Nordenham - „Hundert Anrufe am Tag sind nichts“, sagt Sascha Schieffer. Rund zwei Monate später als geplant, darf er seit Mitte Mai endlich wieder Gäste auf dem Nordenhamer Campingplatz empfangen. Darauf scheinen nicht nur die Campingplatzbetreiber, sondern auch die Touristen inständig gewartet zu haben.
„Über Pfingsten sind wir schon ausgebucht“, erzählt Sascha Schieffer. Am langen Himmelfahrtswochenende war es genauso. Zurzeit darf er nur die Hälfte seiner zur Verfügung stehenden Plätze vergeben. „Aber auch wenn wir alle Plätze anbieten dürften, wären wir mit Sicherheit ausgebucht“, betont der Pächter.
Zusammen mit seiner Frau Viola betreibt Sascha Schieffer den Campingplatz am Weserstrand seit fünf Jahren. Im Moment erlebt das Ehepaar einen „Campingplatz-Boom“. „Die Leute wollen raus“, sagt Sascha Schieffer. Einige Urlauber seien schon verzweifelt, weil sie nirgendwo mehr einen freien Platz bekommen.
Verunsicherung noch da
Die Nachfrage ist zwar groß, trotzdem sind viele Leute noch verunsichert. „Wir erhalten auch noch Stornierungen“, sagt der Pächter. Viele Urlauber sind sich nicht sicher, was nun erlaubt ist und was nicht. Denn die Regeln sind von Campingplatz zu Campingplatz unterschiedlich. „In unseren sanitären Anlagen gilt Maskenpflicht“, sagt Sascha Schieffer, „außerdem müssen alle Anreisenden ein Formular mit genauen Informationen ausfüllen.“ Das soll dazu dienen, eventuelle Infektionsketten im Nachhinein besser nachvollziehen zu können.
Natürlich gelten auf dem Nordenhamer Campingplatz auch die allgemein bekannten Abstands- und Hygienevorschriften. Diese werden von den Gästen sehr ernst genommen. Regelmäßig unternimmt das Pächter-Ehepaar Rundgänge, um sicherzugehen, dass alle Regeln befolgt werden. „Das klappt bisher hundertprozentig“, freut sich Sascha Schieffer.
Gäste fühlen sich wohl
Familie Willecke aus Lippstadt in Nordrhein-Westfalen hat schon sehnsüchtig darauf gewartet, endlich wieder den Nordenhamer Campingplatz besuchen zu können. „Wir sind froh, dass wir jetzt wieder herkommen dürfen“, sagt Claudia Willecke. Sie ist zusammen mit ihrem Sohn Maximilian und ihrer Mutter Silke auf dem Campingplatz. „Unsere Männer sind am Wochenende wieder nach Hause gefahren, weil sie arbeiten müssen“, erzählt Claudia Willecke. Die Dauercamper kommen schon seit über 30 Jahren mit dem Wohnwagen nach Nordenham. Sie sind voll des Lobes über die Pächter.
Dass der Campingplatz „von seinen Betreibern lebt“, finden auch Andreas und Anke Hoffmann aus Wilhelmshaven. „Die Familie Schieffer hat ihr Herz wirklich am rechten Fleck“, sagt Andreas Hoffmann. Vor vier Jahren sind die Wilhelmshavener das erste Mal mit dem Wohnwagen auf den Nordenhamer Campingplatz gekommen. Seit dem vergangenen Jahr haben sie einen Dauerstellplatz. Bereits zum Saisonstart in diesem Jahr waren Anke und Andreas Hoffmann angereist. Nach ein paar Tagen mussten sie aber wieder nach Hause fahren, da der Campingplatz aufgrund der Corona-Pandemie schließen musste. Jetzt sind sie froh, wieder hier zu sein.
„Wir kommen gerne nach Nordenham“, sagt Anke Hoffmann, „die Leute hier sind nett und man wird direkt herzlich aufgenommen.“ Vor 16 Jahren hat das Ehepaar mit dem Campen angefangen. Damals wurde noch im Zelt übernachtet. Vor acht Jahren haben sie sich dann einen Wohnwagen angeschafft. Auch Hund Lotta ist schon von Beginn an dabei. „Sie weiß, wie man sich auf dem Campingplatz zu benehmen hat“, sagt Andreas Hoffmann.
Kein Gewinn
Der Campingplatz ist zurzeit gut besucht. Und auch für den Sommer geht das Pächter-Ehepaar von einer hohen Nachfrage aus. Dennoch weiß Sascha Schieffer eins ziemlich sicher: „In diesem Jahr werden wir keinen Gewinn machen.“ Über Ostern und das erste Mai-Wochenende musste der Campingplatz geschlossen bleiben. „Das werden wir nicht wieder einholen können“, sagt er.
Trotz allem sind die Pächter zufrieden und freuen sich, dass sie jetzt überhaupt wieder öffnen durften. „Da weiß man, wofür man das Ganze macht, wenn wieder die ersten Gäste ankommen“, sagt Sascha Schieffer.
