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NWZonline.de Region Wesermarsch Lokalsport

Nicht jeder Boxer steigt auch in den Ring

09.03.2019

Nordenham „Wilde Schläger sind bei uns fehl am Platz“, stellt Ali Karaboyun klar. „Interessierte und ehrgeizige Sportler, die sich zum Boxer ausbilden lassen wollen, sind dagegen willkommen.“ Der 48-Jährige ist seit 1993 für den SV Nordenham aktiv. Bereits seit 1994 arbeitet er zusammen mit seinem Bruder Nedim als Trainer. In dieser Zeit hat er mehr als 500 Boxer trainiert. Einer von ihnen hat es bis in die Erste Bundesliga geschafft: Magoned Bangaew steigt inzwischen für den Boxclub Traktor Schwerin in den Ring. Ali Karaboyun kann sich noch gut an seinen früheren Schützling erinnern. „Er war acht Jahre alt, als er bei mir mit dem Boxen begonnen hat.“

Ali Karoboyun war ein Jahr älter, als er mit dem Boxen begann. „Beim Fußballspielen in Einswarden hat man mich mit zum Boxen genommen. Seitdem lässt mich der Sport nicht mehr los“, sagt der C-Lizenz-Inhaber. Der Trainer legt Wert auf eine gute Integrationsarbeit in seiner Sparte: „Bei uns lernen die Flüchtlinge in der Gruppe auch die deutsche Sprache.“

Mindestalteracht Jahre

Die SVN-Boxer trainieren im Kraftraum der Sporthalle Mitte an der Rudgardstraße – und zwar montags (16 bis 18 Uhr), mittwochs (16 bis 20 Uhr) und freitags (16 bis 18 Uhr). Wer Interesse am Boxtraining hat, sollte sich in der Geschäftsstelle des SV Nordenham (Telefon   04731/6787) melden. Das Mindestalter beim Boxen beträgt acht Jahre. Ab zehn Jahren dürfen Kinder bei Wettkämpfen mitmachen.

Max Wagner ist mit elf Jahren das jüngste Mitglied. Er hat nur ein Ziel: „Ich möchte ein guter Boxer werden. Am liebsten trainiere ich das Sparring im Ring.“ Die 14-jährige Selin Sedef aus Nordenham sagt: „Boxen liegt bei uns in der Familie. Mein Onkel leitet eine Boxschule in Chicago. Durch ihn bin ich zum Boxen gekommen.“

Wie Ali Karaboyun erklärt, wird beim Sparring nicht besonders hart zugeschlagen. Im Ring, der bis zu 7,32 Meter im Quadrat groß sein kann, kommt auch die Pratze zum Einsatz. Die Pratze ist ein Schlagpolster, um bestimmte Schläge zu trainieren – und die Schnelligkeit.

80 Mitglieder

Ömer Akdogan ist mit 36 Jahren eines der ältesten Mitglieder in der Sparte: „Unserem Trainer helfe ich, wo es geht. Gerne arbeite ich mit den Jüngeren aus unserer Sparte zusammen.“ Ömer Akdogan hat im übrigen Profi-Erfahrung. Beim norddeutschen Boxverband hat er über 30 Kämpfe bestritten und weit mehr als die Hälfte davon gewonnen. Insgesamt zählt die Nordenhamer Boxsparte rund 80 Mitglieder, davon zehn junge Frauen. Seda Eldarova (21 Jahre) und Jana Quach (22) reisen zum Training extra aus Oldenburg an.

Punchingball, Sandsack und Schlagpolster stehen den Sportlern im Kraftraum in verschiedenen Größen ausreichend zur Verfügung. Der Sandsack wird übrigens nie mit Sand gefüllt, sondern mit Kleidungsresten, Gardinen oder Granulat.

Seda Eldarova befindet sich noch in der Schnupperphase. Sie kommt vom Taekwondo. „Kampfsport hat mich schon immer interessiert“, sagt sie. „Beim Boxen kann ich noch viel lernen. Allerdings lassen sich die beiden Sportarten nicht vergleichen.“ Jana Quach ergänzt: „Hier wird Kraft, Kondition und Koordination trainiert. Und es macht Spaß in der Gruppe.“ Ali Karaboyun ist vom Können der 22-Jährigen beeindruckt: „Sie hat richtig Talent und könnte an Meisterschaften teilnehmen.“

Ziel: Profi werden

Den meisten Mitgliedern der Abteilung geht es nicht darum, Titel zu gewinnen. Ihnen geht es vor allem darum, ihre Fitness zu verbessern. Anders ist das bei den Brüdern Daniel und Nedjalko Illiev. Sie wollen sich in Wettkämpfen beweisen. Beide haben schon Titel im Bereich Weser-Ems und Niedersachsen errungen. Der 19-jährige Daniel Illiev möchte gerne Profi werden. Zurzeit nehmen acht SVN-Boxer an Wettkämpfen teil.

