Lemwerder - Als Michael Wagner* mit „Hallo Mama“ angeschrieben wird, weiß er schon Bescheid. Eine unbekannte Person gibt sich als sein Kind aus, schwafelt von einem kaputten Handy und bittet um Kontaktaufnahme über WhatsApp. Der Mann aus Lemwerder antwortet dort tatsächlich, begrüßt die Person auf dem Nachrichtendienst mit „Hallo meine Süße“ – und spielt das Spiel des Betrügers eine Weile lang mit.
Gewagtes Spielchen
„Ich wollte gerne mal sehen, wie weit diese Personen bei dieser Masche so gehen“, erklärt Wagner sein Verhalten. Seine Hoffnung sei gewesen, dass sich der Betrüger in der Nähe aufhielt und eine persönliche Übergabe des Geldes – an das will der Betrüger nämlich rankommen – hätte stattfinden können.
Der Betrugsversuch startete mit einer typischen SMS. Über WhatsApp kam der Betrüger dann relativ schnell zur Sache.
Wagner versucht deshalb, den Betrüger möglichst lange hin- und aufzuhalten. Hätte dieser einer persönlichen Geldübergabe zugestimmt, hätte er im Vorfeld natürlich die Polizei verständigt, sagt Wagner. Doch dazu kommt es nicht: Als der Betrüger merkt, dass der Lemwerderaner seinen Plan durchschaut hat, blockt er ihn. Eine weitere Kontaktaufnahme ist daher nicht mehr möglich.
Im Laufe der fast zweistündigen Konversation schickt und löscht der Betrüger mehrfach die Kontodaten, auf die Wagner das Geld überweisen soll. Der Mann macht allerdings rechtzeitig Screenshots, um irgendwie bei der Ermittlung des Täters zu helfen. Außerdem erstattet Wagner bei der Polizei Anzeige.
Dass der Betrüger einzig und allein an das Geld seines potenziellen Opfers will, macht er relativ schnell und unverhohlen deutlich.
Schon die sechste Nachricht zielt konkret darauf ab. „Ich musste heute vor Mitternacht eigentlich zwei Bezahlungen überweisen. Könntest du das für mich überweisen“, schreibt der Betrüger, der unzählige Rechtschreibfehler eintippt und eigentlich nie auf die Gegenfragen von Wagner eingeht.
„Bezahlst du online oder musst du zur Bank gehen?“, fragt er weiter. Drei Minuten später heißt es: „Echtzeit-Überweisung muss eingeschaltet sein, dann geht es sofort.“ Dann erhält Wagner – natürlich ohne danach zu fragen – bereits die Kontodaten. Sie werden ihm serviert mit der Frage „Hast du kredit karte“ und der Aufforderung „Schick mir foto von du kredit karte“.
Wie viel Geld Wagner überweisen soll, erfährt er natürlich auch. „Können du 1500 in Echtzeit bezahlen?“, dann ein „Du kannst 2000 nicht bezahlen?“ und am Ende ein „1500?“.
Der Betrugsversuch startete mit einer typischen SMS. Über WhatsApp kam der Betrüger dann relativ schnell zur Sache.
In seiner vorletzten Nachricht schlägt Wagner vor, dass der Betrüger das Geld doch einfach persönlich abholen soll. Jetzt wird der Lemwerderaner geblockt, seine sarkastische Nachricht „Aber dazu müsstest du erstmal wissen, wo Mama wohnt“ erreicht den Betrüger schon nicht mehr.
Polizei nahezu machtlos
Die Polizei teilt auf Anfrage unserer Reaktion mit, dass solche Spielchen mit den Betrügern weder ratsam noch sinnvoll seien. Besser wäre es, die Telefonnummer sofort zu sperren und niemals Geld zu überweisen.
Auch die Screenshots würden bei der Aufklärung des Falles eher nicht helfen, denn „die Ermittlung der verantwortlichen Personen ist schwierig bis aussichtslos“. Der Grund: Handynummern würden nur für kurze Zeit genutzt und im Ausland angemeldet. Gleiches gelte für die angegebenen Konten, die ebenfalls schnell gelöscht würden.
*Namen geändert
