Oldenbrok - Einen wilden Mustang zähmen, davon hat Anna Kannegieter schon immer geträumt. Die 18-jährige Oldenbrokerin ist Pferdekennerin und scheut sich nicht vor großen Herausforderungen. Ihren Traum konnte sie nun wahr werden lassen. Sie gehörte zu den Auserwählten, die mit dem Team des Mustang Makeovers in die USA flogen.
„Ich durfte mir mein Eventpferd aussuchen, um anschließend mit dem unberührten wilden Mustang für neun Tage zu trainieren“, sagt Anna Kannegieter stolz. Der 13-jährige Wallach, Stockmaß 160 Zentimeter, kommt aus dem Warm Springs Gebiet, im Bundesstaat Oregon. „Er war noch vollkommen wild. Wir haben im Laufe des Trainings Anfassen, Putzen und Führen geübt“, sagt die Pferdenärrin.
Mustange aus Auffangstationen in den USA
Aktuell leben etwa 47 000 Mustangs in US-amerikanischen Auffangstationen und suchen ein Zuhause. Sie werden aufgrund von Überpopulation und daraus resultierendem Futter- und Wassermangel eingefangen. Beim Mustang Makeover geht es darum, die wilden Pferde auszubilden. Teilnehmende Trainer, die nach einem Bewerbungsverfahren ausgewählt werden, dokumentieren ihre Arbeit mit Video- und Fotobeiträgen und tragen so dazu bei, den Wissenstand rund um die Pferdearbeit zu verbessern.
Für Anna Kannegieter ist das Pferdewohl eine Berufung. Sie ist mit Pferden groß geworden auf dem idyllischen Anwesen ihrer Eltern, Holger und Heike Kannegieter. Bereits mit vier Jahren hat sie mit dem Reiten und Voltigieren angefangen. Die 18-Jährige: „Das reichte mir bald nicht mehr, denn ich wollte eine tiefere Verbindung mit dem Pferd. Spielerisch habe ich mit Zirkuslektionen und Freiarbeit angefangen.“
Unter Freiarbeit versteht man einen Menschen und ein Pferd, die sich in völliger Freiheit, scheinbar auf magische Weise miteinander verbunden, gemeinsam bewegen. Ein Bild voller Harmonie, Leichtigkeit und gegenseitigem Verständnis.
Von Shetty bis Shire Horse: Trainingsweise ausprobiert
„Ich habe viele Kurse besucht und schließlich meinen eigenen Weg gefunden, Pferde zu trainieren. Ich habe von vielen Pferden gelernt und hatte die Chance meine Trainingsweise an den unterschiedlichsten Pferden von Shetty bis Shire Horse zu testen“, so Anna Kannegieter.
Durch die Corona-Pandemie wurde der Zeitplan für die Überführung des Mustangs nach Deutschland durcheinander gebracht. Ursprünglich war Mitte April angedacht. Pfingsten war es dann endlich soweit. Zusammen mit Vater Holger stand die Tour zur Abholung vom Flughafen Lüttich in Belgien an. Dort wurden auch die Mustangs der 15 anderen Trainer abgeholt.
Die Oldenbrokerin spricht zufrieden über ihren Mustang: „Er ist zutraulich. Von dem ersten Kontakt in der USA ist viel hängen geblieben. Er sucht den Kontakt zu mir.“ Insgesamt wird er 140 Tage auf dem Hof in Oldenbrok verbringen. Für den Mustang ist bereits das saftige Gras auf der Weide ungewohnt, das kennt er bisher aus seiner kargen Gegend nicht. Gemeinsam mit Anna Kannegieter wird er noch so einiges Neues erleben.
Großes Abschlussevent in Aachen im Oktober
Sie bringt sich als Trainerin für Bodenarbeit, Jungpferdeausbildung und Problembehandlungen ein. Ihre Philosophie: „Ich zähle ganz und gar auf die freiwillige Mitarbeit des Pferdes, die ich durch mein faires und berechenbares Verhalten und das Feiern jeder Anstrengung des Pferdes erreiche. Mein Wissen teile ich in Kursen und Unterrichtsstunden.“
Der Höhepunkt der Ausbildung wird dann das große Event in Aachen am 17. und 18. Oktober. Dort werden die Mustange in Prüfungen vorgestellt. Anna: „Dafür lasse ich mir noch etwas besonderes einfallen.“ Im Anschluss an das Finale werden die Mustange versteigert und finden so ein Zuhause.
