Nordenham - Vor der herrlichen Kulisse des Blexer Weserschlösschens feierten Ehrengäste und Mitglieder am Sonnabend in der Steelwind-Kantine das 75-jährige Bestehen der Nordenhamer Goethe-Gesellschaft. Ungezwungen, wie gewohnt, und natürlich auch musikalisch umrahmt. Einmal mehr waren es junge Ausnahmetalente, die hier begeisterten: Taras Zdaniuk (22, Violine) und Yuriy Kozar (19, Klavier) spielten unter anderem Zigeunerweisen von Pablo de Sarasate und La Campanella von Franz Liszt.
Im Namen der kurzfristig erkrankten Vorsitzenden, Stefanie Seyfarth, empfing ihr Stellvertreter Stefan Tönjes die Festgäste und las ihre Begrüßungsrede. Ein Vierteljahrhundert erfolgreiche Kulturarbeit in Nordenham, wer hätte dies im Gründungsjahr 1946 gedacht?, fragte Stefanie Seyfarth. Aber sie fand auch gleich die Antwort: Das Geheimnis dieser Erfolgsgeschichte „sind Sie, meine Damen und Herren, die Sie der Goethe-Gesellschaft seit Jahren die Treue halten.“
Festschrift
Der Erfolg werde getragen von großer Neugier auf spannende, aktuelle Themen, auf tolle Musikerinnen und Musiker, und der Freude am regen Austausch. Die vergangenen spannenden 75 Jahre nachzuzeichnen, so Stefanie Seyfarth, brauche sie nicht, denn sie seien niedergeschrieben in der zu einem Lesebuch gebundenen Festschrift.
Die Nordenhamer Goethe-Gesellschaft leiste einen wichtigen Beitrag in der Kulturlandschaft der Wesermarsch, bereichere das Kulturleben in Nordenham maßgeblich und gehe, dies sei dabei besonders anzuerkennen, auch auf die jüngere Generation zu, dankte der stellvertretende Landrat Uwe Thöle in seinem Grußwort.
In Nordenham sei der Johann Wolfgang von Goethe zwar nie gewesen, schloss Nordenhams Bürgermeister Carsten Seyfarth an, doch der Namenspatron sei in der Stadt wesentlich präsenter als in den großen Goethe-Städten. Hier in Nordenham werde der Dichter nicht zu einem Säulenheiligen erhoben, sondern stehe hier mitten im Leben. Die Gesellschaft greife Neues auf, ohne dem Zeitgeist hinterher zu hecheln und sei dennoch der Tradition verhaftet. Das verdiene Anerkennung und Respekt. Nicht ohne Grund sei die Ortsvereinigung mit 330 Mitgliedern die inzwischen größte im Kreise der über 60 deutschen Ortsvereinigungen. Carsten Seyfarth: „Die Nordenhamer spielen in der Champions League der Goethe-Gesellschaften. Wir können stolz darauf sein.“
Kultur als Motor
Den Festvortrag anlässlich der 75-Jahr-Feier hielt Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler. Unter der Überschrift „Kultur als Motor der Gesellschaft im ländlichen Raum“ hinterfragte er zunächst den Begriff „ländlicher Raum“.
Dieser sei eine Erfindung der Städter und sei geprägt von überheblicher Arroganz, sagte er, denn über die Hälfte der Bevölkerung Niedersachsens lebe nicht in den großen Städten. In der Fülle kultureller Angebote brauche sich der „ländliche Raum“ aber auch nicht zu verstecken. Zumal es immer mehr Künstler hinaus aufs Land ziehe.
Aber es genüge nicht, so der Minister weiter, von der Kultur daheim zu wissen, es sei auch wichtig, immer wieder darüber zu reden und das Angebot nach draußen zu tragen.
Den Kommunen riet er, bei der immer wieder diskutierten Kürzung so genannter „freiwilliger Leistungen“ umsichtig zu sein, denn Kultur sei mitnichten eine freiwillige Leistung, die einfach so dem Rotstift zum Opfer fallen dürfe. Björn Thümler: „Es fehlt etwas in einer Gesellschaft, wenn es kein kulturelles Erleben mehr gibt. Wir brauchen dieses Erleben!“
