Nordenham - Alle Ratsmitglieder und auch die Zuschauer erhoben sich applaudierend von ihren Sitzen, als Carsten Seyfarth seine Abschiedsrede beendet hatte. „Glück auf und tschüss“, sagte der scheidende Bürgermeister, „es war eine Ehre für mich.“ Damit meinte er seine insgesamt fast elfjährige Tätigkeit – davon knapp sechs Jahre als Verwaltungschef – bei der Stadt Nordenham. Gerade aufgrund seiner engen Verbindung zu Nordenham, wo der gebürtige Braker das Gymnasium besucht und 1987 sein Abitur gemacht hatte, sei der Job als Bürgermeister eine „ganz besondere Aufgabe“ für ihn gewesen. Diese Jahre als Nordenhamer Stadtoberhaupt bezeichnete er als „den bisher spannendsten Abschnitt meines Lebens“.
In der konstituierenden Sitzung des Stadtrates am Mittwochabend in der Stadthalle Friedeburg reichte Carsten Seyfarth (53) die Bürgermeisterkette an seinen Nachfolger Nils Siemen (42) weiter. Die SPD-Abgeordnete Frauke Sommer, die als ältestes Ratsmitglied die Sitzung zu Beginn leitete, hatte zuvor das neue Stadtoberhaupt vereidigt.
Das Beste für Nordenham
In seiner ersten Ansprache als Bürgermeister hob Nils Siemen mehrfach hervor, dass er großen Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit der Politik lege und das Miteinander in den Vordergrund stellen wolle. Ziel müsse sein, gemeinsam das Beste für Nordenham zu erreichen. „Wir wollen jetzt den Wahlkampf hinter uns lassen“, betonte er. Die ersten Gespräche mit den Fraktionen hätten ihn „sehr optimistisch“ gestimmt.
Sein Ansatz als neuer Bürgermeister sei es nicht, alles umzukrempeln. Stattdessen werde er zunächst eine Bestandsaufnahme vornehmen und dann sehen, wo Veränderungen notwendig seien. Fest stehe aber schon jetzt, dass die Kommunikationskultur verbessert werden müsse.
Ruhig und besonnen
Seinem Amtsvorgänger sprach Nils Siemen ein großes Dankeschön für die geleistete Arbeit aus. Carsten Seyfarth habe mit seiner „ruhigen und besonnen Art“ viel Anerkennung gewonnen. Zudem habe er es als Stadtoberhaupt verstanden, strukturiert und sachbezogen die Argumente von allen Seiten abzuwägen, um dann die Dinge auf den Punkt zu bringen. „Carsten Seyfarth hinterlässt große Fußstapfen“, sagte Nils Siemen. Hochachtung habe seine Entscheidung verdient, die politische Verantwortung für die Verwicklungen der Stadt Nordenham in die Greensill-Affäre zu übernehmen, an der Carsten Seyfarth keine Schuld treffe. Vor dem Hintergrund des Finanzskandals, in dessen Folge der Stadt Nordenham ein Verlust von 13,5 Millionen droht, hatte er seine Kandidatur für die Bürgermeisterwahl zurückgezogen. „Wäre Greensill nicht gewesen“, sagte Nils Siemen, „wäre deine Wiederwahl ziemlich sicher gewesen.“
Der scheidende Bürgermeister wünschte seinem Nachfolger eine erfolgreiche Arbeit. „Nordenham ist eine tolle Stadt“, betonte Carsten Seyfarth, „wir neigen nur leider dazu, sie schlecht zu reden.“
