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NWZonline.de Region Wesermarsch Lokalsport

Mal Papa, mal Psychologe, mal Lehrer

05.02.2011

NORDENHAM Alle Hände voll zu tun hat Ali Karaboyun in diesen Tagen. Nach der Frühschicht bei Metaleurop geht er Klinkenputzen bei den Sponsoren; noch fehlen ihm die Nummerngirls, zwischendurch Training mit seinen Schützlingen, am Wochenende ist er als Türsteher im Bayou und im Tiffany im Einsatz. Der 40-Jährige hastet von einem Termin zum nächsten. Am Freitag, 11. Februar, ist der große Tag für Ali Karaboyun und die Boxer des SV Nordenham. Dann findet in der Sporthalle Mitte das Finale der Weser-Ems-Meisterschaft statt. Der Leiter der SVN-Boxabteilung hofft auf mehrere hundert Zuschauer. Und natürlich will er ihnen ein sportliches Spektakel bieten, bei dem auch das Drumherum stimmt.

Boxen statt Bolzen

Ali Karaboyun ist Boxer durch und durch, auch wenn er selbst nicht mehr in den Ring steigt. Ein Jahr war er alt, als seine Familie mit ihm aus der Türkei nach Nordenham kam. Er wuchs in Einswarden auf, bolzte mit anderen Kindern auf der Wiese. Eines Tages nahmen ihn Freunde mit zum Boxtraining. Da war Ali Karaboyun neun Jahre alt. Seitdem hat ihn der Sport nicht mehr losgelassen. Schon nach einem Monat hat er seinen ersten Kampf bestritten. „Das war in einer total verqualmten Kneipe in Oldenburg“, erinnert sich Ali Karaboyun. Heute undenkbar. Er verlor den Kampf. Auch seine drei Brüder und viele Freunde streiften sich damals die Boxhandschuhe über. Gefördert wurden sie von Günter Heimbucher, einer Nordenhamer Boxlegende.

Ali Karaboyun blieb am Ball oder besser gesagt im Ring. Seinen größten Erfolg errang er als 17-Jähriger in Wolfsburg. Da wurde der gebürtige Türke Norddeutscher Vizemeister. Auf Landes- und auf Bezirksebene hat Ali Karaboyun mehrfach den Titel geholt – bis ihn eine Schulterverletzung zwang, mit dem Wettkampfsport aufzuhören.

Mit dem Training hat Ali Karaboyun aber nicht aufgehört. 2001 fing er an, sich um die Jugendlichen zu kümmern. Und 2003 wurde er Leiter der Boxabteilung im SVN. Inzwischen besteht diese Sparte aus 70 Mitgliedern. Das jüngste ist gerade einmal sieben Jahre alt. Auch ein Rentner trainiert mit. Mädchen und junge Frauen sind ebenfalls dabei.  An Wettkämpfen nehmen sie allerdings nicht teil. Ali Karaboyun würde sich freuen, wenn er bald wieder eine weibliche Boxerin in den Ring schicken könnte.

Viermal in der Woche trainiert er mit seinen Schützlingen. Und eines ist ihm dabei wichtig: „Mit Chaoten wollen wir nichts zu tun haben. Und bei uns ist auch noch keiner zum Schläger geworden.“ Im Gegenteil: Gegenseitiger Respekt spielt eine große Rolle unter den Boxsportlern.

Viele Freundschaften

Gerade für Aussiedler und Ausländer ist die Box-Abteilung des SV Nordenham ein wichtiger Anlaufpunkt. Hier kommen Deutsche, Türken, Libanesen, Russen, Kasachen und Sportler aus vielen anderen Ländern zusammen. „Und da haben sich schon viele Freundschaften entwickelt“, sagt Ali Karaboyun. Integration durch Sport – die Boxabteilung gehört zu den Angeboten des SVN, in denen dieser Gedanke gelebt und in die Tat umgesetzt wird. Zu Recht ist der 40-Jährige stolz darauf. Und mit Sicherheit leistet er mehr für die Integration von Ausländern als manch ein Sonntagsredner aus der Politik.

Aber Ali Karaboyun ist natürlich mehr als ein Integrations-Beauftragter. „Als Trainer bin ich auch Papa und Psychologe.“ Und manchmal ist er auch ein disziplinversessener Lehrer. Auf jeden Fall ist er mit seiner ruhigen Art, mit seinem Fleiß und seiner Hingabe für den Sport ein Vorbild für den Boxer-Nachwuchs.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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