• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Kontakt
  • Werben
NWZonline.de Region Wesermarsch Lokalsport

Wo Barsch und Zander am besten beißen

29.07.2017

Rodenkirchen Aus dunklen Wolken fallen dicke Tropfen, aber Marcel stört das nicht. Mit zwei Angeln steht der Elfjährige an einem der Anleger des Strohauser Sieltiefs, neben sich eine schicke olivgrüne Box und einen eher schäbigen bunter Plastikeimer.

Marcel mag die olivgrüne Box, denn sie enthält alles, was er zum Angeln braucht: Schwimmer – er nennt sie Posen – , kleine bunte Fischköder aus Kunststoff, ausreichend Haken, die in Styropor stecken, und mehr als ausreichend Angelschnur. Im Plastikeimer wühlen sich Würmer durch aufgelockertes Erdreich. Ob sie ihr Schicksal ahnen?

Marcel Wehlau wollte schon angeln, als er drei war, erzählt er. Mama und Opa angeln auch. Mit fünf hat er wirklich angefangen. Der Clou am Angeln ist für ihn die olivgrüne Box mit den unzähligen Angelutensilien; als richtiger Junge kramt gern darin herum und sucht heraus, was er als nächstes brauchen könnte.

Raubfische wie Zander und Barsch holt er am liebsten aus dem Wasser, er kann sie schuppen, ausnehmen und braten. Aber Marcel greift nicht zur Angel, weil er nachher noch etwas essen muss.

Auch Klaus Bargmann denkt nicht an seinen knurrenden Magen, wenn er einen Fischzug unternimmt. Früher war das anders. Bargmann, Jahrgang 1945, ist in der kargen Nachkriegszeit aufgewachsen. Schon als Grundschüler ging er fischen, damals in Golzwardersiel. Seine Angel baute er sich aus einem Haselnussstrauch, einem Band, einem Korken als Schwimmer und einem selbst gedrehten Haken; die Aale bissen trotzdem an. Und die Familie freute sich auf den leckeren und fetten Fisch.

Heute geht Klaus Bargmann mit der Angel raus, wenn er seine Ruhe haben will. Angeln ist kein Sport, sondern eine Passion, hat Holger Ortel, der Präsident des Deutschen Fischereiverbandes, einmal gesagt. Offensichtlich ist es eine Passion, die beruhigt.

Im Dunkeln auf der Weser

Deutlich mehr als 30 Angeln nennt Klaus Bargmann sein eigen: für Friedfische wie Brassen, Rotfedern und Karpfen, für Raubfische wie Hecht, Zander und Barsch und fürs Angeln auf der Weser. „Manche lassen sich eine Angel für 2500 Euro bauen“, sagt der erfahrene Fischer. „So etwas braucht niemand.“ Schon für 100 Euro sei im Fachhandel ein gutes Gerät zu haben.

Auf dem großen Strom ist der Braker zwischen Mai und Anfang September häufig unterwegs. In tiefer Dunkelheit fährt er mit seinem Boot raus, wirft unweit des Ufers Anker und legt mehrere Angeln aus. „Bei Süd- und bei Westwind beißen die Fische am besten“, hat der Rentner herausgefunden. „Bei Nordwind ist es viel schwieriger, und bei Ostwind können wir gleich zu Hause bleiben.“

Die Aale, die der 71-Jährige fängt, landen in einem Eimer ohne Wasser. Zu Hause schlachtet er sie, dann friert er sie ein. Denn ein Fischzug reicht meistens nicht für eine vollständige Mahlzeit.

Klaus Bargmann ist Vorsitzender des Angelvereins Stadland, der gerade sein 50-jähriges Bestehen gefeiert hat. Der Verein pachtet die Verbandsgewässer der Stadlander Sielacht – 160 Kilometer bestes Fangrevier. „Das liegt daran, dass so oft zugewässert wird“, weiß der Vorsitzende.

Auch diese Gewässer locken in tiefer Dunkelheit. Die Angler genießen es, wenn sie die Sonne aufgehen sehen und Nebelschleier über die Wasseroberfläche ziehen. Nicht weit von ihnen entfernt hoppeln Hasen, zeigen sich Rehe und Wiesel. Manch ein Fischreiher wagt sich bis auf 30 Meter an den Wettbewerber mit der Angel ran.

Da nimmt es nicht wunder, dass die Angler auf Naturschützer schlecht zu sprechen sind, die Menschen aus Teilen der Natur verbannen wollen. „Naturschutz geht nicht ohne Naturnutz“, betont Klaus Bargmann. „Wir Angler sind Naturschützer, weil wir von und mit der Natur leben.“

Das vermitteln sie auch ihrem Nachwuchs. Nicht weniger als 30 der 210 Mitglieder des Angelvereins sind Jugendliche. Andreas Otholt und seine Frau Marianne kümmern sich als Jugendwarte um sie, erklären ihnen Zusammenhänge, fragen aber auch immer wieder ihr Wissen ab.

Fischen in der Brandung

Nachwuchsanglern wie Marcel Wehlau gefällt es an den Stadlander Sieltiefen. Aber erfahrene Angler wie Klaus Bargmann wissen, dass es viel mehr gibt. Zweimal im Jahr fährt er auf die dänische Insel Langeland, um in der Ostsee zu fischen – etwa Dorsch. Und selbst das Angeln in der Brandung, bei dem der Haken 70 Meter weit an der dünnen Schnur ins tosende Meer fällt: Es beruhigt.

Marcel hat noch viele Erfahrungen vor sich.


  www.angelverein-stadland.de