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Porträt Härtetest nach schwieriger Geduldsprobe

Nordenham - Sein Unterarm schimmert grün und blau. Als hätte er einen Schlag von Bruce Lee erfolgreich abgewehrt. Die Hüfte schaue ähnlich aus, sagt Phil Schaffarzyk. Er grinst. Als Schlussmann des Fußball-Kreisligisten SV Phiesewarden stand in den vergangenen Wochen seine Leidensfähigkeit auf dem Prüfstand. Das lag nicht an übermäßig vielen Gegentoren. Auch nicht an eigenen Fehlern. Vielmehr vermiest der knüppelharte Fußballplatz in Phiesewarden dem 25-Jährigen und seinen Mannschaftskameraden die Freude am Fußballspielen.

Der Fußballplatz

Er spiele seit neun Jahren in Phiesewarden, und der Platz sei nie gut gewesen, sagt Schaffarzyk. „Aber so schlecht war er noch nie.“ Der knochentrockene Boden sei noch hügeliger geworden, weil er kaum gepflegt werde. Es mache immer weniger Spaß, dort zu spielen, sagt er. Auch die Qualität der Spiele werde immer schlechter. „Alle gehen nur noch auf Nummer sicher und dreschen den Ball lang nach vorne.“

Die Infektion

Schaffarzyk genießt es, an diesem Montagnachmittag über das Niveau von Fußballspielen zu sprechen und über die Besonderheiten zu philosophieren, die es gibt, wenn man für einen kleinen Verein die Bälle aus dem Strafraum faustet. Im Frühjahr dieses Jahres war das für ihn alles noch sehr weit weg. Kurz vor Ostern erwischte ihn eine Corona-Infektion. Er habe zunächst über ein wenig Hals- und Kopfweh geklagt, sagt er. Es habe sich angefühlt wie eine leichte Gruppe. Nach fünf Tagen war der Corona-Test negativ. „Es ging bergauf, dachte ich“, sagt er.

Harte Woche

Die Fußballer des SV Phiesewarden stehen vor anstrengenden Tagen: An diesem Mittwoch, 20 Uhr, erwartet die Kreisliga-Mannschaft von Trainer Nico Verhoef den 1. FC Ohmstede. Schon am Freitag spielt der SVP erneut: Die Partie beim TV Metjendorf beginnt um 19.30 Uhr.

Phiesewarden hat aus drei Spielen bisher einen Punkt geholt. Ohmstede hat immerhin schon vier Zähler auf dem Konto. Für Metjendorf lief es bisher noch gar nicht rund: Das Team aus dem Ammerland ist punktlos.

Aber wenige Tage später erlebte er einen Rückschlag. Während er seine Eltern besuchte, ging er die Balkontreppe hinauf und bekam Kreislauf-Probleme. Er habe sich gefühlt wie nach einem guten Aufwärmtraining beim Fußball, sagt er. Also verordnete er sich zunächst eine weitere Woche Pause. „Aber es wurde nicht besser.“ Nach einer ärztlichen Untersuchung wusste er, dass der Weg zurück ins Tor ein wenig länger werden würde, als er es gehofft hatte. Drei Monate musste er sich mit sportlichen Aktivitäten zurückhalten. Nur Spaziergänge seien möglich gewesen. „Ich habe mir gesagt: Kuriere dich vernünftig aus.“

Gesagt, getan. Während dieser Zeit, in die der Aufstieg seines Teams in die Kreisliga fiel, lernte er vieles über sich selbst. Dass es für seine Nerven besser sei, im Tor zu stehen, als die Spiele von der Seitenlinie zu verfolgen, zum Beispiel. „Das ist schlimmer, als lädiert einen Marathon zu laufen“, sagt er. Und dass sich Besonnenheit auszahlt. Heute, sagt Schaffarzyk, sei er so fit wie schon lange nicht mehr.

