gestüt Silbersee gehört und nur den Sommer in Butjadingen verbringt, ist auch nicht gerade ein Riese.
Brauntigerschecken haben nun mal nicht das Stockmaß eines Oldenburger Friesen. Aber dafür sind sie besonders schmusig. Zumindest gilt das für Fiete, der – zahm wie ein Hund – gerne an Emilys Haaren knabbert oder an ihren Schnürsenkeln zieht, wenn sie sich mit einem Kissen zu ihm auf die Weide legt.
Und so ist Fiete auch der Hauptgrund, aus dem die 14-Jährige das alte Gulfhaus ihrer Großeltern ihren absoluten Lieblingsplatz nennt. Der Hof, den die Büsings bis zum Jahr 2011 als Landwirtschaft betrieben, hat einen Namen, nämlich Schmeerpott, und darum rankt sich eine mystische Sage. Aber das ist eine andere Geschichte.
Emily jedenfalls ist, wann immer es ihre Zeit erlaubt, in der Wisch, um Spaß mit Fiete zu haben. Fiete frisst gerne Äpfel, dankt jede Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wird, mit putzigen Geesten, und das schlicht-graue Fell, mit dem er zur Welt kam, bekommt jeden Tag neue dunkle, kuschelig-weiche Flecken.
„Hier sind unsere Wurzeln“
Für Anja Gerdes und Bärbel Dettmar ist der Schmeerpott aus einem anderen, sehr simplen und naheliegenden Grund der Lieblingsplatz in der Wesermarsch. Sie sind hier aufgewachsen. Die beiden Frauen sind die Töchter von Gisela und Dedo Büsing. Anja Gerdes ist Emilys Mutter, Bärbel Dettmar ihre Tante. „Hier ist unser Zuhause, hier sind unsere Wurzeln“, sagt Bärbel Dettmar. „Und es hängen so viele Kindheitserinnerungen an diesem Ort“, ergänzt Anja Gerdes.
Jeden Samstag hat die Familie einen Termin, der nicht verabredet werden muss, sondern so fest steht wie Weihnachten und Ostern. Dann trifft sich die Familie zum Klönen und Teetrinken – natürlich an ihrem Lieblingsplatz, dem Schmeerpott in der Stollhammer Wisch.
