Nordenham - „Was wir brauchen, ist Spielzeug“. Diese Bitte mutet zunächst seltsam an. Denn Museumsleiter Dr. Timothy Saunders ist dem Kindesalter längst entwachsen. Eine Kita soll in dem ehemaligen Schulgebäude an der Nordenhamer Hansingstraße auch nicht eingerichtet werden.
Timothy Saunders bittet um die Ausleihe von Exponaten für eine Sonderausstellung, die nach den Vorstellungen des Museumsleiters im März eröffnet werden soll. Dann endet die achtmonatige Weiterbildung von Susanne Stopfel aus Freiburg im Museum Nordenham.
Aus dem Breisgau
„Corona hat mir beruflich das Genick gebrochen“, sagt die 57-jährige Übersetzerin aus dem Breisgau. Fehlende Aufträge in der Zeit der Pandemie führten für die diplomierte Bibliothekarin aus der Selbstständigkeit in die Arbeitslosigkeit.
„Ich komme vom anderen Ende der Republik“, wundert sich Susanne Stopfel selbst darüber, dass sie seit Juli in Nordenham arbeitet. Das ist dem in Deutschland einzigartigen Projekt „Musealog“ zu verdanken. Die Arbeitsvermittlung in Freiburg wies sie auf das von der Arbeitsagentur finanzierte Projekt hin, mit dem arbeitssuchende Akademiker für die Tätigkeit in Museen und Kultureinrichtungen qualifiziert werden. Innerhalb von acht Monaten erwerben sie das Zertifikat „Fachreferentin in Sammlungsmanagement und Qualitätsstandards in Museen“.
Freizeitkultur
Für Timothy Saunders kam Susanne Stopfel gerade recht. So konnte er seinen schon lange gehegten Gedanken einer Spielzeugausstellung Kontur verleihen. Das Museum hat nach seinen Angaben „seit Jahr und Tag“ schon Spielzeug gesammelt, das Eingang gefunden hat in die Dauerausstellung „Freizeitkultur in verschiedenen Epochen“.
Mit der Sonderausstellung wolle man jetzt etwas mehr in die Tiefe gehen und vermitteln, was sich Eltern und Großeltern überlegt haben, bevor sie Spielzeug gekauft und verschenkt haben. Manchmal, so Timothy Saunders, reflektieren die Geschenke die Einstellungen der Schenkenden.
Susanne Stopfel hat bereits einige Exponate wie Spielzeugautos, Legosteine, Baumaschinen von Playmobil und Puppengeschirre gesichtet und katalogisiert. Freuen würde sie sich zum Beispiel über einen Hula-Hoop-Reifen oder ein Tamagotchi, ein aus Japan stammendes Elektronikspielzeug.
Wer etwas zu der Ausstellung leihweise beitragen kann, sollte ins Museum an der Hansingstraße 18 kommen oder sich telefonisch bei Susanne Stopfel (04731/923 903) melden.
