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nordwest-zeitung

Von Großaufgebot gesichert Castor-Transport aus Nordenham in Biblis eingetroffen

Nordenham - Der in Nordenham gestartete Castor-Transport mit deutschem Atommüll aus der britischen Atomanlage Sellafield ist in Biblis (Kreis Bergstraße) eingetroffen. Der Zug erreichte am Mittwochmorgen gegen 8.00 Uhr den Bahnhof Biblis. Etwa zwei Dutzend Aktivisten demonstrierten im Umfeld des Bahnhofs. Der 600 Meter lange Zug mit sechs Castoren ist seit 00.50 Uhr in Hessen unterwegs.

Auf der Strecke hatte es nach Polizeiangaben weder in Hessen noch in Niedersachsen Störungen gegeben. Der Zug hatte am Dienstagabend den Hafen Nordenham verlassen. Entlang der möglichen Strecken waren Proteste angekündigt. Die Castor-Transporte waren in der Vergangenheit oft von großen Protesten mit Blockaden der Gleise begleitet gewesen.

Der Zug fuhr auf einer überwiegend eingleisigen Bahnstrecke zunächst nach Hude bei Oldenburg, von dort ging es über Bremen weiter Richtung Biblis. Gegen 00.50 Uhr habe der Zug die hessische Landesgrenze passiert, teilte die Polizei Mittwochfrüh mit.

Atomkraftgegner hatten Proteste entlang der möglichen Fahrtstrecken nach Süden angekündigt. Die Bundespolizei sicherte deshalb nach eigenen Angaben mehrere Bahnstrecken in Niedersachsen und Hessen, aber auch in Bremen und Nordrhein-Westfalen. Die Route führte dann aber doch ohne einen Umweg über Nordrhein-Westfalen in den Süden.

Der Castortransport verlässt Nordenham – Impressionen vom Dienstag (Video: 261News) :

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Die Protestaktionen verliefen laut Polizei friedlich. „Es gab keine Störungen während der Schiffsankunft, der Verladephase und während des Transportes“, teilte die Polizei in Oldenburg mit. Lediglich drei Verstöße gegen die Corona Regeln wurden festgestellt, weil kein Mund-Nasen-Schutz getragen wurde. Außerdem hatten Unbekannte im Bereich Nordenham unerlaubt eine Drohne steigen lassen.

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Kritik an Castortransport

Die Castor-Transporte waren in Vergangenheit oft von großen Protesten mit Blockaden der Gleise begleitet gewesen. An dem Transport des gefährlichen Materials gibt es viel Kritik. Umweltschützer sehen Mängel am Zwischenlager Biblis und Sicherheitsdefizite bei den Castor-Behältern. Die für die Lagerung des hoch radioaktiven Atommülls zuständige Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) weist diese Bedenken zurück.

Das Bündnis „Castor stoppen“ kündete Kundgebungen in Biblis unter Einhaltung der Corona-Regeln an. Unabhängig vom Fahrplan des Zuges sollte es am Nachmittag eine Demonstration geben.


Für Deutschland ist es der erste große Rücktransport von Atommüll in Castoren seit neun Jahren. Nach Angaben der Bundesregierung muss Deutschland aufgrund internationaler Verpflichtungen seinen im Ausland aufbereiteten Atommüll zurücknehmen - aus Sellafield wie aus der französischen Anlage La Hague.

Kritik an dem Transport hatte es auch angesichts der Corona-Epidemie und einer möglichen Gefährdung der eingesetzten Polizeibeamten gegeben. Die Polizei verwies auf ein umfassendes Hygienekonzept, die Gesundheit aller Beteiligten genieße höchste Priorität.

Die Castoren enthalten hochradioaktive, in Glas eingeschmolzene Rückstände aus der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield. Sie sollen ins Atommüllzwischenlager Biblis in Hessen gebracht werden.

ATOMMÜLL-TRANSPORT ÜBER NORDENHAM Warten auf das Schiff – Polizei mit Großaufgebot im Nordwesten

Horst Lohe Antje Rickmeier Christian Ahlers Simon Sachseder Kristin Kruthaupt
Nordenham

Nach Sellafield sowie in die französische Wiederaufarbeitungsfabrik La Hague wurden bis 2005 abgebrannte Spaltelemente aus deutschen Atomkraftwerken gebracht. Die Bundesrepublik ist zur Rücknahme des Atommülls verpflichtet. Atomkraftgegner halten den Transport für gefährlich und unnötig, solange es in Deutschland noch kein Endlager gibt. Zusätzliche Risiken bestünden für die Bevölkerung und die Polizei durch die Corona-Pandemie. Der Castortransport wird von mehreren tausend Polizeibeamten geschützt. Nach Angaben der Einsatzleitung gilt für sie ein umfassendes Corona-Hygienekonzept.

SCHIFF UNTERWEGS NACH NORDENHAM Polizeigewerkschaft fordert Absage von Castortransport

Hannover

BGZ: „Sind vorbereitet“

Die für die Lagerung des hoch radioaktiven Atommülls zuständige Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) wies Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und Reparaturmöglichkeiten zurück. „In allen denkbaren Reparaturszenarien sind wir vorbereitet“, sagte Sprecher Burghard Rosen. Auch die Gefahren eines Flugzeugabsturzes seien geprüft worden.

Umweltministerin Svenja Schulze rechtfertigte die Entscheidung, Atommüll mitten in der Pandemie ins Zwischenlager Biblis zu transportieren. „Wir haben Verantwortung für den Müll, den wir nicht im Ausland liegen lassen können“, sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Aus logistischen und genehmigungsrechtlichen Gründen sei eine Verschiebung des Transports nicht in Betracht gekommen. „Natürlich müssen Hygienekonzepte gelten für die Polizisten, die den Transport schützen“, fügte sie hinzu. Es sei vertraglich vereinbart, den atomaren Abfall zurückzunehmen: „Wir können nicht sagen: Liebe Briten, behaltet mal unseren Müll.“

TRANSPORT ÜBER NORDENHAM Dienstag soll Castor-Spuk wieder vorbei sein

Norbert Hartfil
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