Der Elfmeter

Am vergangenen Sonntag bewies er das eindrucksvoll. In der Partie gegen den SV Ofenerdiek hielt er beim Stand von 1:1 kurz vor Schluss einen Elfmeter. Weil er sich zu früh bewegt hatte, musste der Strafstoß erneut ausgeführt werden. Auch der zweite Versuch wurde eine Beute Schaffarzyks. Wolfsburgs Torwart Koen Casteels war tags zuvor im Duell mit Schalkes Stürmer Simon Terodde in der Bundesliga das gleiche Kunststück gelungen.


Eigentlich sei er kein Torwart, der viele Elfmeter halte, sagt Schaffarzyk. In einem Pokalspiel gegen Großenmeer habe er mal drei Elfmeter in Folge gehalten. Ansonsten sei seine Statistik eher mau. Doch am vergangenen Sonntag habe er ein gutes Gefühl gehabt. Zugleich habe er gespürt, dass die Anspannung beim Schützen wesentlich größer gewesen sei. „Verständlich“, meint er. „Das war schließlich ein Sechs-Punkte-Spiel, und der Elfmeter ist kurz vor Schluss gepfiffen worden.“ Nachdem er den ersten Elfmeter gehalten hatte, habe er gewusst, dass sein Gegenüber in die andere Richtung schießen werde. Und so kam es auch.

Das Training

Schaffarzyk hält die Elfmeter für Phiesewarden, ist aber auch regelmäßiger Gast beim Torwarttraining der Bezirksliga-Mannschaft des TSV Abbehausen. Coach Jörg Frerichs, der zuvor Trainer in Phiesewarden war, habe ihn gefragt, ob er mitmachen wolle. „Weil ich zwölf Wochen raus war, wollte ich jede Möglichkeit nutzen“, sagt er, zumal er sich mit Abbehausens Torwart Sören Büsing hervorragend verstehe.

Laut Schaffarzyk bringen ihm die regelmäßigen Einheiten mit Abbehausens Torwarttrainer Mathis von Atens sehr viel. Er trainiere dann Muskelpartien, die ein Feldspieler nicht benötige. Außerdem mache es einen großen Unterschied, wenn jemand 50 Minuten lang auf die Technik achte. Schaffarzyk glaubt, dass er ein weitaus besserer Torwart geworden wäre, wenn er schon früher häufiger spezielles Torwarttraining bekommen hätte. „Da wird gerade im Jugendtraining zu wenig Wert drauf gelegt“, meint er.

Beruf und Musik

Torhüter lernen, im Spiel 90 Minuten lang konzentriert zu bleiben – eine gute Schule für das Leben und den Beruf. Vielleicht half das Schaffarzyk beim Schritt in die Selbstständigkeit. Zusammen mit Julian Schwuchow – auch ein begeisterter Sportler – baute er ein Unternehmen auf: „J&P Media Labs“ in Nordenham. Dort ist er für die Software-Entwicklung verantwortlich. Das bindet Zeit. Trotzdem schafft er es noch, für die Tennisabteilung des SV Nordenham aufzuschlagen. Der sportliche Ausgleich sei ihm sehr wichtig, sagt er. Nicht nur körperlich – treffe er doch beim Sport regelmäßig viele nette Leute.

Wenn er komplett abschalten und sich entspannen will, hört er gerne Musik: Rock oder Alternative Rock aus den 2000er Jahren – von den Foo Fighters oder Billy Talent zum Beispiel. Er habe sogar mal in einer Band gespielt, erzählt er. Vier Jahre lang zupfte er bei den „Braincops“ den Viersaiter. „Seitdem steht der Bass zu Hause in der Ecke.“ Und darüber, ob er musisch begabt sei, könne man eh streiten, meint er. Doch das spielt ja keine Rolle. Schaffarzyk ist jemand, der anpackt. Auch wenn’s mal blaue Flecken gibt und viel Geduld nötig ist.

Wolfgang Grave
Wolfgang Grave Redaktion Nordenham (Lokalsport)
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