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NWZonline.de Region Wesermarsch Lokalsport

Dieser Sport hat nichts mit Jahrmarkt zu tun

24.08.2018

Wesermarsch Sportschießen bedarf der Konzentration. Joachim Marburg aus Reitland bringt es auf den Punkt: „Geist und Körper müssen beim Schießen im Einklang sein.“ Sein Vereinskollege Reiner Meinen ergänzt: „Das Talent zum Schießen ist den wenigsten angeboren. Der Sport muss trainiert werden.“

Über 2100 Mitglieder üben in der Wesermarsch in 19 Vereinen das Sportschießen aus. Im Jahre 1953 gründete sich der Schützenbund Wesermarsch. Bis zu 55 Vereine gehörten ihm einmal an.

Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen in den Schützenvereinen. Das sind die Ansprechpartner in den Vereinen der nördlichen Wesermarsch: Gisela Eilers, Schützenverein Burhave (Telefon 04733/265),  Henning Belitz, Schützenverein Seefeld (Telefon  0176/415 34 757), Birgit Nordbruch, Sportschützen Esenshamm (Telefon  04731/360 260), Joachim Marburg, Schützenverein Reitland (Telefon 04734/361), Rolf Hecken, Sportschützen Nordenham (Telefon 04731/92 47 10) und Hergen Albers, Schützenverein Abbehausen (Telefon 04731/2 12 26).   

Einen Vergleich zum Schießen auf dem Jahrmarkt lehnen die Sportschützen ab, weil das Ziel dort viel näher am Schützen aufgestellt ist als auf dem Schießstand und die Plastikröhrchen wesentlich größer sind als die „Zehn“ auf der Schießscheibe. Klassisch beim Schießen sind die Disziplinen in zehn Metern Entfernung mit dem Luftdruckgewehr und der Luftpistole. In den Wesermarsch-Vereinen werden für diese Schussdisziplinen elektronische Scheiben beziehungsweise Spiegel mit Zuganlage verwendet.

327 Ringe sind möglich

In Reitland und Burhave lässt sich die Trefferquote des Schützen im Schießstand im Aufenthaltsraum auf einem Bildschirm verfolgen. Elektronisch ist es sogar möglich, eine 10,9 zu treffen. Bei 30 Schuss in der Altersstufe ab 41 Jahre sind so 327 Ringe möglich. Von 18 bis 41 Jahren sind im Wettkampf 40 Schuss gefordert. Das Sportschießen mit Handfeuerwaffen kann in Abbehausen und Seefeld ausgeübt werden, da diese beiden Vereine über die entsprechenden Anlagen verfügen.

Die Unterhaltung der Anlagen ist aufwendig. „Unser 50-Meter-Schießstand muss aus gesundheitlichen Gründen stets von Bleistaub und Pulverresten gesäubert werden“, sagt Reinhard Jäschke von den Seefelder Schützen. Hubert Ringk aus Abbehausen sagt: „Unser Schießstand entspricht mittlerweile den gesetzlichen Vorgaben.“

In Burhave und Abbehausen wird auch Bogenschießen betrieben. In einer Entfernung von 18 Metern in der Halle und bis zu 70 Metern im Außenbereich werden die Auflagen als Ziele mit einer Breite von 1,22 Meter aufgestellt. Diese Sportart beansprucht besonders die Muskeln im Nacken und an der Brustwirbelsäule. Während der Lernphase muss der Schütze oft den Bogen wechseln. „Das Zuggewicht des Bogens muss auf die Physis des Schützen stets neu eingestellt werden“, sagt Nicole von Aswegen-Hansing aus Burhave.

Mit der Armbrust wird in den Schützenvereinen der Wesermarsch nicht mehr geschossen. Zuletzt gab es in Nordenham noch zwei Schützen, die den Sport aus gesundheitlichen Gründen inzwischen eingestellt haben.

Insgesamt gibt es im Schießen in allen Disziplinen bis zu neun Leistungsklassen. Zu einer Mannschaft gehören zumeist drei Schützen. „Es können auch mehr Schützen eingesetzt werden. Allerdings kommen nur die besten Drei in die Wertung“, erläutert Jutta Ringk aus Abbehausen.

Kimme und Korn

Kimme und Korn als Zielvorrichtung gibt es nur bei der Pistole. Bei den Gewehren sind der Korntunnel mit Ringkorn und Diopter Standard. Der Diopter ist eine Visiereinrichtung zum Anpeilen von Zielen mit bloßem Auge. „Damit generell nicht ständig neu eingestellt werden muss, verfügt jeder Schütze gern über eine eigene Waffe“, erklärt Hubertus Ringk.

