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Ukrainische Flüchtlinge feiern orthodoxes Osterfest in Nordenham Weit weg vom Krieg und doch mittendrin

Jens Milde
Natalia Polischcuk und Mila Andreiev sind aus Kiew nach Nordenham gekommen. Beide genossen die Auszeit beim Osterfest.

Natalia Polischcuk und Mila Andreiev sind aus Kiew nach Nordenham gekommen. Beide genossen die Auszeit beim Osterfest.

Jens Milde

Nordenham - Als am Sonntag zur Mittagszeit Frauen und Kinder aus der Ukraine im Mehrgenerationenhaus gemeinsam ihre Nationalhymne singen, mischt sich in den Stolz auf das Heimatland und all die Menschen, die es gegen die russische Übermacht verteidigen, auch die Hoffnung. Die Hoffnung, dass der Krieg bald ein Ende hat. Es ist ein ergreifender Moment. Der Krieg ist weit weg, und doch ist er allgegenwärtig. Tanja Lischewski ist nicht die Einzige, die um Fassung ringen muss.

Eigentlich möchte sie einige Worte an die Gäste richten. Das schafft sie auch – irgendwie, mit brüchiger Stimme. Sie heißt die Menschen willkommen, ebenso die SPD-Landtagsabgeordnete Karin Logemann. Tanja Lischewski hatte mit ihren Plaatweg Runners einen Benefizlauf auf die Beine gestellt. Mit einem Teil des Erlöses hat sie gemeinsam mit Iryna Geissl vom SV Nordenham ein orthodoxes Osterfest auf die Beine gestellt. Iryna Geissl wollte nicht, dass die Frauen und Kinder, die aus der Ukraine in die Wesermarsch gekommen sind, dieses Fest allein verbringen müssen. Sie wollte ihnen wenigstens ein kleines Stückchen Heimat und Ablenkung bieten.

Aus Kiew

Zu den Gästen gehören auch Mila Andreieva und ihren beiden Töchter. Das Schicksal der 33-Jährigen steht exemplarisch für so viele Frauen, die in der Fremde ein neues Zuhause gefunden haben. Sie stammt aus Kiew, hat lange in der ukrainischen Hauptstadt ausgeharrt – immer in der Hoffnung, dass der Krieg ein schnelles Ende nimmt. Aber diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Sie nahm ihre beiden Töchter, packte ein paar Sachen zusammen und machte sich auf den Weg. An der polnischen Grenze stieg sie zu wildfremden Menschen ins Auto. Es waren Helfer aus Nordenham.

Ihrer Cousine Natalia Polischcuk erging es ähnlich. Auch sie kommt aus Kiew. Dort leitet sie eine Firma für Arbeitssicherheit. Als die russischen Angriffe immer heftiger wurden, ergriff auch sie die Flucht. Ihr Mann ist beim Militär. In Charkiw kämpft er gegen die russischen Invasoren. Alle drei bis vier Tage bekommt sie eine Nachricht von ihm. Manchmal überwiegt die Angst, dass sie ihren Mann vielleicht nie wieder sieht. In der Regel überwiegt die Hoffnung.

Es gehe ihnen gut in Nordenham, betonen die beiden Frauen. „Dobre“, sagen sie. Auf dem Gelände des Mehrgenerationenhauses schauen sie den Kindern beim Spielen zu. Die Jungen und Mädchen toben auf einer Hüpfburg. Ein Zauberer ist aus Oldenburg gekommen. Die Tanzgruppe Grazia des SV Nordenham begeistert das Publikum. Zur Mittagszeit segnen der katholische Pfarrer Karl Jasbinschek und sein polnischer Kollege Alfred Gryniewicz die Speisen, die die Gäste mitgebracht haben. Auch sie richten einige Worte an die Flüchtlinge: Hoffnung ist das zentrale Thema.


Hoffnung

Die Hoffnung niemals aufzugeben, das ist auch Zoryana Janke aus Hoffe wichtig. „Jesus ist auferstanden, auch die Ukraine wird wieder auferstehen“, sagt sie. Sie stammt aus der Ukraine und hilft Flüchtlingen, wann immer sie kann. Sie übersetzt zum Beispiel bei Arztbesuchen oder Behördengängen. Außerdem sammelt sie Hilfsgüter. Ihr Mann Danny ist schon zweimal mit einem 7,5-Tonner nach Lemberg gefahren – zusammen mit Thorsten Taute.

Auch Iryna Geissl ist fast rund um die Uhr damit beschäftigt, ukrainische Flüchtlinge zu unterstützen. Sie hat ihre Enkel und ihre Schwiegertochter nach Nordenham geholt. Der ganze Verein steht hinter ihr. Geschäftsführer Tammo Seltmann hält alle Türen offen für die Flüchtlinge: „Sie sind willkommen und können jederzeit die Angebote des Vereins nutzen – natürlich kostenlos.“

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