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NWZonline.de Region Wesermarsch Lokalsport

Der mit den Farben spielt

03.01.2018

Wapeldorf /Hahn-Lehmden /Mentzhausen Das wäre bestimmt ein besonderes, einmaliges und teures Weihnachtsgeschenk gewesen: Der LED-Hubschrauber des Mentzhausers Werner Stratmann. Doch bis zum jetzt hochwertigen Heli war es eine längere Vorgeschichte. Für das Fachwissen ist der berufliche Werdegang des 67-Jährigen schon mit entscheidend. Er schulte zum Fernsehtechniker um. „Als Geselle gab es dann aber nur einen Hungerlohn“, erinnert sich Stratmann. Der Mentzhauser fasste den Entschluss, Elektrotechnik mit Schwerpunkt Nachrichtentechnik zu studieren. Später befasste er sich auch mit Medizintechnik, darunter Magnetresonanz-Tomographie (MRT) und Computertomographie.

So richtig los mit dem Modellbau ging es im Jahre 2000, als sich Werner Stratmann wieder im Elternhaus in Mentzhausen niederließ. Seitdem brachte er sich beim Modellflugsport-Club (MFSC) Hahn-Wapeldorf ein. Seine Faszination galt schnell den Hubschrauber-Modellsätzen. Der Tüftler: „Nicht so ganz einfach, mit denen zu fliegen. Per Hand den Heckrotor zu stabilisieren, war schwierig.“ Die heutige Elektronik mache das alles einfacher.

Die Rotorblätter am Hubschrauber sollten einen wahren Virus bei Werner Stratmann auslösen. Den Grund dafür lieferte sein Clubkamerad Hans-Jürgen Munderloh aus Jaderberg. Mit der schwierigen Beschaffung von Rotorblättern mit einfarbiger LED-Technik fing es an.

Der Mentzhauser selbstbewusst: „Die bauen wir selber.“ Doch schon bald wurde ihm bei der Ausführung klar: „Ich habe nicht gewusst, was ich da gesagt habe.“ Am Ende, nach sechs Wochen Tüftelei, war es dann aber geschafft: Der Hubschrauber war für den Auftritt 2010 im Schlosspark Rastede fertig, geflogen wurde er von seinem Kumpel Hans-Jürgen Munderloh.

Immer mehr Farben

Jetzt wollte der 67-Jährige mehr aus den drei Grundfarben Rot, Grün und Blau rausholen. Eine computergesteuerte Fräse für Leiterplatten wurde in Betrieb genommen. Der nächste Schritt weckte bei ihm den Ehrgeiz: 512 Farben. Und er betont: „So etwas habe ich noch nicht woanders gesehen.“

Gängig kaufen kann man Rotorblätter mit acht LED-Farben. Der Bastler hat noch einen drauf gesetzt mit jetzt 32 000 Farben. Dafür sind 96 LED pro Blatt verbaut. Das Löten der Leiterplatten erfolgt unter dem Mikroskop. Die Bausteine muss er selbst programmieren: „Von der Stange gibt es nichts“.

Beim Bau muss man auch bedenken, welche Fliehkräfte (1600 Newton) am Blatt ziehen. Die LED werden an den beiden Blättern einmal oben und einmal unten angebracht. Akkus und Elektronik im Hubschrauber komplettieren die Technik. Die Synchronisierung läuft über Magnetpole und Infrarotsender.

All das kostet: „Damit hätte man auch gut einen Kleinwagen kaufen können“, verrät Werner Stratmann über die Entwicklung bis zum jetzigen Erfolgserlebnis. Ausdauer ist dabei wichtig: „Es gibt jede Menge Fehlschläge“, spricht er aus Erfahrung.

Die Rotorblätter drehen nur bunte vielfältige Farben? Weit gefehlt. Am dunklen Himmel in der Flugzeit von acht Minuten sind ganze „Filmchen“ zusehen, Comicfiguren wie Werner oder Donald Duck werden zum Leben erweckt. Die Filme zerlegt Werner Stratmann am Computer in runde Einzelbilder. Die Rotoren machen 26 Umdrehungen pro Sekunde. Aus den Filmen macht er 13,3 Einzelbilder pro Sekunde. „Das entspricht der alten analogen Fernseh-Norm und ergibt ein gutes Bild am Himmel“, so der Mentzhauser.

Filme am Nachthimmel

Die Bilder und Filme werden mit einem USB-Stick aufgesteckt. Beachten muss er noch, dass Laufzeit des Films und Ton zusammen passen. Für Zuschauer ideal ist es, wenn der Hubschrauber in Rückenlage fliegt und auf dem Fleck gehalten wird. „Dann hat man die beste Sicht. Das erfordert aber auch eine konzentrierte Anstrengung.“ Und für das Nachtfliegen benötigt man eine extra Genehmigung.

„Das baut mir so schnell keiner nach“, ist sich Werner Stratmann sicher. Mit seinen Hubschraubern in Serie zu gehen, dafür ist das finanzielle Risiko allerdings viel zu hoch.

Anerkennung hört er auch immer wieder von den jüngeren Modellfliegern. Noch eine Ehre für ihn: Ein Auftritt im „Tatort“. Beim Dreh für „Kaltstart“ brachte der Mentzhauser einen Hubschrauber im Jahr 2013 in Wilhelmshaven exzellent in Szene.

Hat er sonst noch „normale“ Fluggeräte? Das ist nicht unbedingt etwas für Werner Stratmann: Von weitem kommt ein Adler mit Flügelschlägen heran. Täuschend echt, das ist ein weiterer Flieger. Den hat er nach Vorlagen aus GFK-Platten ausgefräst und mit Drachentuch umspannt. Fliegt etwas Ausgefallenes am Himmel, dürfte Werner Stratmann nicht weit sein.

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MRT | GFK

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