Nordenham - Inga Lüdke hat eine ausgeprägte Abneigung gegen jede Art von Abfall, der unnötig produziert wird und womöglich auch noch die Landschaft verschandelt. Außerdem geht die Nordenhamerin gerne spazieren. Wenn diese beide Eigenschaften zusammenkommen, verwundert es nicht, dass Inga Lüdke ihre Wanderungen durch die Stadt mit spontanen Müllsammlungen verbindet. Neulich war sie wieder in Nordenham unterwegs und hat dabei gleich kiloweise Wohlstandshinterlassenschaften aufgesucht. Ihr Wunsch, in einer möglichst sauberen Stadt zu leben, ist auch Inga Lüdkes Antrieb, in Zusammenarbeit mit dem Bündnis „Nordenham bleibt bunt“ eine große Müllsammelaktion auf die Beine zu stellen. Alle Nordenhamer sind aufgerufen, am Sonnabend, 23. März, bei dem Frühjahrsputz mit anzupacken.
Das Bündnis „Nordenham bleibt bunt“ und seine Partnerorganisationen richten in diesem März mehrere Veranstaltungen anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus aus. Die von den Vereinten Nationen ausgerufenen Aktionswochen gibt es seit 1979. Hier eine Übersicht mit den bisher feststehenden Terminen in Nordenham: Dienstag, 12. März, ab 19 Uhr im Güterschuppen des Theaters Fatale: „Jung, hip und extrem rechts – Was ist neu an den Identitären?“, Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes Montag, 18. März, ab 18.30 Uhr in der Buchhandlung von Bestenbostel: Schlaue Stunde zum Thema Fluchterfahrung, Veranstaltung der Buchhandlung von BestenbostelDienstag, 19. März, ab 19.30 Uhr in der Stadtbücherei: „Hass ist keine Meinung – Hatespeech im Internet“, Veranstaltung der Stadtbücherei Nordenham Donnerstag, 21. März, ab 19 Uhr im Mehrzweckhaus Einswarden: Kurzfilme zum Thema antimuslimischer Rassismus, Veranstaltung der Partei Die LinkeFreitag, 22. März, ab 19 Uhr in der Jahnhalle: „Nordenham rockt bunt“ mit den Bands Hard Birth, Die Meldung und Nudelbox 3,50, Veranstalter ist das Bündnis Nordenham bleibt buntSonnabend, 23. März, 14 Uhr Start auf dem Marktplatz: „Nordenham bleibt bunt und sauber“, Veranstalter ist das Bündnis „Nordenham bleibt bunt“
Das Bündnis „Nordenham bleibt bunt“ hat sich im Herbst vergangenen Jahres gebildet, um ein Signal gegen die rechten Hetzer zu setzen, die Farbanschläge auf eine Moschee und ein türkisches Restaurant verübt hatten. Zu der von dem Bündnis veranstalteten Demonstration gegen Fremdenhass waren am 13. Oktober rund 900 Menschen gekommen.
Zusammenschluss
Dass Inga Lüdke und die Sprecher des Bündnisses, Nils Humboldt und Leon Weiß, nun gemeinsam eine Müllsammelaktion planen, hängt mit einem Vorfall zusammen, der sich im Januar vor dem Rathaus ereignet hat und auf das Konto eines rechtspopulistischen „Freundeskreises“ ging. Die Täter, die sich selbst als „deutsche Bürger“ bezeichneten, hatten vor dem Rathauseingang vier gefüllte Abfallsäcke abgestellt. Ihre in einem schräg formulierten Bekennerschreiben dargelegte Botschaft lautete, dass sich Bürgermeister Carsten Seyfarth über „rechte Aufkleber“ aufrege, aber sich nicht genug um die Sauberkeit in den Parks und auf den Spielplätzen kümmere.
Vor diesem Hintergrund entstand in dem Bündnis die Idee, eine Müllsammlung zu veranstalten. Als Inga Lüdke davon erfuhr, war sie sofort Feuer und Flamme. „Das passt gut zusammen“, sagt sie.
Auch Bürgermeister Carsten Seyfarth begrüßt das Vorhaben. Er ist als Schirmherr dabei und hofft, dass die Aktion am 22. März eine Initialzündung bewirkt. Wenn es gut läuft, sollen künftig regelmäßig im Frühjahr solche Putzeinsätze unter Beteiligung möglichst vieler Bürger stattfinden. Auch Vereine sind aufgerufen, sich zu beteiligen.
Der Bauhof der Stadt Nordenham unterstützt die Aktion mit Rat und Tat. Am 23. März werden sich Bauhofmitarbeiter mit einem Fahrzeug um den Abtransport der gesammelten Abfälle kümmern. Auch das Entsorgungsunternehmen GIB Wesermarsch hat seine Hilfe angeboten und sich bereit erklärt, den Müll auf dem Recyclinghof gebührenfrei anzunehmen.
Start um 14 Uhr
Der Aktionstag steht unter dem Motto „Nordenham bleibt bunt und sauber“. Zum Start treffen sich alle Müllsammler um 14 Uhr auf dem Marktplatz in der Innenstadt. Von dort schwärmen sie aus, um auf sechs Routen von jeweils etwa zwei bis drei Kilometern Länge für Sauberkeit zu sorgen. Die Helfer sollten nach Möglichkeit Handschuhe Warnwesten, Bollerwagen und Greifzangen mitbringen.
Nach getaner Arbeit kommen die Gruppen gegen 16 Uhr wieder auf dem Marktplatz zusammen. Zum Abschluss sind alle Teilnehmer zu Kaffee und Kuchen in der Buchhandlung von Bestenbostel eingeladen.
Bauhofleiter Rainer Stoffers freut sich über das Engagement der Bürger. Er macht kein Geheimnis daraus, dass sein Team es nicht leisten kann, die ganze Stadt sauber zu halten. „Das ist von uns nicht zu schaffen“, sagt Rainer Stoffers und schließt sich der Hoffnung der Initiatoren an, dass der Aufruf auf eine große Resonanz stößt.
