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NWZonline.de Region Wesermarsch Lokalsport

„Die Zeiten sind einfach vorbei“

29.12.2017

Nordenham Zum Feierabendbier eine Runde kegeln – das war vor 30 Jahren für viele Deutsche ganz normal. Seit einigen Jahren läuft es nicht mehr so rund fürs Kegeln – ob als Hobby oder als Sport. Auch in Nordenham gerät das Spiel, das in den Achtzigern seine Blütezeit erlebte, immer mehr in Vergessenheit.

Nur noch zwei Kegelanlagen gibt es in Nordenham. Eine davon betreibt Udo Venema. In der Gaststätte Butjadinger Tor in Abbehausen befinden sich sechs Bahnen. Die werden auch noch genutzt, aber „längst nicht so oft wie früher“, sagt Udo Venema. Zu Geburtstagen, Weihnachtsfesten oder Betriebsfeiern kommen noch größere Gruppen und lassen in geselliger Runde die Kugeln rollen.

Und was machen die Sportkegler? „Da kommen auch noch welche regelmäßig, zum Beispiel der Sportkegelclub ,Alle Neun’, aber es lösen sich immer mehr auf“, weiß Udo Venema.

Anlagen geschlossen

In den vergangenen Jahrzehnten sind etliche Kegelanlagen geschlossen worden: im Ellwürder Dorfkrug zum Beispiel, im Hochhaus am Mittelweg, im Rüstringer Hof in Atens, in der Gaststätte Wetjen in Blexersande, zuletzt in den Weserterrassen.

Die Gaststätte Wetjen ist seit 2013 geschlossen. Der Betreiber Heinz Wetjen hat aus Altersgründen sein Lokal aufgegeben. Aus demselben Grund hörten auch die Kegelclubs „Fleu weg“ im Jahr 1997 und der „Kegelclub 007“ im Jahr 2003 auf. Sie kegelten im Vereinslokal Rüstringer Hof an der Atenser Allee.

„Von der Kegelbahn alleine kann sich heute kein Lokal mehr halten“, sagt Udo Venema. „Ältere Besucher können irgendwann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kegeln, das belastet die Knie zu sehr“, sagt der Abbehauser Gastwirt. Nachwuchskegler kommen nicht so viele nach. Das Durchschnittsalter liegt laut Udo Venema bei 40plus.

Jemand, dessen Herz noch für das Kegeln als Sportart schlägt, ist Rainer Grunst. Er ist unter anderem Jugendtrainer in der noch einzigen Jugendkegelgruppe des Eintracht Sportvereins (ESV) Nordenham. „Nur noch vier Kinder sind dabei“, teilt er mit. Rainer Grunst weiß einen Grund, warum die potenziellen Nachwuchskegler ausbleiben: „Heute gibt es so viele Sportarten, die es früher nicht gab.“ Darüber hinaus ziehe es viele junge Leute auch weiterhin zum Studium in die Großstädte. So seien sie ebenfalls keine potenziellen Kegler für Nordenham.

Klönen statt Kegeln

„Wir wissen nicht, was wir noch machen sollen. Die Zeiten sind einfach vorbei“, meint Rainer Grunst. Vergangenes Jahr hat der ESV im Sommer Ferienpasskegeln angeboten. „Das kam gut an, aber beim Kegeln geblieben ist kaum einer“, sagt der Jugendtrainer.

„Mittlerweile steht der Zusammenhalt der Kegelgruppen im Vordergrund“, stellt Rainer Grunst fest. Viele Clubs treffen sich weiterhin zum Klönen, nur gekegelt wird nicht mehr.

Beim Sportkegeln sieht es in Nordenham eher mau aus. Dieser hatte es von Anfang an nicht immer leicht, weil viele Menschen Kegeln eher mit Zapfhahn und Bierfass als mit Muskelkater und Leistung assoziieren. Für Rainer Grunst hat Kegeln mit „Kneipensport“ nichts zu tun. „Mich hat dieser Ausdruck schon immer genervt. Bei Bundesmeisterschaften gibt es jeweils zwei Durchgänge mit 120 Wurf. Dafür braucht man schon sehr viel Kondition“, sagt der Jugendtrainer.

Im ESV-Vereinsheim sieht es im Hobby-Kegeln nicht ganz so schwarz aus wie beim Sport. Acht Kegelclubs kommen hier noch regelmäßig auf die vier Bahnen, verrät Andreas Guhse, Betreiber des ESV-Vereinsheims.

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