Großenmeer/Oldenbrok/Wesermarsch - „Drei Praktikanten auf einen Streich: Das hat es hier in meinen zwölf Jahren in der Kita Nordlicht noch nicht gegeben. Ich finde das richtig toll.“ Iris Bredehorn, Leiterin der Kita Nordlicht, sitzt kurz vor dem Beginn des ersten Laternenlaufs seit 2019 – coronabedingt – in der Mensa der Kita Nordlicht in Großenmeer und stellt diese drei Praktikanten mit großem Vergnügen unserer Redaktion vor: Cedric Dellmann (21) , Maxim Englisch (18) und Elric Junge (16) absolvieren zeitgleich ein Praktikum als angehende Erzieher oder Sozialpädagogische Assistenten.
Viele Eindrücke
„Wir sorgen hier für echte Männerpower und haben schon eine Menge gelernt. Wir haben viele Eindrücke gewonnen. Es ist gut, die Praxis einmal aus nächster Nähe kennenzulernen“, sagt Cedric Dellmann. Ob er später aber tatsächlich einmal im Kindergarten arbeiten will, das weiß er noch nicht. „Ich denke, ich würde später wohl lieber mit älteren Kindern arbeiten“, sagen auch Maxim Englisch und Elric Junge. Sie weisen darauf hin, dass im Oldenbroker Kindergarten Sonnenblume mit Maximilian Gey (19) zeitgleich ein weiterer – also 4. – Praktikant aktiv ist.
Keine Schulplätze
Träger der Kitas Oldenbrok und Großenmeer ist der Elternverein Großenmeer-Oldenbrok. Und deren Geschäftsführerin Kathleen Hirsch weist im Gespräch mit unser Redaktion neben der „neuen Männlichkeit“ auf eine interessante Entwicklung hin. So biete das Land Niedersachsen ab dem Jahr 2023 die Möglichkeit an, schrittweise Drittkräfte in den Kitagruppen einzuführen. Dies diene der Sicherstellung der Qualität der Betreuung unserer Kinder. „Ab August 2023 können Kitas Drittkräfte einstellen und bekommen diese über das Land mitfinanziert. Es können für 15 Stunden pro Gruppe Auszubildende eingestellt werden. In der Wesermarsch werde dies aber kaum möglich sein, da die zuständige Schule, die BBS Wesermarsch im Jahr 2023 keine Schulplätze für diese Art der Ausbildung in Teilzeit anbietet“, erläutert Kathleen Hirsch im Gespräch mit unserer Redaktion. Deshalb bedauert Kathleen Hirsch, dass die Kindergärten der Wesermarsch also von der Möglichkeit der Einführung der Drittkräfte, bezahlt durch das Land, nach dem heutigen Stand keinen Gebrauch machen können.
Fachkräftemangel
Dies stehe der qualitativen Weiterentwicklung der Kinderbetreuung, der Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels mit der Gruppenstärke 25 Kinder- und zwei Betreuungskräfte und letztlich der Sicherstellung der Betreuungszeiten bei einem akutem Fachkräftemangel absolut entgegen. Die Einführung der dualen Ausbildung im Bereich Erzieherinnen/Sozialassistenten werde dadurch behindert. „In Niedersachsen haben wir immer noch eine schulische Ausbildung für einen sehr praktischen Beruf. Viele fangen die Ausbildung nicht an, weil sie schulisch ist und praktische Inhalte fehlen. Zudem besteht nicht die Möglichkeit eine Ausbildungsvergütung zu bekommen“, kritisiert Kathleen Hirsch im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie ist jetzt gespannt, ob die Politik hier nachjustieren kann.
