Nordenham - Als Hedwig Marianne Mittwollen geboren wurde, war gerade der Erste Weltkrieg zu Ende gegangen. Sie ist am 16. November 1918 auf dem Hof ihrer Eltern Alma und Heinrich Reinken in Sarve zur Welt gekommen. An diesem Freitag feiert sie ihren 100. Geburtstag. Und sie tut dies bei guter Gesundheit – auch wenn das Hör- und das Sehvermögen etwas nachgelassen haben.
Stets zufrieden gewesen
Ein Jahrhundert Lebenserfahrung sind für die freundlich lächelnde Dame Grund genug, um dem runden Geburtstag gelassen entgegenzublicken. „Nein, ich bin nicht aufgeregt“, verrät Hedwig Mittwollen, die das Leben immer mit großer Gelassenheit gelebt hat und dabei stets zufrieden war. „Man muss das Leben nehmen, wie es kommt“, ist ihre Devise. Tochter Linda kann sich nicht erinnern, dass ihre Mutter jemals gehadert hätte. Vielleicht ist dieser Wesenszug das Geheimnis ihres hohen Alters.
Vielleicht ist es aber auch die Tatsache, das sie einen Großteil ihres Lebens auf den Fahrrad und an der frischen Luft verbracht hat. Die Familie zog 1924 auf ihre neue Hofstelle an der Ecke Atenser Allee/Viktoriastraße. Dort wurde die Poststelle Altensiel eingerichtet. Nachdem Hedwig Mittwollen ihre Schulzeit an der Atenser Volksschule beendet hatte, trug sie ab 1936 die Post aus. Auch ihr Mann Adolf Mittwollen, den sie 1941 heiratete, war Postbeamter. Wie viele Kilometer die Nordenhamerin im Laufe der Jahre auf dem Fahrrad zurückgelegt hat, lässt sich kaum erahnen. Aber die Arbeit hat ihr immer Spaß gemacht, auch wenn sie manchmal hart war, vor allem dann wenn die Neckermann-Kataloge verteilt werden mussten.
Ihren Mann, der als Telegrafentechniker arbeitete, hatte Hedwig Mittwollen bei einer Tanzveranstaltung in der alten Friedeburg kennengelernt. Während des Zweiten Weltkriegs geriet er in russische Gefangenschaft. Die Nordenhamerin erinnert sich noch gut an das große Glück, das sie empfand, als er 1945 zurückkehrte.
Während des Krieges wohnte die Familie in Großensiel. Nach der Rückkehr von Adolf Mittwollen zogen sie zur Hofstelle ihrer Eltern nach Altensiel und 1952 ins eigene Haus an der Asgardstraße. Haus und Garten waren ihr immer genug. Und anstatt auf Reisen zu gehen, hat sie sich lieber um die Kaninchen gekümmert und um die Hühner, die mit Milch und eingeweichten Brötchen gefüttert wurden. Die betagte Dame schwört noch heute darauf: „So gibt’s die besten Eier“, sagt sie.
Der Mann von Hedwig Mittwollen ist 1989 verstorben. Bis 2017 hat die Witwe noch in ihrem Haus an der Asgardstraße gelebt. Inzwischen genießt sie ihren Ruhestand im Altenzentrum der Arbeiterwohlfahrt am Carl-Zeiss-Weg. Sie nimmt am Sitztanz teil, singt gelegentlich und liest mit großem Interesse die Nordwest-Zeitung.
Wunschlos glücklich
Im Seniorenheim bekommt sie regelmäßig Besuch von ihrer Tochter Linda Herz und ihrem Schwiegersohn Klaus Herz aus Bad Zwischenahn. Hedwig Mittwollen hat zwei Kinder großgezogen. Sie hat drei Enkel und drei Urenkel. Und sie blickt zufrieden auf das vergangene Jahrhundert zurück. Auf die Frage, was sie sich zum 100. Geburtstag wünscht, kann es für die gelassene und zufriedene alte Dame eigentlich nur eine Antwort geben. „Ich bin wunschlos glücklich“, sagt sie.
