Nordenham - Wenn in den Sozialen Medien Bilder über wilde Müllkippen gepostet werden, dann steigt die Erregungskurve bei den Kommentatoren in der Regel steil nach oben. Die Empörung über illegale Abfallentsorgung mitten in der Natur ist groß und spricht für ein ausgeprägtes Unrechtsbewusstsein. Trotzdem gibt es immer wieder Fälle, die den Betrachter fassungslos machen. Am Rande des Parkplatzes an der Burgstraße, der von Besuchern des Blexersander Seenparks genutzt wird, haben Unbekannte vor gut zwei Wochen einen Müllberg hinterlassen, der viele Spaziergänger einfach nur mit dem Kopf schütteln lässt. Und jeder, der daran vorbeikommt, fragt sich: Wer macht sowas?
Stadt muss zahlen
Wie in den meisten Fällen von illegaler Abfallbeseitigung wird es auch diesmal wohl keine Antwort auf diese Frage geben. Und einmal mehr muss sich die Grundstückseigentümerin um die Entsorgung kümmern. Das ist in diesem Fall – wie so oft – die Stadt Nordenham. Die Kosten, die dadurch entstehen, sind nicht unerheblich. Sie liegen bei 10 000 bis 15 000 Euro im Jahr.
Die Kollegen vom Nordenhamer Bauhof haben fast täglich mit illegal entsorgtem Müll zu tun. „Die Täter kommen gerne im Schutz der Dunkelheit. Und sie suchen sich vorzugsweise abgelegene Stellen aus, wo nachts kein Publikumsverkehr herrscht“, weiß Bauhofleiter Rainer Stoffers. Auch die Plätze, auf denen Altglas- und Altkleidercontainer stehen, sind beliebte Ablagestellen für Unrat aller Art. Nach Einschätzung von Rainer Stoffers ist das Problem in den vergangenen Jahren eher größer als kleiner geworden.
Neben dem Parkplatz beim Blexersander Seenpark liegen mehr als eine Dutzend Mülltüten. Außerdem: Kinderspielzeug, Gartenstühle aus Plastik, Bauschutt und vieles mehr. Der Verursacher muss mit einem größeren Fahrzeug oder mir einem Anhänger vorgefahren sein.
Der Landkreis weist darauf hin, dass er jederzeit Hinweise auf illegale Abfallablagerungen entgegennimmt, und zwar unter
Die Stadt Nordenham hat den Landkreis eingeschaltet. Die untere Abfallbehörde nimmt bei der Begutachtung des Mülls nicht nur eine Gefahrenabschätzung vor, sondern sucht auch nach Hinweisen auf den oder die Verursacher. Wie der Pressesprecher des Landkreises, Matthias Sturm, mitteilt, sind solche Hinweise aber nicht gefunden worden. Und das ist leider in den meisten Fällen so.
Wie der Landkreis weiter mitteilt, handelt es sich bei der illegalen Abfallablagerung um eine Dauerthema. „Das Spektrum der illegalen Müllentsorgung ist weit“, berichtet Matthias Sturm. „Es reicht vom Wegschmeißen einer Zigarettenkippe, dem Abstellen von Sperrmüll ohne Anmeldung bis zum ,Entsorgen’ eines Schrottwagens in der Landschaft.“ Solche Vergehen stellen nicht nur eine Gefahr für Natur und Umwelt dar, sie sind ärgerlich für die Bürger im betroffenen Bereich und vor allem für die Grundstückseigentümer. „Illegale Müllentsorgung und Müllverbrennung sind keine Kavaliersdelikte“, sagt Matthias Sturm.
Die Bußgelder, die den Umweltsündern drohen, sind nicht von Pappe. Bei Zigarettenkippen zum Beispiel liegt der Bußgeldrahmen zwischen 10 und 50 Euro. Der Bußgeldkatalog in Niedersachsen reicht bis zu 50 000 Euro für besonders schwere Vergehen.
Strafen drohen
Wer illegal Müll entsorgt oder verbrennt, kann sich nach Mitteilung des Landkreises aber auch strafbar machen, zum Beispiel dann, wenn durch seine Abfälle die nachhaltige Verunreinigung eines Gewässers, der Luft oder des Bodens droht. Matthias Sturm: „So etwas droht zum Beispiel dann, wenn jemand seinen Schrottwagen im Wald abstellt. Denn hier können Rückstände von Benzin oder Öl in den Boden eindringen. In diesem Fall muss der Täter damit rechnen, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen ihn aufnimmt.“
