Nordenham - Emy Rogge war für ihre Zeit eine ungewöhnliche Frau. 1866 in Schweewarden geboren, interessierte sie sich früh für die Malerei. Dass sie malte, war nichts Besonderes. Dass sie später mit der Malerei ihren Lebensunterhalt verdiente, war allerdings außergewöhnlich in einer Zeit, in der Künstlerinnen gerne als „Malweiber“ verspottet wurden. Rund um Emy Rogge gibt es also viel zu lernen – nicht nur über die Malerei, sondern auch über die Gesellschaft, in der Emy Rogge lebte. All das vereint jetzt ein Lernkoffer, der im Museum Nordenham ausgeliehen werden kann und sich vor allem an Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren richtet.
Viele Materialien
Museumsleiter Dr. Timothy Saunders sowie die Geschäftsführerin von Nordenham Marketing & Touristik, Ilona Tetzlaff, und ihre Kollegin Svenja Faehse stellten den Koffer am Dienstag vor. Er enthält jede Menge Materialien, mit der Lehrer und Schüler eine ganze Arbeitswoche gestalten können. Finanziert wurde der Inhalt mit Fördermitteln der Oldenburgischen Landschaft. Zusammengestellt haben ihn die NMT-Mitarbeiterinnen in Zusammenarbeit mit Stefanie Herter, die als Lehrerin an der Oberschule I tätig ist.
Wie kann man das außergewöhnliche Leben und die Malerei von Emy Rogge Kindern näherbringen, die heute in einer ganz anderen Zeit aufwachsen? Diese Frage stellten sich Ilona Tetzlaff und ihre Kolleginnen, als es darum ging, den Lernkoffer zu bestücken. Der Koffer enthält neben den letzten acht noch verbliebenen Exemplaren eines Buchs, das Dieter Auffarth über die Künstlerin geschrieben hatte, unter anderem Material für das Anfertigen von Aquarellen und Radierungen.
Darüber hinaus enthält der Koffer eine Anleitung, wie sich Lehrer und Schüler in einem fünftägigen Projekt mit dem Thema beschäftigen können. Zunächst geht es um das Leben von Emy Rogge, die im Alter von 21 Jahren Nordenham verließ und anschließend in Dresden, Berlin und Worpswede arbeitete. Die Kinder sollen eine Vorstellung davon bekommen, wie Mädchen damals erzogen wurden und wie schwer es war, in einer männerdominierten Umgebung als selbstständige Künstlerin Fuß zu fassen.
Exkursionen
Auch eine Exkursion ins Museum steht auf dem Programm. Dort können die Kinder in die Geschichte Nordenhams eintauchen und eine Fotosession mit alten Kostümen machen. Bilder von Emy Rogge sind im Museum zu sehen. Die Kinder erfahren etwas über Aquarell-Techniken und die Kaltnadelradierung und dürfen sich dabei natürlich auch selbst ausprobieren. Im Rathaus können sie sich Emy Rogges Kopie „Kaufmann von Gisze“ ansehen. Am Ende der Projektwoche könnte eine Ausstellung mit selbst gemalten Bildern im Stil von Emy Rogge stehen.
Lehrer können den Lernkoffer Emy Rogge ab sofort im Museum ausleihen. Der Lernkoffer ist ein Projekt, um der 2019 verliehenen Auszeichnung „Frauenort Niedersachsen“ gerecht zu werden. Der Landesfrauenrat Niedersachsen vergibt das Prädikat an Städte, die das Wirken besonderer Frauen hervorheben. Die Erinnerung an Emy Rogge ist vor allem Dieter Auffarth zu verdanken, der 2007 ein Buch über die Malerin mit dem Titel „Biographie einer fast vergessenen Künstlerin“ veröffentlicht hatte. Später haben sich die Frauen des Lions-Clubs Wesermarsch nach Emy Rogge benannt.
