• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Lokalsport

Trendsport: Diese Gruppe kennt keine Hindernisse

04.06.2018

Lemwerder „Allein der Ehrgeiz überschreitet Grenzen“, schallt es aus den Lautsprechern des mitgebrachten Radios in der Kleinen Halle in Lemwerder. Dort trifft sich jeden Donnerstag um 18 Uhr eine Freizeitsportgruppe, deren Spielfeld mit vorbereiteten Hindernissen aus klassischen Turngeräten wie Trampoline, Kästen, Barren oder Bänke vollgestellt ist. Mit den Freerunnern hat der Lemwerder Turnverein (LTV) sein Sportangebot um eine 15-köpfige Gruppe Kinder und Jugendlicher erweitert, die passend zum Song „Mein Kampfgeist 2“ von Deutsch-Rapper „Kontra K“ versucht, Grenzen – in diesem Fall Hindernisse – zu überwinden.

Beim Freerunning („Freies Laufen/Rennen“), auch Parkour genannt, sind viel Training und Körperbeherrschung nötig, um nicht auf der Nase zu landen. Den nötigen Schliff bekommen die elf- bis 16-jährigen Freizeitsportler von Paul Richter. Er leitet die Gruppe an und macht alle Übungen vor. „Beim Freerunning kann jeder seiner Kreativität freien Lauf lassen. Flips, Salti, Springen – alles ist erlaubt“, gibt der LTV-Übungsleiter Einblicke in die Trendsportart. Es ist eine Art Freestyle-Turnen, bei der man sich auf Straßen oder beliebiger Umgebung mit Akrobatik ohne Einschränkungen fortbewegt.

Die Geschichte des Freerunnings beginnt in Frankreich. Die Grundidee dieser Bewegungsform entstand bereits Anfang des 20. Jahrhunderts. Später wurde es als spezielles Training (Fluchttechnik) für Soldaten weiterentwickelt. Ende der 1980er-Jahre schließlich wurde daraus eine spielerische Methode in einem Pariser Vorort; zunächst ging es über Treppen, Tischtennisplatten oder kleinere Bäche, später auch über Mauern, Zäun, Baugerüste: Le Parkour.

Es ist aber nicht so, dass man von heute auf morgen über Gebäude springen kann. Zunächst ist es wichtig, motorische Grundlagen und bestimmte Elemente zu verinnerlichen, sagt Richter: „Ich gebe Tipps, zeige Tricks, die Bahnen zu meistern.“ Wer über einen Kasten hocken könne, der überspringe auch ein Geländer. Dabei geht es effizient, aber körperschonend zur Sache.

Der 19-Jährige kommt selbst aus der Leichtathletik und hat auch schon einen Kampfsportkursus geleitet. Mit seinem Trainingspartner Ibrahim Alzohery hat er die Gruppe der Lemwerderaner Freizeitsportler aufgebaut. Der Impuls kam vom LTV-Jugendwart Michael Lühmann, der ein Angebot zum Kraftaufbau für jüngere Leute auf die Beine stellen wollte. Für Lühmann kam Paul Richter als Gruppenleiter in Frage, obwohl der vorher kaum Erfahrung mit der Sportart hatte. „Ich kenne Paul schon seit vielen Jahren. Er ist den ganzen Tag unterwegs und sucht sich seine Sportgeräte in der Natur“, erzählt Lühmann. Richter war hellauf begeistert von der Idee und nahm die „Herausforderung“ an.

Was mit einem Herbstferienangebot 2016 anfing, ist für Paul Richter „irgendwann ein soziales Projekt geworden. Ich möchte den Kindern etwas bieten, das es in der Schule nicht gibt – einen Rahmen für Gemeinschaft.“ Den hat auch Sophie Brem bei den Freerunnern gefunden. Sie wurde vor einem halben Jahr von ihrer Freundin zum Training mitgenommen und ist seitdem kontinuierlich dabei. „Spannend ist, dass wir immer unterschiedliche Sachen machen.“ Jede Woche stellt Richter einen neuen Parcours mit verschiedenen Elementen auf: „Handschlag üben bis alle ihn können – das gibt es bei uns nicht.“ Für ihn als Trainer sei es das größte Feedback, wenn die Kinder, wie zum Beispiel Sophie, wiederkämen.

Auch wenn es eigentlich keinen Wettbewerb gibt, einen Freerunning-Meister wollen die LTVer in diesem Jahr trotzdem küren. „Wir planen für den Herbst ein kleines Event nach Vorbild der RTL-Ninja-Warrior.“ „Ninja Warrior“ ist eine im Privatfernsehen seit 2016 gesendete Spielshow, in der Kandidaten verschiedene Parcours überwinden müssen. Seit dem Frühjahr läuft erstmals der Ableger „Team Ninja Warrior“. In dieser Version treten die Kandidaten nicht einzeln, sondern in Dreierteams an. Und wie in beiden Sendungen wird es bei der geplanten Veranstaltung Einzel- und Mannschaftsdisziplinen nach Zeit geben. Die späteren Sieger sollen nach Disziplin, Alter und Geschlecht geehrt werden.

Die Grundidee entstammt dem Gedanken: „Was braucht ein Ninja?“ In erster Linie Fitness, die sich für Richter aus den Komponenten Koordination, Geschicklichkeit und Kraft zusammensetzt. Aber auch Verantwortungsbewusstsein und mentale Stärke. „Es ist immer gut für das allgemeine Leben, an der Überwindung der eigenen Schwächen zu arbeiten“, weiß der 19-jährige Gymnasiast. Denn so erlange man mentale Stärke, die man brauche, um Grenzen zu überwinden – oder Hindernisse.

Niklas Grönitz Volontär, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2457
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.