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Eishockey: Wenn Pinguine das Fanfieber steigen lassen

22.10.2016

Abbehausen In den letzten Stunden vor dem Anpfiff lässt sie sich nicht mehr aufhalten. Gegen diese innere Unruhe, die sich spätestens auf dem Weg zum Stadion bemerkbar macht, gibt es kein Mittel. „Dann ist das Kribbeln im Bauch immer da“, sagt Torsten Schwarting. Seiner Frau Birgit geht es genauso. Die beiden Abbehauser haben ein gemeinsames Hobby, das eine gewisse Nervenstärke erfordert: Sie sind leidenschaftliche Anhänger der Fischtown Pinguins. Wie kommt ein Ehepaar in der zweiten Hälfte des fünften Lebensjahrzehnts dazu, sich dermaßen für Eishockey zu begeistern, dass (fast) alles andere zur Nebensache wird? Schuld ist ein Weihnachtsgeschenk.

HSV-Fahne hat ausgedient

Auch auf dieser Weserseite haben die Fischtown Pinguins viele Anhänger. Birgit und Torsten Schwarting möchten für sie einen Fan-Treffpunkt einrichten. Der soll in der Gaststätte Butjadinger Tor in Abbehausen entstehen. Unter anderem ist geplant, dort alle Spiele der Pinguins live im Fernsehen zu zeigen.

Eigentlich sind Torsten (56) und Birgit (60) Schwarting Fußballfans. Zumindest waren sie das früher, als die Fahne des Hamburger SV noch in ihrem Garten wehte. Torsten Schwarting kickte in jungen Jahren im SV Nordenham und trainierte später Fußballmannschaften im TSV Abbehausen. Seine Frau übernahm im TSV sogar die Leitung der Jugendsparte. Aber irgendwann war’s vorbei mit der Begeisterung für den Fußball.

Zu Weihnachten 2011 kam Birgit Schwarting auf die folggenschwere Idee, ihrem Mann ein Ticket für ein Heimspiel der Fischtown Pinguins in Bremerhaven zu schenken. Die Hausfrau gibt zu, dass sie damit durchaus eigene Interesse verfolgt hat: „Eishockey ist so schnell und so spannend“, sagt sie, „das wollte ich gerne einmal live sehen.“

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Die Begeisterung ihres Gatten, der als Metallflugzeugbauer bei Premium Aerotec sein Geld verdient, hielt sich zunächst in Grenzen. Mit Eishockey hatte er bis dahin wenig am Hut; außerdem klang der Name des Pinguins-Gegners nicht wirklich verlockend: Wer kennt schon die Eispiraten Crimmitschau? Aber kaum war das erste Drittel der Zweitliga-Partie vorbei, war auch die Skepsis verflogen. Torsten und Birgit Schwarting erlebten alles, was ein Eishockeyspiel zu bieten hat. Tore, Tempo, Schlägereien – und am Ende einen Sieg der Pinguins.

Klasse fanden die beiden Abbehauser auch die „Superstimmung“ auf den Rängen und das Gänsehautgefühl beim Einlaufen der Spieler zu lauter Musik. Seitdem hat sie das Eishockeyfieber voll erwischt.

Gleich zur Serie 2012/2013 kauften sich Torsten und Birgt Schwarting Saisontickets, die sie seitdem immer wieder verlängern lassen haben, um ja kein Heimspiel der Bremerhavener Puckjäger zu verpassen. Auch auswärts ist das Abbehauser Ehepaar oft mit dabei. Die Tour nach Landshut im März 2013 löst bei ihnen allerdings unangenehme Erinnerungen aus. Das liegt daran, dass Birgit Schwarting dort beim Aussteigen aus dem Bus umknickte und sich das Sprunggelenk brach.

Natürlich nehmen die beiden auch regelmäßig an Fan-Treffen teil und haben sich eine stattliche Ausrüstung an Pinguins-Utensilien zugelegt. Trikots, Käppis, Fahnen, Schals und Maskottchen füllen inzwischen locker einen Kleiderschrank.

Wenn’s ins Stadion geht, zieht Birgit Schwarting sich das Trikot mit der Nummer 32 ihres Lieblingspinguins Cody Lampl an. Ihr Mann hat sich für die Spielkleidung mit der Nummer 55 entschieden, weil er Mike Moore für den Besten im Team hält. So ein Original-Trikot kostet immerhin 75 Euro. Und in die Saisonkarten für ihre Stammplätze in Block 12/Reihe 8 müssen die Schwartings jeweils 700 Euro investieren. Aber diese Ausgaben haben sie noch nicht eine Sekunde bereut.

Torsten Schwarting beeindruckt am Eishockey vor allem, dass die Cracks „kämpfen bis zum Umfallen“ und Schauläufer wie beim Fußball verpönt sind. „Das ist echter Männersport“, sagt er.

Einen neuen Kick hat die Begeisterung für die Pinguins durch deren Aufstieg in die Deutsche Eishockey-Liga bekommen. In dieser Eliteklasse heißen die Gegner nicht mehr Eispiraten Crimmitschau und Lausitzer Füchse, sondern tragen berühmte Namen wie Kölner Haie und EHC München.

Gegen die ganz Großen

Die Schwartings hoffen, dass ihr Team gegen die ganz Großen mithalten kann und am Ende einen einstelligen Tabellenplatz erreicht. Bisher läuft’s für die Außenseitertruppe besser als erwartet. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Torsten Schwarting und freut sich auf sein erstes Auswärtserlebnis in der DEL. Nächsten Freitag ist er mit seiner Frau dabei, wenn die Pinguins bei der Düsseldorfer EG antreten. Die Fahrt nach Berlin am ersten Dezember-Wochenende ist auch schon gebucht.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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