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NWZonline.de Region Wesermarsch Lokalsport

Zittern bis zum letzten Wurf

05.03.2018

Stollhamm „Auf diesen Tag habe ich 40 Jahre gewartet“, freute sich Rudi Milbrandt, dass der Klootschießer-Länderkampf nun doch noch in Stollhamm stattfinden konnte. Seit 2013 hatten sich die Helfer um den Vorsitzenden des Klootschießer- und Boßelvereins Stollhamm, Frank Göckemeyer, jeden Winter auf den Feldkampf vorbereitet – und immer wieder stellte sich der erforderliche Kahlfrost nicht ein. In der vergangenen Woche fiel das Thermometer nun endlich dauerhaft unter die Null-Grad-Marke.

Es sollte Rudi Milbrandts fünfter Länderkampf als Landesbahnweiser werden, nachdem es der Waddenser Jung, der mittlerweile in Stollhamm wohnt, trotz guter Leistungen nicht als Werfer in die oldenburgische Auswahl geschafft hatte. Mit seiner großen Erfahrung, die nach Auskunft des ehemaligen Vorsitzenden des Friesischen Klootschießer-Verbandes (FKV), Rolf Blumenberg, auch „von den Freunden aus Ostfriesland und Schleswig-Holstein geschätzt wird“, zeigte er am Sonnabend den oldenburgischen Jugendlichen auf dem schwierigen Geläuf entlang der Ulmenstraße von Stollhamm Richtung Deich an, wohin sie idealerweise werfen sollten. Dass es dennoch nicht zum Sieg gegen den ostfriesischen Nachwuchs gereicht hat, trübte Rudi Milbrandts Freude nur wenig.

Da der Jugendländerkampf ein wenig früher beendet war als der Männerwettbewerb, gesellte sich Rudi Milbrandt anschließend mit seiner blau-roten Landesfahne noch zu Claus Dörrbecker aus Blexen und Dieter Gertjegerdes aus Seefeld, die dort als Bahnweiser agierten. Und hier sollte ihm große Genugtuung widerfahren. Mit dem letzten Wurf sicherte Dirk Schomaker aus Fedderwardersiel den Oldenburger Sieg. „Sein langjähriger Ausbilder“, so ließ Rolf Blumenberg über die Lautsprecheranlage wissen, „in Stollhamm ist Rudi Milbrandt gewesen.“ Mit markigen Sprüchen, vor allem aber vielen Informationen zum Klootschießen und zu den einzelnen Werfern, begleitete Rolf Blumenberg über acht Stunden lang den Feldkampf.

Weil lässt grüßen

Zwischendrin hatten Butjadingens Bürgermeisterin Ina Korter und die SPD-Landtagsabgeordnete Karin Logemann aus Berne die Gelegenheit, Grußworte zu übermitteln. Ina Korter sprach von einer „Werbeveranstaltung für diesen Sport“ und einem „Supertag für Butjadingen“. Karin Logemann verlas eine Grußbotschaft von Ministerpräsident Stephan Weil. Als Ehrengäste wurden Landtagsabgeordneter Horst Kortlang (FDP) aus Elsfleth sowie die stellvertretenden Landräte Uwe Thöle und Dieter Kohlmann begrüßt.

So ein Länderkampf ist auch ein Veteranentreffen. Der 82-jährige Erich Hadeler aus Abbehausen erinnerte sich daran, dass es bei dem Länderkampf 1961 in Seefeld noch viel kälter gewesen sei. Er muss es wissen, denn Erich Hadeler war damals der Trompeter, der vor jedem Oldenburger Wurf „Heil dir, oh Oldenburg“ anblies. Der ehemalige Stollhammer Dieter Coldewey (67) war eigens aus Verden in die alte Heimat gekommen. Der pensionierte Wasserbauingenieur gehörte 1978 der Ländermannschaft an und hatte von 1969 bis 1972 an drei Europameisterschaften teilgenommen.

Mit Verspätung waren die Ostfriesen am Sonnabendmorgen angereist. Nach dem gemeinsamen Frühstück im Huus an’n Siel zogen Mannschaften und Betreuer, angeführt vom Seefelder Spielmannszug, zum Feldkampfgelände, das Bauer Carsten Meiners zur Verfügung gestellt hatte. Die Verspätung potenzierte sich im Verlaufe des Tages, weil das zerfurchte Land vor jedem Wurf zeitaufwendig bearbeitet werden musste. Jede Unebenheit vor und hinter dem Brett wurde mit einer Spitzhacke behandelt, um den Athleten einen einwandfreien Anlauf und Absprung vom Brett zu ermöglichen. So sahen den siegbringenden Wurf bei den Männern von Dirk Schomaker in der schon hereinbrechenden Dunkelheit und bei unangenehmer Kälte nur noch wenige Zuschauer.

Gefeiert wurde der 13. Oldenburger Sieg im 27. Vergleich anschließend im Huus an’n Siel. Mit den Worten „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ freute sich Frank Göckemeyer, dass man sich entschlossen hatte, den Feldkampf noch im März auszutragen – so spät wie noch nie in der Länderkampf-Geschichte seit 1937. FKV-Vorsitzender Jan Dirk Vogt aus dem ammerländischen Hollwege bedankte sich bei den Stollhammern für die Organisation. Er machte „das schwierige Feld“ für die Verzögerungen verantwortlich und räumte ein, „dass acht Stunden Feldkampf für die Zuschauer zu viel sind“. Mit einer Plakette mit der Inschrift „Feldkampf 2018 Ostfriesland/Oldenburg – Stollhamm“, überreicht von den Feldobmännern Stefan Bruns aus Waddens und Fidi Janssen aus Wittmund, wurden alle Werfer der Männer- und der Jugendteams geehrt.

Hymnen zum Ausklang

Das Singen der Hymnen „Heil dir, oh Oldenburg“, „In Ostfressland is’t am besten“ und „Hurra Butjarland“ beendete eine Veranstaltung, die es so viele Jahre nicht wieder in Butjadingen geben wird. Der nächste Länderkampf soll im ostfriesischen Blersum stattfinden, kündigte Jan Dirk Vogt an.


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