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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Wegen AfD-Mitgliedschaft aus Gewerkschaft gemobbt

15.01.2015

Nordenham Er sagt von sich selbst, dass er als Gewerkschafter in der Wesermarsch „bekannt wie ein bunter Hund“ ist. Diese Einschätzung hat durchaus ihre Berechtigung, denn Helmut Klug kann nicht nur eine 48-jährige Gewerkschaftsmitgliedschaft vorweisen, sondern auch ein vielfältiges Engagement als Mandatsträger in verschiedenen Funktionen. Er wirkte im Ortsvorstand der Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie (IG BCE) mit, war viele Jahre Betriebsratsmitglied bei Kronos Titan und gehörte im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) dem Vorstand des Kreisverbandes Wesermarsch an. Jetzt hat der 64-jährige Nordenham einen dicken Schlussstrich gezogen und sowohl sein DGB-Mandat niedergelegt als auch seine Mitgliedschaft in der IG BCE gekündigt.

Bitter enttäuscht

„Ich bin tief gekränkt und bitter enttäuscht“, sagt er, „meine gewerkschaftliche Arbeit wurde nicht gewürdigt und war von einem Tag auf den anderen nichts mehr wert.“ Helmut Klug fühlt sich vom DGB und der IG BCE ausgegrenzt. Dazu kam es, weil er einer Partei beigetreten ist, die in Gewerkschaftskreisen als „rechtspopulistisch“ und damit als tabu gilt. Die Rede ist von der Alternative für Deutschland (AfD).

Im Mai vergangenen Jahres hatte Helmut Klug sich dem neugegründeten AfD-Ortsverband Wesermarsch Nord angeschlossen. Der Vorsitzende der IG BCE Wesermarsch, Wilfried Riesebieter, und ein weiteres Vorstandsmitglied der Ortsgruppe dieser Gewerkschaft, traten ebenfalls der AfD bei.

„Wir begrüßen es, wenn Gewerkschafter bei uns mitarbeiten“, sagt der Nordenhamer AfD-Ortsvorsitzende Wolfgang Kiep, „schließlich wollen wir eine Bürgerpartei sein, die alle gesellschaftlichen Gruppen abbildet.“

In den Gremien des Gewerkschaftsbundes jedoch gelten AfD-Anhänger als unerwünschte Personen. Das bekamen Helmut Klug und Wilfried Riesebieter schnell zu spüren. Den beiden Nordenhamern wurde deutlich gemacht, dass ihre Tätigkeit im DGB-Kreisvorstand nicht mit einem Engagement in der Alternative für Deutschland vereinbar sei.

Helmut Klug bekam zudem vom zuständigen DGB-Sekretär Danny Schnur zu hören, er habe Partei und Amt bei Auftritten an Wahlkampfständen der AfD nicht voneinander getrennt. Damit habe er den Eindruck erwecken wollen, dass es einen Schulterschluss zwischen der AfD und den Gewerkschaften gebe. Diesen Vorwurf weist Helmut Klug als anmaßend und als „unglaubliche Frechheit“ zurück. Seiner Meinung nach besteht überhaupt kein Anlass dafür, in einer gewerkschaftlichen Arbeit und einer gleichzeitigen Zugehörigkeit zur AfD einen Konflikt zu sehen. „Wenn ich in der SPD wäre, hätte man mir beim DGB bestimmt die Füße geküsst“, sagt er und beteuert, mit rechtsgerichteten Parolen nichts am Hut zu haben.

Als im DGB bekannt wurde, dass er im AfD-Ortsvorstand das Schriftführeramt übernommen hatte, verschärfte sich der Gegenwind. „Ich wurde auf einmal abqualifiziert und diskreditiert, obwohl ich für die Gewerkschaft immer gute Arbeit gemacht habe.“

Im August fasste der DGB-Kreisvorstand in Abwesenheit der AfD-Mitglieder Helmut Klug und Wilfried Riesebieter einen Grundsatzbeschluss, in dem die Alternative für Deutschland mit der rechtsgerichteten NPD gleichgestellt und somit geächtet wird. Das bedeutet unter anderem, dass AfD-Vertreter bei Diskussionsrunden und anderen Veranstaltungen des Gewerkschaftsbundes draußen bleiben müssen. „Das ist der Hammer“, findet Helmut Klug, der als Reaktion auf diesen Beschluss sein Mandat im DGB-Kreisverband niederlegte. „Persönlich getroffen“ hat es ihn besonders, dass die DGB-Kollegen, mit denen er bis dahin gut klar gekommen war, nicht ein klärendes Gespräch mit ihm suchten.

Ärger mit der IG BCE

Mit der IG BCE gab es auch bald Ärger. Grund war ein Leserbrief, in dem Helmut Klug scharfe Kritik am Gewerkschaftsbund übte. Die Bezirksleiterin der IG BCE, Vera Ackermann, bat den Nordenhamer im November zu einem Treffen und legte ihm dabei nahe, seine Vorstandstätigkeit in der Gewerkschaft zu beenden. Einem drohenden Ausschlussverfahren kam Helmut Klug zuvor, indem er sogleich seinen Austritt aus der IG BCE erklärte. Den Vorwurf, er habe mit dem Leserbrief überzogen, hält er für herbeigeholt. „Tatsächlich ging es um meine Mitgliedschaft in der AfD“, glaubt er.