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NWZonline.de Region Wesermarsch Lokalsport

Kicken hinter Gefängnismauern

21.07.2018

Lemwerder /Bremen Auch Fußballer sind abergläubisch. Dass Trainer Norman Stamer die Fußballer des SV Lemwerder auf die neue Saison vorbereitet und obwohl der Startschuss auf Freitag, den 13. des Monats Juli fiel, muss als gutes Ohmen gewertet werden.

Wenig später ging es für seine Mannschaft ins Gefängnis. Was sich wie ein böser Zufall anhört, war aber tatsächlich vom Coach so gewollt. Er ließ seine Schützlinge als zweite Trainingseinheit zu einem 60-minütigen Testspiel gegen das Insassenteam der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bremen antreten. Die Eindrücke hinter Gittern werden dem Landesligisten wohl länger in Erinnerung bleiben als der 20:2-Kantersieg (10:1).

Stamer war zufrieden mit dem Ablauf der ungewöhnlichen Teambuilding-Maßnahme: „Es war eine gute zweite Einheit mit Ball. Hierbei stand allerdings das Soziale und das Erlebnis in der JVA im Vordergrund.“ Und das hielt so manche neue Erfahrung parat. Da unbefugte Personen nicht so einfach in das JVA-Gelände in Bremen-Oslebshausen hineinspazieren dürfen, mussten die Kicker aus der Wesermarsch erst einmal bei den Pförtnern warten, bis sie hineingelassen wurden. Im Eingangsbereich wurden dann noch alle Sporttaschen vom Personal auf spitze oder sogar gefährliche Gegenstände kontrolliert.

Im Spiel machte sich der Leistungsunterschied zwischen dem Vorjahresvierten der Landesliga Bremen und der „zusammengewürfelten“ Gefängnismannschaft, die immerhin bis zu zweimal die Woche trainiert, schnell bemerkbar. Bereits nach zehn Minuten führte Lemwerder 4:0. Dennoch verloren die Gastgeber aus der JVA nicht ihre Motivation und spielten unbeirrt weiter. Am Ende gab es trotz der herben 2:20-Packung sogar Grund zur Freude: „Zwei Tore haben wir gegen so einen starken Gegner noch nicht geschossen“, sagt der Torwart der Strafgefangenen. Erfolge gab es bislang nur gegen Hobby- oder Thekenmannschaften.

„Insassenspiele laufen in der Regel fair ab“, sagte Burkhard Meyer, der im Vollzug arbeitet und während der Partie als Trainer und Schiedsrichter doppelt gefordert war. Ein offizielles Gespann wird für solch einen Test nicht angesetzt. Der Sportbeamte betreut die 16-köpfige Mannschaft der Strafgefangenen. Dem Team gehören die unterschiedlichsten Straftäter an. Die Häftlinge verbüßen teils mehrerjährige Strafen. Und nur wenige Insassen haben vorher schon mal im Fußballverein gespielt.

Meyer, selbst beim Blumenthaler SV II in der Bremer Bezirksliga aktiv, macht die Resozialisierungsarbeit mit den Häftlingen so viel Freude, dass er für die Partie sogar seinen Urlaub für einen Tag unterbrach: „Wenn dann noch draußen jemand anfängt, im Verein Fußball zu spielen, ist es umso besser.“

Eine Möglichkeit, sich in einem Ligabetrieb zu messen, gibt es für die Gefängnisinsassen aus Bremen nicht. Aber der von ihnen hergerichtete Platz sei sowieso nicht breit genug, erklärte Meyer. Die Mindestbreite eines Fußballfeldes beträgt 64 Meter (und mindestens 100 Meter lang).

Auch wenn alle Lemwerderaner am Ende standesgemäß wieder aus der Haftanstalt „entlassen“ wurden, einen Gegenstand mussten sie zurückgelassen. Beim Warmmachen wurde ein Ball weit über das Tor geschossen und landete im Stacheldraht auf einem Zaun. Dafür klappte das Zielen während der 60 Spielminuten besser.

Tore: 1:0 Fabian Wilshusen (4. Minute), 2:0 Daniel Bahlhorn (5./Foulelfmeter), 3:0, 4:0 Michael Wronski, 4:0 Wronski (9., 10.), 5:0 Bahlhorn (15.), 6:0 Felix Maaß (21.), 7:0, 8:0 Bahlhorn (24., 25.), 9:0 Maaß (26.), 10:0 Florian Radzun (28.), 10:1 (29./Handelfmeter), 11:1 (31./Eigentor), 12:1, 13:1, 14:1, 15:1, 16:1 Tobias Lange (32., 38., 42., 46., 48.), 16:2 (49.), 17:2 Lange (52.), 18:2 Levon Hayrapetyan (56.), 19:2 Lange (58.), 20:2 Hayrapetyan (59.).

Niklas Grönitz
Volontär, 1. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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