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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Rezepte gegen den Landärztemangel

29.08.2018

Abbehausen Mit dem Problem der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum werden die betroffenen Bürger wohl noch einige Jahre leben müssen. Der sich weiter verschärfende Landärztemangel wird kurzfristig nicht zu beheben sein, und auch technische Möglichkeiten für die Verbesserung des Gesundheitswesens auf dem Land lassen sich nicht von heute auf morgen verwirklichen. Das ist das Fazit eines Informations- und Diskussionsabends mit Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, am Montagabend im Butjadinger Tor in Abbehausen.

Der Einladung des CDU-Stadtverbandes Nordenham dazu waren rund 100 Parteimitglieder und Gäste gefolgt. Vorsitzende Sabine Dorn gab dem Minister, der auch Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Wesermarsch ist, in Form eines Interviews die Gelegenheit, sich zu seinem Ressort betreffende Themen zu äußern. Anschließend konnten auch die Teilnehmer der Veranstaltung Fragen stellen.

Der Einführung einer Landarztquote, bei der eine festzulegende Anzahl der Medizinstudienplätze an Bewerber vergeben wird, die sich für die Zeit nach dem Studium für eine Hausarzttätigkeit auf dem Lande verpflichten, erteilte der Politiker aus Berne erneut eine Absage. Man könne nicht verlangen, dass sich junge Menschen gleich zu Beginn ihres sechsjährigen Medizinstudiums und in der Regel auch ohne Praxiserfahrung für mehrere Jahre auf eine Fachrichtung und damit auf ein bestimmtes persönliches Umfeld festlegen, argumentierte Björn Thümler. Er machte auch verfassungsrechtliche Bedenken geltend.

Anreize schaffen

Der Wissenschaftsminister ist der Ansicht, dass es andere Instrumente gibt, um Anreize für eine Landarzttätigkeit zu schaffen. Die müssten aber auch genutzt werden. Viele junge Mediziner wollten die Verantwortung in einer ländlichen Praxis nicht allein tragen. Dafür könnten „Satellitenpraxen“ geschaffen werden, in denen angestellte Ärzte tätig sind.

Dass zur Behebung des Ärztemangels auch eine Aufstockung der Medizinstudienplätze erforderlich ist, daran ließ Björn Thümler keinen Zweifel. Er wies auch den Koalitionsvertrag der schwarz-roten Landesregierung hin, der die Einrichtung von 200 neuen Studienplätzen vorsieht. Davon sollen 60 in Braunschweig als Außenstelle der Universität Göttingen sowie 140 an der European Medical School in Oldenburg und Groningen geschaffen werden. Dafür müssten aber zunächst die räumlichen und personellen Voraussetzungen geschaffen werden.

Der Minister sprach sich für die Vergabe der Medizinstudienplätze für die Einführung einer Talentquote aus, die zumindest zu einem bestimmten Anteil die bisherige Wartezeitquote ersetzt, die sich nach der Abiturnote des Bewerbers richtet. Die Talentquote soll jenen jungen Menschen zugutekommen, die beispielsweise bei Rettungsdiensttätigkeiten oder entsprechenden Aus- und Fortbildungen ihre medizinischen Fähigkeiten bereits bewiesen haben.

Telemedizin

Der Nordenhamer Kinderarzt Dr. Tilmann Kaethner, Mitglied der CDU-Stadtratsfraktion, befürwortete die von Björn Thümler genannten Maßnahmen, stellte aber fest, dass 12 bis 15 Jahre vergehen würden, bis sich die ärztliche Versorgung verbessere. Er fragte, ob zwischenzeitlich eine Verbesserung durch die Telemedizin möglich sei. Dabei werden medizinische Leistungen erbracht, ohne dass der Patient in die Praxis muss. Der Minister plädierte für den Ausbau der Telemedizin. Jedoch müssten auch dafür erst die technischen Voraussetzungen durch ein flächendeckendes Breitbandnetz geschaffen werden.

Auf die volle Zustimmung des Wissenschaftsministers stieß die Kritik des Nordenhamer Apothekers Dieter Rudkoffsky. Er wies auf das Apothekensterben hin, das vornehmlich durch ungerechten Wettbewerb mit den Versandapotheken verursacht werde. Während im deutschen Fernsehen sogar mit dem Ausspruch „Ich bin doch nicht blöd und zahle Rezeptgebühr“ für die Versandapotheken geworben wird, sei er gezwungen, die Rezeptgebühr für die Krankenkasse zu kassieren. Verzichte er darauf, riskiere er eine 100 000-Euro-Buße und seine Zulassung, klagte der Apotheker.

Es sei falsch, auf diese Weise einen Berufsstand zu verjagen, der zudem, im Gegensatz zu den Versandapotheken, auch eine Beratung anbiete, stellte Thümler fest. Jedoch seien die Versandapotheken nicht der einzige Grund für das Apothekensterben. Dort, wo es keinen Arzt mehr gibt, könne auch eine Apotheke nicht mehr existieren.

Rolf Bultmann
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2202

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