Nordenham - Stell dir vor, es gibt freies Internet und keiner nutzt es. Dieser Gedanke drängt sich angesichts der dürftigen Inanspruchnahme der kostenlosen Funknetz-Hotspots in der Innenstadt auf. Auf das von der Stadt Nordenham zum Nulltarif angebotene W-Lan im Bereich der Fußgängerzone und des Marktplatzes greift kaum ein Smartphone-Besitzer zurück. Christine Völker vom Amt für Wirtschaftsförderung hat jetzt eine Auswertung für den Zeitraum von Dezember bis Anfang Juni zusammengestellt. Daraus geht hervor, dass sich im Monatsdurchschnitt nur 50 Nutzer in das städtische W-Lan einloggen. Das sind nicht einmal zwei am Tag. Woran liegt es, dass die Online-Surfer die offiziellen Nordenham-Hotspots links liegen lassen?
Seit 2018 in Betrieb
Genau 16 166 Euro hat die Stadt Nordenham für die Ende 2018 erfolgte Installation des freien W-Lans in der City berappt. Die laufenden Kosten belaufen sich auf 2016 Euro im Jahr.
Die „ernüchternden Nutzerzahlen“ sind laut Christine Völker in erster Linie damit zu erklären, dass es mittlerweile in der Innenstadt eine ganze Reihe von kostenlosen Netzwerk-Zugängen gibt. Wer durch die Fußgängerzone bummelt, hat die Wahl zwischen diversen Anbietern. Auch zahlreiche Läden haben inzwischen Wifi für alle. In diesem üppigen Gratis-Angebot gehen die sechs Stadt-Hotspots womöglich unter.
Außerdem verweist die Mitarbeiterin der Wirtschaftsförderung darauf, dass viele Smartphone-Besitzer heutzutage große Datenvolumen in ihrer Flatrate haben. Da halte sich die Notwendigkeit, bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Gratis-Einwahl zu nutzen, in Grenzen.
Christine Völker vertritt ohnehin die Ansicht, dass „W-Lan mehr etwas für Aufenthaltsorte ist“. Das hat sie am Donnerstagabend auch in einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses deutlich gemacht. Auf Wunsch der Politik trug sie einen Erfahrungsbericht in Sachen freies W-Lan vor und verheimlichte dabei nicht, dass die Nutzerzahlen „weit hinter den Erwartungen“ zurückgeblieben sind. In Anbetracht dieser Erkenntnisse legte sie dem Ratsgremium nahe, sich die Ausgaben für eine Erweiterung des städtischen Gratis-Funknetz-Angebots lieber zu sparen.
W-Lan am Weserstrand?
Zuletzt war angedacht gewesen, auch das Freizeitgelände am Weserstrand zwischen Weserterrassen und Union-Pier mit Hotspots zu bestücken. Trotz einer möglichen Förderung durch das Land Niedersachsen riet Christine Völker davon ab, zumal die Folgekosten für Unterhaltung und Wartung am Ende doch bei der Stadt hängen bleiben würden.
Grundsätzliche Frage
12 000 Euro stehen noch im Haushalt für W-Lan-Ausbaumaßnahmen zur Verfügung. Ob und für welche Zwecke genau das Geld ausgeben werden soll, hat der Wirtschaftsausschuss offen gelassen. In einer der nächsten Sitzungen soll darüber eine Entscheidung fallen.
Dann könnte es auch grundsätzlich um die Frage gehen, ob die Stadt Nordenham noch freies W-Lan anbieten sollte. Für den CDU-Ratsherrn Dr. Tilman Kaethner steht die Antwort schon fest: „Wir kommen damit fünf Jahre zu spät“, sagte er, „heute brauchen wir das nicht mehr.“
Bürgermeister Carsten Seyfarth betonte, dass W-Lan auf Kosten der Stadt unter wirtschaftlichen und finanziellen Aspekten sicherlich verzichtbar sei. Aber auf der anderen Seite sei es nun einmal so, dass freies Internet in vielen Orten „einfach dazu gehört“.
