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NWZonline.de Region Wesermarsch Lokalsport

Knutzen belohnt sich für Schinderei

30.04.2018

Düsseldorf Karl Spieler übte sich am Sonntagmittag als Nachrichtensprecher. „Am Samstag haben die Fußballer von Fortuna Düsseldorf den Sprung in die erste Liga geschafft“, sagte der Trainer der Langstreckenläufer der SG akquinet Lemwerder. „Am Sonntag hat Marathonläufer Jan Knutzen in Düsseldorf nachgezogen.“ Der aus Oldenbrok stammende, in Varel wohnende und für die SG Lemwerder startende Läufer erreichte sein großes Ziel: Er lief die 42,195 Kilometer unter 2:26 Stunden. In 2:25:36 Stunden verbesserte er seine Bestzeit und damit den Kreisrekord in der Wesermarsch um mehr als drei Minuten. Der 28-Jährige belegte Platz 27 der Gesamtwertung und Rang 13 im Kampf um die Deutsche Meisterschaft. Das Rennen gewann Gilbert Kollum Yegon aus Kenia in 2:13:54 Stunden. Der Garreler Jens Nerkamp belegte Gesamtplatz neun (2:17:18 Stunden).

Knutzen war rund 50 Meter hinter der schnellsten Frau ins Ziel gekommen. Die 29-jährige Weißrussin Volha Mazuronak ist immerhin Fünfte bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro geworden und stellte in Düsseldorf so ganz nebenbei einen Streckenrekord auf. Und die Geschichte von Knutzens Erfolg kann nur erzählt werden, wenn man Mazuronaks Leistung erwähnt.

Um 9 Uhr war Knutzen mit einem guten Gefühl ins Rennen gegangen. Der ehemalige Europameister über die 10 000 Meter, Jan Fitschen, hatte Knutzen abends zuvor signalisiert, dass sich eine Spitzengruppe bilden werde, die die erste Hälfte der Strecke in 1:12:30 Stunden angehen wolle. Das entsprach Knutzens Plan. „Das hat mich natürlich ungemein beruhigt“, sagte er.

Knutzen lief die ersten zehn Kilometer in 34:27 Minuten, den Halbmarathon in 1:13:02 Stunden. Die erste Hälfte der Strecke war also letztlich sogar „ein bisschen zu langsam“, meinte Knutzen. „Aber ich bin locker geblieben“, sagte er. „Bis Kilometer 30 habe ich mich auch richtig gut gefühlt.“ Auch ein zwischenzeitlicher Wolkenbruch habe das nicht ändern können. „Damit muss ein Läufer halt leben – man darf nicht nachdenken, sondern muss einfach nur laufen.“

Doch ab Kilometer 30 habe das große Leiden begonnen. Zusammen mit Mazuronak machte Knutzen nach dem Ausstieg der Pacemaker der Topläuferin unverdrossen das Tempo. Die beiden ergänzten sich. „Jan hat das super gemacht“, sagte Spieler. „Und ab Kilometer 34 hat er richtig gebissen.“ Sein Schützling bestätigte die Analyse des Trainers. „Ich habe mir nur gedacht: immer hinterher. Diese Chance musste du nutzen.“ Mit geschickten Tempowechseln blieb Knutzen in seinem Rhythmus. „Jans psychische Leistung war unglaublich“, sagte Spieler. „Er ist ein Läufer, der auch einmal über den toten Punkt hinausgehen kann, um dann wieder normal weiterzulaufen.“

Ab Kilometer 36 litt laut Spieler Knutzens Laufstil. „Jan ist ein Vorderfußläufer. Aber auf den letzten Kilometern ist er hinten runtergefallen. Doch dass sind nur Kleinigkeiten“, sagte Spieler.

Knutzen betonte, dass er im letzten Teil des Rennens viel von Mazuronaks Klasse profitiert habe. „Sie ist noch mal richtig abgegangen und im positiven Sinne einfach irre“, schwärmte er. „Es war wirklich beeindruckend, wie gleichmäßig sie gelaufen ist. Das war für mich Gold wert. Der letzte Teil war ein Bilderbuch-Lauf“, meinte er. Unmittelbar nach dem Rennen habe er sich bei der schnellsten Frau des Tages für die Zusammenarbeit bedankt. Aber auch sie wusste Knutzens Rolle einzuschätzen und lobte ihn für seine exzellente Arbeit.

Knutzen konnte nach dem Rennen noch gar nicht richtig glauben, was er erreicht hatte. Es habe alles super geklappt. „Ich bin richtig gut durchgekommen und einfach nur glücklich“, sagte der Läufer, der die 1000 Meter in durchschnittlich 3:26 Minuten gelaufen war. Von Seitenstechen, die ihn noch im vergangenen Jahr in Berlin gequält hatten, keine Spur. „Die Schinderei hat sich ausgezahlt“, freute sich sein Trainer, der zugleich Knutzens Freundin Maren Gieschen lobte. „Sie hat während des Rennens mitgecoacht und einen fantastischen Job gemacht. Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen.“ Hinter einem starken Läufer steht schließlich immer ein starkes Team.

Wolfgang Grave Lokalsport / Redaktion Nordenham
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