Abbehausen - Eine solche Ansprache haben die Fußballer aus der 3. Mannschaft des TSV Abbehausen noch nie bekommen. Thorsten Legat hat sie gehalten. Kurz vor dem Freundschaftsspiel gegen die SG Schwei/Seefeld/Rönnelmoor. Per Video hat er die Jungs ordentlich zusammengefaltet. „Das Wichtigste für jeden Einzelnen von euch ist, dass er vor jedem Spiel denkt, er wäre im ,Kriech‘.“
Thorsten Legat war einst Bundesligakicker unter anderem für Werder Bremen und den VfL Bochum. Er hat mehrere Amateurvereine trainiert. Inzwischen pflegt er seinen B-Promi-Status durch Auftritte in TV-Sendungen wie „Promiboxen“ und „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“. Um markige Sprüche war er nie verlegen. Das dachten sich auch die beiden TSV-Kicker, die seine Videobotschaft bei einem Anbieter im Internet eingekauft hatten. Torwart Luca Priebe und Verteidiger Moritz Wickner wollten ihren Mannschaftskollegen für den Rest der Saison in der Zweiten Kreisklasse einen ordentlichen Motivationsschub verpassen. In den nächsten drei Punktspielen entscheidet sich, ob die Grün-Gelben die Aufstiegsrunde erreichen oder in der Abstiegsrunde um den Klassenerhalt kämpfen.
Video geht viral
Zumindest im Testspiel gegen den Stadlander Liga-Konkurrenten hatte die Brandrede, die sich der „Motivator“ selbst ausgedacht hat, ihre Wirkung: 4:1 siegte der TSV. „Ich glaube, so gut haben wir noch nie gespielt“, erzählt Luca Priebe. Ob’s am Legat-Video lag? Geschadet hat’s jedenfalls nicht, schon gar nicht dem Bekanntheitsgrad des Dorfvereins. Denn das Video hat sich inzwischen über die sozialen Netzwerke in ganz Deutschland verbreitet.
Dass der für seine robuste Spielweise bekannte Ex-Profi mit seiner brachialen Rhetorik übers Ziel hinausschießt, ist natürlich nicht jedermanns Sache. Da ist von Krieg die Rede, von „anne Wand nageln“, und davon, dass es in jedem Spiel um Familie, Freunde und Kinder geht. Entsprechend erntet das Video, in dem Thorsten Legat in bester Trapattoni-Manier explodiert, nicht nur wohlwollende Kommentare, sondern auch Kopfschütteln.
Legat zieht vom Leder
„Dabei sollte doch jeder wissen, dass dieses Video ein Spaß ist“, sagt TSV-Coach Alexander Cassens, dem die Amtshilfe seines Trainerkollegen ganz gelegen kommt, weil er selbst doch eher der ruhige Typ sei. Was man von Thorsten Legat nicht behaupten kann. Seine Ansprache ist ein verbaler Tritt in den Fußballerhintern. Genau das hatten sich die beiden Auftraggeber gewünscht. „Das Video ist sogar noch besser als erwartet“, freut sich Moritz Wickner, der von Thorsten Legat natürlich keine schöngeistige Prosa erwartet hatte. Der Mann zieht vom Leder, wie man ihn kennt. Das kann man lustig finden oder geschmacklos. Aber auf die Idee, dass die Videobotschaft auch nur halbwegs ernst gemeint sein könnte, ist bei den Feierabendfußballern noch keiner gekommen.
Die gegnerischen Mannschaften müssen sich jedenfalls keine Sorgen machen, dass die TSV-Kicker künftig mit Schaum vor dem Mund auflaufen. Bei allem sportlichen Ehrgeiz gehe es in erster Linie um Fairness und um Spaß, sagt Alexander Cassens. Und weiterhin steht nach dem Kick eine Kiste Bier in der Kabine. Da kann Thorsten Legat rumbrüllen, wie er will.
