Nordenham - Von der Corona-Krise bleibt kaum jemand verschont. Sie trifft große Unternehmen genauso wie die ganz kleinen. Und sie trifft viele frei schaffende Künstler. Michael Ehré ist Berufsmusiker. Er gehört nicht zu den wenigen, die im Luxus leben und Millionen von Tonträgern verkaufen. Er gehört zu den vielen, die Monat für Monat rechnen müssen, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu verdienen. Für Künstler wie ihn ist die Selbstständigkeit per se eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Die Corona-Krise trifft Michael Ehré deshalb besonders hart.
Auf Platz 65 der deutschen Album-Charts ist das neue Album „Pride“ von The Unity eingestiegen. So gibt es für Michael Ehré und seine Mitstreiter trotz aller Probleme in der Corona-Krise auch eine gute Nachricht. Das Album enthält zwölf Songs. Es ist als CD, Doppel-LP und als Box-Set mit allerlei Fan-Artikeln sowie auf den gängigen Musik-Streamingdiensten erhältlich.
Der Schlagzeuger wäre in diesen Tagen eigentlich mit seiner Band The Unity auf Tour. An diesem Wochenende standen Konzerte in Österreich und in der Schweiz auf dem Programm. Aber die ganze Tournee, die unter normalen Umständen am 12. März in Karlsruhe begonnen hätte, ist abgesagt. Das gilt auch für die Termine in der Nordenhamer Jahnhalle am 24. und 25. April. Immerhin haben Michael Ehré und Jahnhallenchef Stefan Jaedtke schon Ausweichtermine im Spätsommer gefunden.
Im Mai in die USA
Die weitere Entwicklung verfolgt der Schlagzeuger natürlich mit großer Sorge, weil eine weitere Tour auf der Kippe steht. Im Mai und Juni ist der Nordenhamer mit der Gruppe Primal Fear fünf Wochen in den USA unterwegs. Zurzeit gilt dort allerdings ein Einreisestopp für Europäer. Ob er bis zum Tourstart wieder aufgehoben wird, ist ziemlich ungewiss. „Wenn diese Tour auch ausfällt, wäre das für mich finanziell sehr schlecht“, sagt der 48-Jährige. Die meisten Musiker verdienen ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit Konzerten.
Und noch eine Einnahmequelle könnte ins Wanken geraten. Michael Ehré gibt Schlagzeugunterricht. Er hat 15 bis 20 Schüler. Aber die können wegen der Corona-Krise zurzeit nicht kommen. Je länger die Zwangspause anhält, desto schwieriger wird es, die Termine nachzuholen.
Michael Ehré hat die große Hoffnung, dass der Staat hilft, so wie er es angekündigt hat. „Wir brauchen Unterstützung, damit wir den Kopf über Wasser halten können“, sagt er. Mit „Wir“ meint der Nordenhamer nicht nur die frei schaffenden Künstler, sondern auch die Veranstalter und PA-Verleiher. Viele Selbstständige tummeln sich in der Branche. „Die darf die Politik nicht vergessen, wenn es darum geht, der Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen.“
Immerhin gibt es ein Trostpflaster für den Musiker. Am 13. März ist das neue Album von The Unity auf den Markt gekommen. Es heißt „Pride“, und die Verkaufszahlen sind sehr gut. Besonders freut sich die Band über die Rückmeldung der Fans. „Über Facebook und über E-Mail bekommen wir viel Zuspruch und Lob. Die Leute schicken uns Bilder, auf denen zu sehen ist, wie sie unser Album hören.“
Bei aller Sorge um seine eigene Situation weiß Michael Ehré, dass er nicht der einzige ist, den die Corona-Krise in große Nöte bringen könnte. „Vielen anderen geht’s noch schlechter. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es ist, wenn man auch noch Verantwortung für mehrere Mitarbeiter trägt.“
Völlig ungewohnt
Die Zwangspause ist für den 48-Jährigen völlig ungewohnt. Er kann ihr aber auch etwas Gutes abgewinnen: „Als Selbstständiger hat man immer das Gefühl, etwas machen zu müssen.“ Nun wird Michael Ehré zum Nichtstun gezwungen. „Das fällt mir normalerweise schwer. Aber ich ertappe mich gerade dabei, dass mir die Ruhe auch ganz gut tut.“
