Einswarden/Hamburg - Nordenham profitiert vom Durchbruch, der jetzt in den Verhandlungen beim Flugzeughersteller Airbus erzielt worden ist. Der von der IG Metall durchgesetzte Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2023 wird auch im Tochterunternehmen Premium Aerotec (PAG) und damit auch für das PAG-Werk im Nordenhamer Stadtteil Einswarden wirksam.
Wechsel nach Hamburg
Das bestätigte Konzernbetriebsratsvorsitzender Holger Junge auf Nachfrage dieser Redaktion während einer am Donnerstag kurzfristig einberufenen Online-Pressekonferenz. Allerdings sollen 250 bis 300 Mitarbeiter aus den PAG-Standorten Nordenham, Bremen und Varel zu Airbus nach Hamburg wechseln.
Wie Holger Junge erläuterte, wird im März/April Bilanz gezogen, wo infolge des bisherigen freiwilligen Ausscheidens von Mitarbeitern Stellen frei geworden sind und wo Auslastungslücken bestehen. Auf dieser Basis soll auch in Nordenham Mitarbeitern angeboten werden, sich zunächst dafür zu qualifizieren, um sich dann schrittweise ins Arbeitssystem bei Airbus in Hamburg zu integrieren.
Wie hoch die Zahl der Mitarbeiter aus Nordenham sein wird, lässt sich laut Nordenhamer Betriebsratsvorsitzenden Michael Eilers zurzeit ganz schwer einschätzen. Es komme darauf an, welche speziellen Qualifikationen in Hamburg benötigt werden und wie viele Mitarbeiter freiwillig nach Hamburg wechseln wollen. „Bei uns haben bisher weit über 100 Mitarbeiter signalisiert, dass sie sich einen Wechsel vorstellen können, aber inwieweit es tatsächlich dazu kommt, hängt mit den jeweiligen Qualifikationen und Funktionen zusammen.“
Freiwilliger Abbau
Bisher lief wie im ganzen Konzern so auch bei PAG in Nordenham ein freiwilliger Personalabbau. Was folgt, war offen. Angst machte sich breit.
Derweil haben weit mehr als 300 in Einswarden Beschäftigte das Abfindungsangebot angenommen und freiwillig einen Aufhebungsvertrag unterzeichnet. 165 Leiharbeitsstellen sind gestrichen worden. Etwa 100 Mitarbeiter sind in Altersteilzeit gegangen. Hinzu kam die normale Personalfluktuation.
Insgesamt sind somit von den knapp 3000 Stellen im März vergangenen Jahres somit rund 600 Stellen weggefallen.
Michael Eilers weist darauf hin, dass damit die Auslastungslücke von 1170 Stellen infolge des Auftragseinbruchs von 40 Prozent halbiert worden ist. Den Rest werde man jetzt schaffen mit den Mitteln der Kurzarbeit, durch Aufträge zur Forschung und Entwicklung und – sofern im nächsten Jahr noch eine Lücke bleibt – mit Arbeitszeitverkürzung.
„Wir sind sehr erleichtert, dass in dieser größten Krise der Luftfahrtindustrie Bedrohungen durch Kündigungen nun vom Tisch sind.“
Auch und gerade jüngere Kollegen hätten sich große Sorgen gemacht, wie es weitergeht. Ganz wichtig für diesen Durchbruch sei auch, so der Nordenhamer Betriebsratsvorsitzende, die große politische Unterstützung gewesen. Ohne die Verlängerung der Kurzarbeit wären die Bedrohungen sicherlich noch nicht vom Tisch.
Auf Anfrage dieser Redaktion hat die Premium Aerotec GmbH mit Hauptsitz in Augsburg am Donnerstag den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bestätigt. Allerdings liest sich die von Pressesprecherin Barbara Sagel übermittelte Stellungnahme zurückhaltender als die Aussagen der IG Metall. Zudem enthält die PAG-Stellungnahme eine gewisse zeitliche Einschränkung.
Wörtlich heißt es in der Stellungnahme der PAG-Geschäftsleitung zunächst: „Bei Airbus fand am 3. März eine Sitzung des Europäischen Betriebsrats (SE-Betriebsrat) statt, in der das Unternehmen den Sozialpartnern bestätigte, dass sein COVID-19-Anpassungsplan spätestens im Sommer 2021 zu einem formellen Abschluss kommen wird.“ Die PAG-Stellungnahme setzt dann wörtlich so fort: „Zum jetzigen Zeitpunkt und dank der Wirksamkeit aller bisher umgesetzten sozialen Maßnahmen sieht die Airbus-Tochter Premium Aerotec keine Notwendigkeit, betriebsbedingte Kündigungen durchzuführen – in Erwartung der erfolgreichen Umsetzung der laufenden internen Mobilitätsmaßnahmen. Premium Aerotec wird den Erfolg der Maßnahmen in den nächsten Wochen fortlaufend prüfen.“
Hinzugefügt teilt Premium Aerotec mit: „Seit dem Start seines COVID-19-Anpassungsplans zur Anpassung an den Pandemie-bedingten Auslastungsrückgang von rund 40 Prozent hat Premium Aerotec alles dafür getan, die sozialen Auswirkungen der Krise durch Maßnahmen wie freiwilliges Ausscheiden, Vorruhestand, interne Mobilität und durch staatlich geförderte Instrumente wie Kurzarbeit oder Luftfahrtförderung so gering wie möglich zu halten.“
Zwischen Airbus-Management, Gesamtbetriebsrat und IG Metall ist der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2023 und darüber hinaus dies vereinbart worden: die Vereinbarung zur Kurzarbeit ist bis Ende 2021verlängert; Anschließend gibt es für den Fall von weiteren Auslastungslücken die Möglichkeit zur kollektiven Arbeitszeitverkürzung. Die Anwendung muss durch die Betriebsparteien vor Ort beschlossen werden. Verluste beim Entgelt werden durch einen Aufstockungsbetrag des Arbeitgebers und durch einen Solidartopf abgefedert.
