Nordenham - Das legendäre Café Victoria in Nordenham an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße/Hafenstraße soll das Highlight einer neuen Dauerausstellung im Museum Nordenham sein.
Die von Museumsleiter Dr. Timothy Saunders unter Mithilfe einiger Musealogen erarbeitete Ausstellung wird einen Querschnitt aus Freizeit und Wohnkultur in den 50-er und 60-er Jahren in Nordenham abbilden.
Tanzlokal mit Varieté
Saunders konnte einiges von dem Mobiliar des Anfang des 20. Jahrhunderts als Tanzlokal mit Varieté eröffneten Hauses für das Museum organisieren. Ältere Jahrgänge erinnern sich an die klassischen Cocktailsessel an den Nierentischen, die ebenso zu sehen sein werden wie das Geschirr und die Lampen aus der Zeit, als die Nordenhamer in dem Tanzcafé in der denkmalgeschützten Gründerzeitvilla ein- und ausgingen.
Für die professionelle Präsentation der Dauerausstellung wurde eine Fachfirma aus Leipzig verpflichtet. Speziell angefertigte Vitrinen sollen in Kürze aufgebaut, hochwertige LED-Leuchtern installiert werden.
Die Gesamtmaßnahme wird insgesamt rund 130 000 Euro kosten. Aus dem EU-Förderprogramm „Leader“ erhält das Museum einen Zuschuss in Höhe von 65 000 Euro, aus dem Regionalfonds „Wesermarsch in Bewegung“ fließen 20 000 Euro.
Weitere Sponsoren dieser Ausstellung sind die Oldenburgische Landschaft, die LzO-Stiftung Kunst und Kultur, die EWE-Stiftung und die Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherung Oldenburg. Der Eigenmittelanteil beträgt 13 000 Euro.
Eine neue Sonderausstellung ist ebenfalls in Vorbereitung. Sie wird sich mit der medizinischen Versorgung in der nördlichen Wesermarsch im 19. und frühen 20. Jahrhundert beschäftigen. Dabei, so Timothy Saunders, wird nicht nur die klassische Medizin in Krankenhäusern und Hausartzpraxen eine Rolle spielen, sondern auch die sogenannte volksmedizinische Versorgung, die damalige Heilmethoden in den Blick nimmt.
Termine ungewiss
Bedingt durch die Corona-Pandemie sind die Eröffnungstermine von Dauerausstellung und Sonderausstellung ungewiss.
Auch neue Exponate hat das Museum zu verzeichnen. Sonja Fröhle schenkte dem Haus eine Standuhr. Sie stammt von dem Hof Dierksen in Ruhwarden, den Hinrich Dierksen 1907 von Adolf Müller gekauft hatte. Dessen Vater Anton Wilhelm Müller hatte die Hofstelle 1857 errichtet. Die Uhr ist in gutem Zustand und funktionstüchtig. Sonja Fröhle ist eine Urenkelin von Hinrich Dierksen.
Dr. Reinhild Spital-Frenking aus Melle hat dem Museum Bilder und Briefe geschenkt, die die Matthis-Sammlung erweitern werden. Die Spenderin ist eine Enkelin des Nordenhamer Kaufmanns Louis Müller, dessen Familie mit dem Kunstlehrer und Maler Rudolf Matthis (1888-1976) aus Nordenham verkehrte.
Sollte die Corona-bedingte Museumsschließung in einigen Wochen oder Monaten aufgehoben werden, werden die Besucher das Haus durch einen neuen Eingang erreichen. Der wird an die Westseite verlegt, wo durch den gläsernen Aufzugschacht schon ein Zugang mit Windfang vorhanden ist. Timothy Saunders ist froh über diese Lösung, weil das imposante Fresco „Der Bruderkuss“ im bisherigen Eingangsbereich dann nicht mehr durch ständigen Luftzug beeinträchtigt wird.