Mit 74 Jahren ist Detlef Hausmann das älteste Mitglied in der Sparte. Er hält sich mit Kraftübungen fit. Neu beim SV Nordenham sind Elfriede Meyer (24) und Hasan Gündogar (24.). Elfriede Meyer ist aus Madagaskar nach Nordenham gezogen und meldete sich sofort beim Boxen an. Hasan Gündogar war bis Weihnachten torgefährlicher Fußballer bei Schwarz-Rot Esenshamm. Inzwischen hat er die Fußballschuhe gegen Boxhandschuhe eingetauscht. „Beim Boxen habe ich nicht den Zwang, irgendwann irgendwo zu sein“, sagt er.

Max Ringelmann nennt einen weiteren Reiz am Boxen: „Der Sport steigert das Selbstvertrauen. Man verliert damit auch Ängste vor dem Gegner.“ Der 14-Jährige ist in seiner Gewichtsklasse bereits Vizemeister im Raum Weser-Ems. Betreuer Rudi Domschat sagt: „Boxen ist kein Zuckerschlecken. Man muss einstecken können.“ Linus Brüggemann (18) geht da mit guten Beispiel voran: „Obwohl ich rechts einen Handbruch auskuriere, trainiere ich mit der linken Hand weiter. Irgendwann möchte ich der Beste in unserer Sparte werden.“ Der Punchingball war ihm bei seinem Schlägen mit der „schwachen“ Hand ein treuer Partner. Es wird hart gearbeitet beim Boxen, es fließen unzählige Schweißperlen, aber bei allem Ehrgeiz wird auch viel gelacht. Untereinander verstehen sich die Boxer prima. „Hier sind schon Freundschaften fürs Leben entstanden“, freut sich Ali Karaboyun. Dafür sorgen auch gelegentliche gesellige Abende.

Strenge Richtlinien

Ein Amateurboxer benötigt neben einem Mund- und einem Tiefschutz noch Boxstiefel und Bandagen für die Handgelenke. Vor jedem Wettkampf wird der Boxer gewogen und vom Ringarzt untersucht. Die Boxer treten in unterschiedlichen Gewichtsklassen an. Schon ein Gramm Übergewicht führt zur Disqualifikation. Zur Ernährung der Boxer sagt Ali Karaboyun: „Döner, Pizza und Pommes sollte der Sportler meiden.“

Geboxt wird in den Wettkämpfen nach den Richtlinien des Deutschen Boxsport-Verbands, der seinen Sitz in Kassel hat, und nach den Vorgaben der Association Internationale de Boxe Amateure. Bei Amateuren werden fünf Punktrichter eingesetzt. Die Auflagen beider Verbände sind streng. Wer zum Beispiel beim Rummelboxen auf dem Jahrmarkt erwischt wird, muss mit einer einjährigen Sperre rechnen.

Der Jap ist im Boxsport ein Schlag mit der Führhand, mit dem der Gegner abgetastet wird. Er dient zur Vorbereitung auf den Punch mit der Schlaghand. Ali Karaboyun stellt klar, dass gute Beinarbeit und Bewegung wichtig sind, um erfolgreich und fair boxen zu können. Schläge von oben auf den Kopf sind verboten. Das gilt auch für Tiefschläge unterhalb des Bauchnabels. Ali Karaboyun weiß, worauf es ankommt: Die Kraft beim Schlag kommt nicht aus dem Bizeps, sondern aus dem Körper.

Kleiderordnung

Die Ringrichter beim Boxen müssen eine Trainer-Lizenz haben. Die Kleiderordnung ist genau festgelegt. Schuhe, Socken, Hose und Fliege müssen schwarz sein. Nur das Hemd ist weiß.

Boxveranstaltungen plant der Coach in Nordenham trotz einiger Nachfragen erst wieder im Jahre 2020: „Bis dahin treten wir zu Vergleichskämpfen in Hannover, Osnabrück und Gifhorn an.“

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