Butjadingen/Hamburg - Den Wind im Gesicht, historische Schiffsplanken unter den Füßen, und den Blick auf das Höhenfeuerwerk in Bremerhaven gerichtet – es hätte ein traumhafter Abend werden können. Und ein ebensolcher Nachmittag, der zwei Tage später hätte folgen sollen. Viele Menschen hatten sich darauf gefreut, zur Bremerhavener Sail 2020 mit der „Cap San Diego“ von der Blexer Rhenus-Kaje aus in See zu stechen. Dann kam Corona und machte alles zunichte.
Es ist nicht mal ein schwacher Trost, dass nicht nur die beiden geplanten Törns auf der Weser ausfallen mussten. „Wir konnten im vergangenen Jahr nicht eine einzige Fahrt unternehmen. Das war wirklich traurig“, sagt Ann-Kathrin Cornelius. Die Butjadingerin hat das Sagen an Bord der „Cap San Diego“. Und seit nunmehr zehn Monaten ist es ihr Job, das Museumsschiff, das im Jahr 1961 in Hamburg-Finkenwerder vom Stapel lief, in der Krise auf Kurs zu halten.
Geschäftsführerin auf dem „Weißen Schwan“
Ann-Kathrin Cornelius hat 2010 an der Zinzendorfschule in Tossens ihr Abitur gemacht und ist dann nach Leer gegangen, um dort Schiffs- und Reedereimanagement zu studieren. Ihren ersten Job trat sie 2014 in der Einsatzzentrale der Bremerhavener Schlepp- und Bergungsreederei Svitzer an. Anfang 2018 ergatterte sie den Traumberuf, den sie bis heute ausübt: Geschäftsführerin der Betriebsgesellschaft des Museums- und Eventschiffs „Cap San Diego“.
Der „Weiße Schwan“, wie das Schiff auch genannt wird, ist gleichzeitig Museum und schwimmendes Hotel, an Bord finden Feiern und Veranstaltungen statt. Außerdem bieten Ann-Kathrin Cornelius und ihre Crew Törns an. All diese Aktivitäten lagen 2020 nahezu komplett auf Eis. Und es ist völlig offen, wann es dieses Jahr wieder losgehen kann.
Auch auf einem Museumsschiff kann man indes nicht einfach die Tür abschließen, zumindest dann nicht, wenn es seetüchtig ist. 24 Stunden am Tag muss an sieben Tagen in der Woche wenigstens eine Person an Bord sein. Tatsächlich waren es mehrere.
Die Crew der „Cap San Diego“ besteht neben der Geschäftsführerin aus drei festangestellten Bürokräften, vier Matrosen und einem Bordelektriker. Hinzu kommen etliche 450-Euro-Kräfte und 120 Ehrenamtliche, von denen 45 die Stammbesatzung bilden. Die Zwangspause haben sie genutzt, um an Bord Arbeiten zu erledigen, die im laufenden Betrieb schwierig zu bewerkstelligen wären. So wurden Gänge und Decksflächen neu gestrichen, und es wurde ein neues Hotelzimmer hergerichtet: die Honeymoon-Suite, die als einziges der jetzt zehn Hotelzimmer an Bord über ein Doppelbett verfügt.
Corona-Maßnahmen auf der „Cap San Diego“
Natürlich gelten auch auf der „Cap San Diego“ die Corona-Vorschriften. „Es sind maximal fünf Leute an Bord“, berichtet Ann-Kathrin Cornelius, die nicht nur ihre Mannschaft bei Laune halten, sondern dazu einen wirtschaftlichen Spagat meistern muss. Die „Cap San Diego“, die ihren Liegeplatz im Hamburger Hafen direkt an der Elbphilharmonie hat, finanziert sich überwiegend durch Spenden, aber eben auch durch die Einnahmen, die die Gesellschaft durch das Hotel- und Eventgeschäft generiert.
Alle ziehen an einem Strang
Der Spagat gelingt mit Kurzarbeit für die Festangestellten. „Und er gelingt, weil alle an einem Strang ziehen“, freut sich Ann-Kathrin Cornelius. Viel Kreativität ist auch dabei. Statt nichts zu tun, hat sich die „Cap“-Crew im Upcycling geübt. So sind aus alten Decksplanken des Schiffs Garderoben, Lampen und Teelichthalter geworden und aus aus ausrangierten Ölfässern Hundebetten und ein Sofa. Letzteres wurde versteigert, die andern Produkte sind im Online-Shop erhältlich.
„Der Erlös fängt zwar die entgangenen Einnahmen nicht auf, aber wir bleiben im Gespräch“, sagt Ann-Kathrin Cornelius.
Im Gespräch bleibt ganz sicher auch der Wesertörn. Sobald wieder die 500 Leute an Bord dürfen, die für eine wirtschaftliche Fahrt nötig sind, soll er nachgeholt werden, eventuell zur „Lütten Sail“, die vom 11. bis zum 15. August in Bremerhaven stattfindet.
Sicher ist, dass die „Cap San Diego“ Bremerhaven bereits am 15. März anlaufen wird. Dann geht’s routinemäßig in die Werft. Bis voraussichtlich zum 6. April wird das Schiff in der Bredo-Werft liegen. Ann-Kathrin Cornelius hofft sehr, dann auch sagen zu können, ab wann wieder Gästefahrten mit dem „Weißen Schwan“ möglich sind.
