Oberhammelwarden - Viele Glückwünsche und noch mehr Geschenke zum 60-jährigen Bestehen: Damit begann der Festkommers zum Stiftungsfest der Nautischen Verbindung „Roter Sand“ im Oberhammelwarder Restaurant „Ankerplatz“. Chief-Mate Melanie Hoppe und der 2. Vorsitzende Sebastian Wennige empfingen Gäste aus ganz Deutschland – darunter auch die Abordnungen zahlreicher befreundeter Verbindungen.
Die Gäste revanchierten sich mit Geschenken, von denen die meisten dazu angetan waren, Durst gar nicht erst aufkommen zu lassen. Dazu zählten kistenweise Bier, Leeraner Hafenwasser, Whisky aus Schottland, flüssiges Obst mit vielen Prozenten und Weine aus berühmten Regionen. Mit dieser Geschenkeflut stiegen die Chancen, am Abend einen stimmungsvollen Festball zu feiern, erheblich.
Zerstörung
Eine ganz andere, dafür vernichtende Flut, die im Juli 2021 weite Teile von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen getroffen hatte, stand im Mittelpunkt des Festvortrags. Korporierter und Gastwirt Thorsten Rech aus Mayschoß an der Ahr berichtete, wie er die Flutnacht und die Folgen der Katastrophe, von der er unmittelbar betroffen war, erlebt hatte. Rech betreibt sein Restaurant „Bahnsteig 1“ in nächster Nähe des Ahrufers. „Bei uns ist die Jahrhundertflut immer noch ein Riesenthema“, betonte Rech, „leider ist sie aus den Medien so gut wie verschwunden“.
Was in der Region, insbesondere in Mayschoß, geschah, habe man zunächst noch nicht als so bedrohlich wahrgenommen, fuhr der Referent fort. Er habe sich noch abends vorgenommen, am nächsten Morgen ein bisschen aufzuräumen. Mit „ein bisschen aufräumen“ war es aber nicht getan: Den Bürgern des kleinen Ortes bot sich ein katastrophales Bild und auch die Gaststätte war von der Flut zerstört. „Brücken, Bäume, Straßen und Häuser: Alles war weg, es gab kein Festnetz, keinen Strom und keine Handyverbindung, dafür unfassbare Mengen von Schutt, Schlamm und Müll“, schilderte Rech.
Wiederaufbau
Die nächste „Flut“ gestaltete sich in Form einer Welle von Hilfsbereitschaft. „Als diese Hilfe anlief, war es für uns in Mayschoß ein guter Grund, nicht zu jammern, sondern gemeinsam nach vorne zu blicken“, erinnert sich der Gastwirt. Hilfe leisteten nicht nur Freiwillige aus ganz Deutschland, auch auf seine Verbindungsbrüder und -schwestern konnte sich Rech verlassen. Er revanchierte sich gerne für die Unterstützung: „Täglich haben wir in den ersten Tagen 300 Essen für die Helfer und Einsatzkräfte gekocht.“
Noch heute sind Thorsten Rech und sein Team mit dem Wiederaufbau des Restaurants beschäftigt. Vieles werde er jetzt anders und hochwassersicher gestalten, aber es gehe nur in kleinen Schritten vorwärts, so Rech. Nicht zuletzt, weil die Betroffenen in der Region von viel zu viel Regularien und einer überbordenden Bürokratie überrollt würden. Dennoch blickt der Gastronom zuversichtlich in die Zukunft: „Wir haben wieder Lust etwas zu machen und feststeht, dass es ohne unsere solidarischen Helferinnen und Helfer bei uns in Mayschoß noch anders aussähe“.
