Nordenham -
Auch für die Nordenhamer Bands hat mit Beginn der Kontakteinschränkungen eine schwere Zeit begonnen. Es gibt keine Auftrittsmöglichkeiten, und auch das Proben ist so gut unmöglich: Es sei denn, man ist nur zu zweit – so wie Oliver Morawietz und Dominique Wempe. Die beiden Nordenhamer, die das Duo Hunky Dories bilden, treffen sich regelmäßig, um Musik zu machen. Und sie hatten auch schon zwei Auftritte während der Corona-Zeit: einen beim Seniorenzentrum am Ilseplatz in Nordenham und einen beim Pflegeheim Haus Christa in Stollhamm. Gespielt haben sie draußen. Und die Pflegeheim-Tournee ist damit keineswegs beendet: Die Hunky Dories wollen weitere Konzerte für Senioren geben. Anfragen nimmt Dominique Wempe gerne unter
Der Gitarrist und die Geigerin machen schon seit Jahrzehnten Musik. Oliver Morawietz hat viele Jahre bei den Long Blokes und bei Dig. B Kwarters gespielt. Dominique Wempe spielt in den Gruppen Ruhwarder Saitenhiebe, Seewind und The Nordic C.
Whisky und Wein
Die beiden teilen nicht nur ihre Vorliebe für Folkmusik. Sie wissen auch einen guten Tropfen zu schätzen. Oliver Morawietz handelt mit Whisky, Dominique Wempe mit Wein. „Wein meets Whisky“ lautet das Motto, wenn sich die befreundeten Familien treffen, wobei es nicht ums Betrinken, sondern ums Genießen geht. „Irgendwann haben wir mal unsere Instrumente rausgeholt und festgestellt, dass wir auch musikalisch gut harmonieren“, erzählt Dominique Wempe. Und so ist die Gruppe Hunky Dories entstanden.
Der Name leitet sich aus dem Namen auf einem Wein-Etikett ab. Seinen ersten Auftritt hatte das Duo im Juli vergangenen Jahres, als die Stadt Nordenham bei einem Festakt im Museum als „Frauenort“ ausgezeichnet wurde. Eigentlich stand am vergangenen Sonntag ein Auftritt vor großem Publikum bei Garten & Ambiente auf dem Programm.
Stattdessen begnügen sich die beiden Musiker jetzt mit kleineren Auftritten, die aber genauso viel Spaß machen. Die Idee dazu hatten sie im Prinzip beide gleichzeitig. Dominique Wempe arbeitet bei einem ambulanten Pflegedienst. Sie weiß, wie wichtig es ist, den alten Menschen ein wenig Abwechslung zu bieten. „Dazu wollen wir gerne einen kleinen Beitrag leisten“, sagt die 48-Jährige. Mit viel Aufwand ist das nicht verbunden. „Und unsere Anlage ist in zehn Minuten aufgebaut“, berichtet Oliver Morawietz, der von seinen Freunde kurz Mo genannt wird.
Lieder kommen gut an
Ihr Programm haben die Hunky Dories ein wenig an ihr Publikum angepasst. Und so tauchen auch Lieder im Programm auf, die unter normalen Umständen nicht zum Programm gehören, aber den Vorteil haben, dass sie fast alle älteren Menschen kennen. „Dat du min Leevsten büst“ zum Beispiel. Die Hunky Dories wissen, dass plattdeutsche Lieder und Shantys gut ankommen bei den Senioren.
Das Publikum bekommt aber auch viele Songs aus dem normalen Repertoire des Duos zu hören. Die Hunky Dories haben sich auf so genannten Indie-Folk spezialisiert. Zu ihren musikalischen Vorbildern gehört die US-amerikanische Band The Decemberists. Oliver Morawietz und Dominique Wempe interpretieren eine ganz Reihe von Songs dieser Band. Der 50-Jährige Großbritannien-Fan hat aber auch ein eigenes Stück geschrieben. Er wollte unbedingt zum Ausdruck bringen, dass er den Brexit für eine schlechte Idee hält. Im Lied dazu teilt er der Queen mit, dass er für Premierminister Boris Johnson einen schönen Platz gefunden hat – im Londoner Zoo.
An der Corona-Pandemie haben beide Musiker zu knabbern. „Anfangs war das wie eine Schockstarre“, gibt Dominique Wempe einen Einblick in ihr Gefühlsleben. „Ohne Kultur stirbt etwas. Man fragt sich, wie lange es gut geht, wenn Menschen auf Kultur verzichten müssen.“ Zum Glück müssen die Menschen in den Pflegeheimen nicht darauf verzichten. Die Hunky Dories kommen gerne.
