Nordenham - Die ältere Dame ist etwas verzweifelt. Sie hat ihre Schlüssel verloren und läuft noch einmal alle Stationen ab, die sie auf dem Nordenhamer Wochenmarkt besucht hat. Daniel Schönig versucht zu helfen. Der Polizeibeamte funkt seine Dienststelle an. Ein Schlüssel ist dort aber nicht abgegeben worden. Daniel Schönig schreibt sich die Telefonnummer der Frau auf. „Mal sehen, vielleicht können wir sie ja doch noch glücklich machen.“
Seit Anfang des Jahres ist der 43-Jährige Kontaktbereichsbeamter bei der Polizei. Er hat die Aufgabe, dort hinzugehen, wo viele Menschen zusammenkommen. Gemeint sind zum Beispiel Volksfeste. Da solche Veranstaltungen in Corona-Zeiten selten geworden sind, beschränken sich die Einsätze von Schönig zurzeit weitgehend auf regelmäßige Wochenmarkt-Besuche. Er macht Abstecher in die Fußgängerzone und ins Bahnhofsviertel. Dabei will der Polizist mit den Menschen in Kontakt kommen. „Der Streifendienst hat es in der Regel mit repressiven Aufgaben zu tun“, sagt Polizeisprecherin Lorena Lemke. „Wir wollen aber auch das andere Bild der Polizei vermitteln.“
Freund und Helfer
Auch wenn Schönig darauf achtet, dass auf dem Wochenmarkt die Maskenpflicht eingehalten wird, ist das nicht seine Hauptaufgabe. Er möchte in erster Linie Ansprechpartner sein. Dass der 43-Jährige in Nordenham gut vernetzt ist, ist da natürlich von Vorteil. Inzwischen trauen sich immer mehr Menschen, den Polizisten anzusprechen. Und worum geht’s dabei? „Um alles Mögliche“, sagt Schönig. „Einige unterhalten sich mit mir über die Raser in Nordenham, andere über Corona-Regeln oder einfach nur über Fußball.“
Mehr Bürgernähe
„Es geht darum, Hemmschwellen gegenüber der Polizei abzubauen“, sagt Dienststellenleiter Patrick Hublitz. Nach seinen Worten soll es künftig in allen Kommissariaten einen Kontaktbereichsbeamten geben. Innenminister Boris Pistorius will mehr Präsenz und mehr Bürgernähe der Polizei. Wie Hublitz mitteilt, sollen die Dienststellen in Niedersachsen in den nächsten Jahren mit mehr Personal ausgestattet werden, um diese Aufgabe erfüllen zu können.
Schönig ist normalerweise auf der Polizeistation Butjadingen tätig. Auch dort sind Bürgernähe und gute Kontakte für ihn wichtig. Der 43-Jährige hat Spaß an seiner neuen Aufgabe, die er im Nebenamt ausübt. Er hat den Eindruck, dass die erhöhte Polizeipräsenz gut ankommt.
Nach seiner Erfahrung gibt es übrigens kaum Probleme mit den Corona-Regeln auf dem Wochenmarkt. „Nur hin und wieder müssen einzelne Besucher daran erinnert werden.“ In den vergangenen Monaten habe er lediglich zwei Platzverweise aussprechen müssen. „Dabei handelte es sich aber um polizeibekannte Maskenverweigerer.“
