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NWZonline.de Region

Tuana Reichardt dribbelt für Deutschland

16.11.2017

Nordenham Nordenham hat eine Fußball-Nationalspielerin. Anfang November bestritt Tuana Reichardt gegen die USA ihr erstes Länderspiel für die U 15 Deutschlands. Sie stand in der Startformation und wurde zur Pause ausgewechselt, weil Nationaltrainerin Bettina Wiegmann allen Spielerinnen Einsatzzeit verschaffen wollte. Neben Papa Cengiz Keles sahen stolze 1350 Zuschauer die 1:6-Niederlage im hessischen Wetzlar.

„Ich habe mich riesig gefreut“, sagt Tuana, die die Einladung zum Länderspiel per E-Mail zugesandt bekam. Da war es ihr auch egal, dass sie als eigentliche Offensivspielerin hinten links in der Vierer-Abwehrkette aufgeboten wurde. „Erst wusste ich nicht so genau, was ich auf dieser Position machen soll“, sagt die 14-Jährige. Dennoch gelang ihr ein gutes Debüt im Nationaldress. Selbstkritik übte sie dennoch. „Ich hätte mir mehr zutrauen können“, meint sie. Sie habe allerdings auch eine sehr starke Gegenspielerin gehabt. Insgesamt sei die Niederlage zu hoch ausgefallen. „Zwischenzeitlich waren wir nahe dran, auf 2:3 zu verkürzen. Die USA hat verdient gewonnen, nur ein bisschen zu deutlich“, fällt ihr Fazit aus.

Fußball-AG

Dass die Gymnasiastin diesen Karriereweg einschlagen konnte, lag nicht zuletzt an Alfred Ferenz. In der 3. Klasse war er Tuanas Klassenlehrer in der Grundschule in Friedrich-August-Hütte. Tuana nahm an der Fußball-AG teil und hinterließ bleibenden Eindruck, der sich auch bis zu Alfred Ferenz herumsprach. „Auf einem Elternsprechtag hat er uns dann nahegelegt, schnellstmöglich einen Verein zu finden“, erzählt Mama Cindy Reichardt. „Er sagte: ,Da steckt Talent hinter, das gefördert werden muss.’“

Und schon ging es los. Tuana fing in der weiblichen Jugend des TSV Abbehausen an und wusste sofort zu überzeugen. Sie schaffte es in die niedersächsische Landesauswahl. Dort rieten die Verantwortlichen Tuana, in eine Jungsmannschaft zu wechseln, um sich die nötige Härte zu holen.

Für Tuana war das kein Problem. „Ich habe mich immer gut mit allen verstanden“, sagt sie. Nur die Gegenspieler waren manchmal nicht amüsiert, wenn sie auf dem Platz von einem Mädchen vorgeführt wurden. „Da kamen dann mal doofe Sprüche und auch Fouls“, sagt Tuana. Aber sie hat es locker weggesteckt.

Vor ziemlich genau einem Jahr nahm Tuana an zwei Probetrainingseinheiten beim SV Werder Bremen teil. Eigentlich war der Werderaner Kader schon voll besetzt. Aber nach einem Testspiel gegen den VfL Wolfsburg ging SVW-Trainerin Marie-Louise Eta auf sie zu und wollte sie unbedingt in ihrem Team haben. Dann dauerte es nicht mehr lange. Seit Januar 2017 spielt Tuana für die Grün-Weißen.

Der Aufwand ist ziemlich hoch. Drei Mal in der Woche kutschiert sie ihre Mutter nach Bremen zum Training. Dazu kommt noch ein Stützpunkttraining in Bremerhaven. Der Donnerstag ist der einzige fußballfreie Nachmittag, denn auch die Wochenenden sind verplant.

Tuanas eigentliche Mannschaft ist die U 15 von Werder. Hin und wieder kommt sie trotz ihres jungen Alters in der U-17-Juniorinnen-Mannschaft der Grün-Weißen zum Einsatz, die in der Juniorinnen-Bundesliga antritt – ein Zeichen ihres Talents. Und wenn es die Zeit erlaubt, läuft Tuana immer noch mit einem Zweitspielrecht für die C-Jugend-Fußballer des TSV Abbehausen auf.

Tuanas Zeitplan hält auch die ganze Familie auf Trab. Während der Woche ist Cindy Reichardt für die Fahrten in die Hansestadt verantwortlich. „Alles, was ich früher in Nordenham zu erledigen hatte, mache ich jetzt in Bremen“, sagt sie. Mal geht sie einkaufen, mal mit den anderen Müttern einen Kaffee trinken – und manchmal schaut sie auch einfach nur beim Training zu. Bei den Spielen ist meistens Papa Cengiz Keles dabei.

Talentierte Familie

Das fußballerische Talent scheint in der Familie zu liegen. Tuanas jüngerer Bruder Yusa (11) spielt in der D-Jugend des 1. FC Nordenham und hat ebenfalls schon große Erfolge gefeiert. „Von mir haben sie das nicht geerbt. Das Talent stammt definitiv von ihrem Vater“, sagt Cindy Reichardt. Cengiz Keles spielte in der Jugend für LTS Bremerhaven und in der Bremer Landesauswahl.

Viel Freizeit hat Tuana nicht gerade. „Ich treffe mich gerne mit Freunden oder liege auch einfach mal auf der Couch“, sagt sie. Die Schule leidet aber nicht unter der Fußball-Laufbahn. „Sie hat keine Probleme, mitzukommen“, sagt Cindy Reichardt. Tuanas weiterer Werdegang ist nicht nur auf Fußball ausgelegt. Erst soll das Abitur her, dann ein Studium. „Irgendwas mit Sport“, schwebt ihr vor. Auch könne sie sich vorstellen, Polizistin zu werden.

Wunsch erfüllt

Tuanas größter Wunsch hat sich bereits erfüllt. „Ich wollte unbedingt mal ein Länderspiel machen. Das habe ich jetzt geschafft“, sagt sie. Das soll allerdings nicht der Schlusspunkt sein. Irgendwann soll ein Länderspiel in der A-Nationalmannschaft folgen. Aber das habe noch Zeit. In den nächsten Jahren will sie sich in Bremen weiterentwickeln und den Durchbruch an der Weser schaffen. Und wer weiß? Vielleicht legt sie ja eine ähnliche Karriere hin wie ihre Lieblingsspielerin Dzsenifer Marozsan. Die mittlerweile zu Olympique Lyon gewechselte Nationalspielerin brachte es bislang auf 80 Länderspiele. Es ist noch ein weiter Weg bis dahin. Aber der erste Schritt ist getan.

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