Luftdruckwaffen werden mit Diabolo-Munition geschossen. Das Weichblei der Patronen verformt sich schon, wenn es aus der Hand auf den Boden fällt. Die Maßeinheit für die Mündungswucht eines Projektils ist Joule. Bis zu 30 Joule werden bei Projektilen aus Luftdruckwaffen gemessen. „In Vereinen wird aber nur mit Waffen bis 7,5 Joule geschossen. Diese sind ab 18 Jahren erlaubnisfrei zu erwerben“, erklärt Rolf Wiechmann aus Esenshamm.

Das Gewicht einer Luftdruckwaffe darf im Wettkampf 4,7 Kilogramm nicht übersteigen. Ab 41 Jahren darf der Schütze eine Auflage nutzen. Ab 71 Jahren darf im Sitzen geschossen werden.

„Das A und O beim Schießen ist es, den Druckpunkt am Abzug genau zu treffen“, sagt Birgit Nordbruch aus Esenshamm. Dort gibt es noch eine mobile Schießanlage im Esenshammer Hof. Beim Bau der Sporthalle war ein Anbau für die Schützen im Gespräch. „Wir waren aber damals zu unentschlossen“, schaut Rainer Spiekermann zurück. In Sälen wurde früher auch in Abbehausen und Blexersande geschossen.

Schießstände bedürfen der Betriebserlaubnis und der Abnahme der Behörde. „Schießstände mit Feuerwaffen werden alle vier Jahre abgenommen. Einen Sechs-Jahres-Rhythmus gibt es bei den Schießanlagen mit Luftdruckwaffen“, schildert Jörg Hullmann, der als Sachverständiger für Schützenstände von der Ordnungsbehörde eingesetzt ist.

Henning Belitz vom Schützenverein Seefeld ist Vorsitzender des Schützenbundes Wesermarsch. Er hebt den Teamgeist hervor: „Ein Verein muss sich als Kollektiv präsentieren.“ Er verweist auf eine gute Physis aller Schützen: „Man muss im Wettkampf über eine Stunde ruhig stehen. Man sollte sich nach jedem Schuss nur mit dem Oberkörper neu ausrichten.“

Bleiweste und Käppi

Einige Schützen nutzen für ihren Sport eine Bleiweste, damit Körperbewegungen und der Pulsschlag die Konzentration nicht beeinflussen. Als Blendschutz nutzen die Sportler Käppis. Viele Schützen betreiben autogenes Training zur Vorbereitung.

Alle Vereine legen Wert auf eine gute Jugendarbeit. Dazu stehen geschulte Trainer und Sportwarte zur Verfügung. In Burhave und Nordenham werden Ferienpass-Aktionen angeboten, die auch gut genutzt werden. „Allerdings kommen die meisten Kinder trotz einiger Sachpreise beim Gästeschießen nicht wieder“, bedauert Rolf Hecken.

Die Ganztagsschule bereitet vielen Vereinen Probleme. Wenn die Kinder erst am Nachmittag zu Hause sind, haben sie oftmals keine Lust mehr auf Sport. Kinder unter zwölf Jahren schießen im Verein mit einem Lichtpunktgewehr. Ein weiterer großer Konkurrent zum Schießen sind Computerspiele.

Alle Vereine freuen sich über Neuzugänge und interessierte Schützen. „Zu uns können auch Urlauber kommen. Heranwachsende mit ihren Meinungen werden bei uns ernst genommen“, schwört Gisela Eilers aus Burhave auf Gemeinschaft. In Butjadingen keimte kurzzeitig die Idee eines Biathlonlaufs auf: „Da sprachen allerdings sicherheitstechnische Gründe dagegen“, sagt Gisela Eilers.

Die Vereinsfahne hat großen Wert bei den Schützen. Da Nordenham sich nicht als Traditionsverein sieht, gibt es dort keine Fahne und keine Uniformen. Schützenjacken gibt es in zwei Grüntönen sowie in grau und rot.

Einmal im Jahr küren alle Vereine ihren Schützenkönig. Nur dieser ist später berechtigt zur Teilnahme am Kaiserschießen. Wer sich für überregionale Meisterschaften auf Landes- und Bundesebene qualifizieren will, muss in Vorkämpfen eine bestimmte Ringzahl erreichen. Mit Franz Büsing aus Reitland verfügt die Wesermarsch über einen deutschen Meister in der Disziplin Luftpistole auf zehn Meter mit Auflage.

Die Frauenquote bei den Schützen beträgt nahezu 35 Prozent. Einig sind sich die Schützen, dass sich der Sport bis ins hohe Alter betreiben lässt.“ Auch behinderte Menschen haben die Möglichkeit, am Schießen teilzunehmen.

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