Nordenham - Es ist ziemlich genau ein Jahr her, als Nordenham zum „Frauenort Emy Rogge“ gekürt wurde. Nordenham war die 41. Stadt, die diese Auszeichnung vom Landesfrauenrat Niedersachsen bekam. Zu verdanken hat sie dieses Prädikat ihrem Bemühen, das Leben und das Schaffen einer fast in Vergessenheit geratenen Künstlerin in Erinnerung zu rufen: Emy Rogge, die 1866 in Schweewarden geboren wurde.
Einen Beitrag zur Erinnerung an die Künstlerin soll auch der Gedenkweg „Auf Emys Spuren“ leisten, den jetzt die Geschäftsführerin von Nordenham Marketing & Touristik (NMT), Ilona Tetzlaff, vorgestellt hat. Dieser Weg beginnt und endet beim Nordenham-Museum, wo eine Ausstellung mit Bildern und Dokumenten von Emy Rogge zu sehen ist. Die etwa 34 Kilometer lange Tour, die sich am besten mit dem Fahrrad bewältigen lässt, führt zu fünf Informationstafeln an fünf verschiedenen Standorten, die in Verbindung zu Emy Rogge stehen. Tafel Nummer eins steht beim Seniorenheim Hof Picksburg in Schweewarden. Hier befand sich einst das Geburtshaus von Emy Rogge. Anschließend geht’s weiter zur Blexer Kirche, wo Emy Rogge getauft wurde, zur Atenser Kirche, wo sie konfirmiert wurde und nach einem Schlenker über Abbehausen zur Bahnhofstraße 123. Dort hat die Familie Rogge viele Jahre gelebt. Die letzte Station bevor es wieder zurückgeht zum Museum ist das Rathaus. Dort hängt das wohl bekannteste Werk von Emy Rogge, eine Kopie des „Kaufmann von Gisze“.
Emy Rogge lebte von 1866 bis 1959 und wäre wohl in Vergessenheit geraten, wenn der inzwischen verstorbene Dieter Auffarth nicht zufällig auf sie aufmerksam geworden wäre und ihre Lebensgeschichte recherchiert hätte. Emy Rogge ist in Schweewarden geboren. Als Tochter aus gutem Haus war für sie im 19. Jahrhundert eigentlich ein Lebensweg als Hausfrau und Mutter vorgezeichnet. Doch sie wollte unbedingt Malerin werden und verdiente später mit ihrem Traumberuf selbst ihren Lebensunterhalt. Ab 1902 arbeitete Emy Rogge im Berliner Kaiser-Friedrich-Museum und kopierte dort alte Meister. Später war sie als Künstlerin in Worpswede tätig.
Die Künstlerin steht für die vielen unbekannten Malerinnen ihrer Zeit, die stets in zweiter oder dritter Reihe agieren mussten und nie den Ruhm der bekannten Künstlerinnen erlangt haben. Mit Selbstbewusstsein und Widerstandskraft mussten junge Frauen um 1900 für ihre künstlerischen Ambitionen kämpfen. Dennoch wählten sie diesen beschwerlichen Weg und hielten – als „Malweiber“ verspottet – unbeirrt an ihren künstlerischen Zielen fest.
Den Anstoß für die Bewerbung um den Titel Frauenort hatte die Nordenhamer Gleichstellungsbeauftragte Karin Windheim-Czichon gegeben. Der Verein Nordenham Marketing & Touristik (NMT) nahm die Anregung auf und kümmerte sich um die Zusammenstellung der Bewerbungsunterlagen. Mit im Boot waren der Kunstverein Nordenham und die Frauen des Lions-Clubs Wesermarsch, die ihre Vereinigung nach Emy Rogge benannt haben. Der offizielle Festakt, bei dem die Stadt Nordenham den Titel Frauenort bekam, fand am 4. Juli 2019 im Museum Nordenham statt.
Lore Timme-Hänsel und Sabine Siefken vom Lions-Club Emy Rogge Wesermarsch sind diese Tour mit dem Fahrrad gefahren. Sie haben eine Wegbeschreibung geschrieben, die NMT pünktlich zum Beginn der Sommerferien als Flyer herausgeben will. Inzwischen hat der städtische Bauhof alle fünf Infotafeln aufgehängt. Auf dem Blexer Friedhof ist dafür eine Sandsteinstele aufgestellt worden, an den anderen Orten sind die Stelen aus Edelstahl. Die Kosten für die Info-Tafeln hat der Landkreis übernommen.
Eigentlich wollte Ilona Tetzlaff die Eröffnung des Gedenkweges groß feiern – mit Live-Musik und Publikum. Daraus wurde wegen der Corona-Einschränkungen nichts. Immerhin kam bei der Blexer Kirche eine kleine Runde zusammen. Gemeinsam schauten sich Pfarrer Dietmar-Reumann Claßen, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Nordenham, Karin Windheim-Czichon, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Ursula Bernhold, die stellvertretende Bürgermeisterin Angelika Zöllner, Astrid Ripkens von NMT sowie einige Frauen des Lions-Clubs Emy Rogge die Info-Tafel in Blexen ein.
Nach den Worten von Ilona Tetzlaff will NMT jedes Jahr am 4. Juli den Geburtstag von Emy Rogge feiern. Sie teilte außerdem mit, dass die Emy-Rogge-Ausstellung im Museum sehr gut besucht wird. Auch von außerhalb kommen Interessierte, um sie sich anzusehen. Im NMT-Büro steige zudem die Nachfrage nach Radwanderkarten. Die Citymanagerin ist deshalb zuversichtlich, dass sich viele Radfahrer auf Emys Spuren begeben werden. Sabine Siefken kündigte an, dass die Lions-Frauen nach den Sommerferien eine Tour anbieten wollen.
