Elsfleth - Einen Vortrag zum brandaktuellen Thema „Dekarbonisierung in der Seeschifffahrt“ hielt im Restaurant „Kogge“ Christian Hoepfner auf Einladung des Nautischen Vereins Niedersachsen. Hoepfner ist gebürtiger Elsflether, am Fachbereich Seefahrt und Logistik der Jade Hochschule absolvierte er sein Studium Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft. Derzeit ist Hoepfner Mitarbeiter des größten nordeuropäischen Zubringerunternehmens in der Seeschifffahrt, Unifeeder (Hauptsitz Aarhus, Dänemark).
Wie andere maritime Unternehmungen auch, sieht sich Unifeeder der Herausforderung der Treibstoff- Dekarbonisierung verpflichtet. In der internationalen Seeschifffahrt werden zurzeit pro Jahr 550 000 Tonnen fossile Treibstoffe verbraucht, die Co2-Emissionen liegen bei zirka 1,655 Millionen Tonnen pro Jahr.
Klimaneutraler Treibstoff
Der Begriff „Dekarbonisierung“ ist ein Begriff der Vereinten Nationen und bezieht sich auf Nachhaltigkeitsziele im Klimaschutz. Das bedeutet auch für die Seeschifffahrt Reduzierungsprozesse auf dem Treibstoffsektor. Hoepfner: „Wir nehmen die Dekarbonisierung als Unternehmen sehr ernst. Es gibt eine Erwartungshaltung seitens der Kunden, Partner und Reeder, die das Problem ebenfalls lösen müssen, ebenso sind Banken und Investoren involviert.“ Unifeeder arbeitet an dem Ziel bis zum Jahr 2024 klimaneutral zu sein, bis 2025 soll eine o-zero Emission erreicht werden. Um das umzusetzen, ist die Verfügbarkeit klimaneutraler Treibstoffe in naher Zukunft noch das größte Problem. Wünschenswert wäre „Grünes Methanol“, das im Gegensatz zu LNG weder gekühlt noch erhitzt werden muss, dafür aber extrem selten und teuer ist. Als Alternativen benannte Hoepfner Wasserstoff (leicht entzündlich und sehr anspruchsvoll), Methan, Methanol oder Ammoniak (sehr giftig).
Erneuerbare Energie
Die Umrüstung auf umweltfreundliche, erneuerbare Treibstoffe bedingt sowohl neue Technologien auf den Schiffen als auch eine adäquate Bunkerinfrastruktur. Um einen übergroßen Containerfrachter anzutreiben, braucht es täglich 200 Tonnen entschwefelte Schweröle oder 430 Tonnen e-Methanol. Für die Produktion dieser Menge Methanol pro Tag werden 52 Windturbinen mit einer Leistung von sieben Megawatt benötigt. Hoepfner: „Bei diesen Zahlen kriegt man ein Gefühl dafür, wie lange der Wandel zu den erneuerbaren Treibstoffen noch dauern wird“. Nach Ansicht von Hoepfner lassen sich aber auch auf anderen Sektoren Co2-Emissionen vermindern. Einschränkungen der Schiffsgeschwindigkeiten erzielen einen geringeren Kraftstoffverbrauch. Auch werden künftig ältere Schiffstypen aus dem Markt genommen und zunehmend mit neuen Technologien ausgerüstete Schiffe eingesetzt werden. Hoepfner: „Mein Unternehmen sieht langfristig den Einsatz von Ammoniak als Treibstoff vor! Um den Einsatz erneuerbarer Energien wird die Seeschifffahrt nicht herum kommen!“
