Nordenham - Seit immerhin 44 Jahren gilt in Deutschland die Gurtpflicht. Trotzdem haben es viele Autofahrer noch nicht verstanden, dass sie sich anschnallen müssen. Den Beweis dafür hat eine großangelegte Verkehrsüberwachung auf den Bundesstraßen 212 und 437 im Zuständigkeitsbereich der Nordenhamer Polizei geliefert. Während der zweiwöchigen Sonderaktion erwischten die Ordnungshüter 32 Gurtmuffel und brummten ihnen Verwarngelder auf. Diese hohe Ausbeute war vor allem dem Einsatz einer Motorradstreife zu verdanken. Mit einem Polizeibeamten, der vom Motorrad aus einen Blick in ihren Wagen wirft, rechnen die meisten Autofahrer offenbar nicht. Dieser Überraschungseffekt kam der Polizei auch beim Ermitteln jener Verkehrssünder zugute, die allen Verboten zum Trotz während der Fahrt mit ihrem Mobiltelefon hantierten. 42 Autofahrer wurden bei einem solchen Vergehen ertappt.
Sowohl bei den Gurt- als auch bei den Handyverstößen war die Tendenz steigend. Auch sonst brachte die herbstliche Sonderaktion, die jetzt im siebten Jahr stattfand, wenig mutmachende Erkenntnisse. „Die Zahl und die Art der Verstöße sind jedes Mal erschreckend“, sagt Polizeikommissar Helge Busemann. Er hat die Überwachungsmaßnahmen gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Keller koordiniert.
Über die zwei Wochen waren rund 20 Beamte in wechselnden Besetzungen im Einsatz. Den Abschluss bildete in der Nacht zum 11. Oktober eine Großkontrolle auf der B 437 am Wesertunnel. Dabei wurde die Nordenhamer Polizei durch Kollegen aus Brake, Schiffdorf, Delmenhorst und Oldenburg sowie durch den Zoll und das Technische Hilfswerk unterstützt.
Ein kleiner Lichtblick im Vergleich zu den Überwachungsergebnissen des Vorjahres war diesmal die von 42 auf 27 gesunkene Zahl der Überholverstöße auf Sperrflächen. Allerdings dokumentierten die Beamten auch einen besonders drastischen Fall von Ignoranz, den sich ein 19-jähriger Fahranfänger erlaubte. Der hatte bei einem illegalen Überholmanöver auf der B 212 in Hartwarden mit einem PS-lahmen Volkswagen Lupo gleich 200 Meter auf der Ratterzone zurückgelegt.
Verstösse insgesamt
Insgesamt nahm die Polizei in den zwei Wochen 538 Verstöße auf – 20 weniger als im Vorjahr. Ein Grund zur Entwarnung ist das nicht, weil der Wert in der Langzeitbetrachtung immer noch hoch ist.
Geschwindigkeit
Bei den Kontrollen ermittelte die Polizei 205 Geschwindigkeitsüberschreitungen, von denen 187 im Bußgeldbereich angesiedelt waren. Bußgelder werden verhängt, wenn die Verursacher mindestens 21 km/h (Personenwagen) oder 16 km/h (Lastwagen) zu schnell gefahren sind. In zehn Fällen steht ein Fahrverbot bevor, weil die zulässige Höchstgeschwindigkeit um mehr als 40 km/h überschritten wurde. Unrühmlicher Rekordhalter war ein 21-jähriger Nordenhamer, der in Hartwarden mit Tempo 195 über die B 212 gerast war. Genau das gegenteilige Vergehen erlaubte sich ein Mofafahrer, der in Sürwürden auf der Bundesstraße mit 25 km/h unterwegs und damit eindeutig zu langsam war.
Schnelle Lastwagen
70 Tempoüberschreitungen gingen auf das Konto von Lastwagenfahrern. Dieser Anteil ist ebenfalls gestiegen. Das versetzt die Polizei in Sorge, da es oft zu brenzligen Situationen kommt, wenn Autofahrer im Tempo-100-Bereich einen Lkw überholen wollen, der 90 km/h oder mehr auf dem Tacho hat.
Grosskontrolle
Die Bilanz der abschließenden Großkontrolle am Wesertunnel weist unter anderem je drei Fälle von Cannabis-Besitz und Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie vier Fälle von Verstößen gegen das Waffengesetz durch Mitführen von verbotenen Messern oder Schlagstöcken aus. Zudem stellte die Polizei bei zehn Autos fest, dass die Betriebserlaubnis erloschen war.
